Ärzte sitzen in einer Notaufnahme am Computer. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert)

Ärzte wollen mehr Zeit für Patienten

  14.12.2020 | 13:21 Uhr

Ärzte und Psychotherapeuten fordern von Politik und Verwaltung einen massiven Bürokratieabbau, um wieder mehr Zeit für Patienten zu haben. Als aktuelles Beispiel verweisen sie auf die stetig wechselnden Vorgaben zur Corona-Pandemie. Im Durchschnitt verbringt ein niedergelassener Arzt in Deutschland rund zwei Monate pro Jahr mit Papierkram.

In einem Appell findet die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland (KV) klare Worte. Ärzte und Psychotherapeuten wollten für die Nöte und Sorgen ihrer Patienten da sein und ihre Erkrankungen heilen. Durch die zunehmende Bürokratie fehle dafür aber die Zeit. „Der Kampf mit der Abrechnung, von Quartal zu Quartal geänderte Bestimmungen zum Einheitlichen Bewertungsmaßstab, Dokumentationspflichten, Rechtfertigungszwänge in der Wirtschaftlichkeitsprüfung oder aktuell das heillose Wirrwarr der Vorgaben zu Corona-Testungen und Dosierungsangaben auf Rezepten sind nur einige Beispiele dafür, wie unser Praxisalltag durch bürokratische Vorgaben immer mehr belastet wird.“

61 Tage Bürokratie pro Jahr

Nach dem aktuellen „Bürokratie-Index“, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) herausgibt, verbringt ein niedergelassener Arzt oder Psychotherapeut durchschnittlich 61 Arbeitstage pro Jahr mit bürokratischen Aufgaben.

Besonders sauer stößt den Medizinern die hektische Rechtssetzung in der Corona-Pandemie auf. Dadurch müssten manchmal sogar wöchentlich die relevanten Abläufe für die Patientenversorgung in den Praxen geändert werden.

Umsetzbare Konzepte gefordert

Für die Digitalisierung fordert die KV umsetzbare Konzepte, die die Praxisabläufe nicht zusätzlich belasten dürfen. Bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) etwa sei es im Moment so, dass diese zum Start zwar digital an die Krankenkasse geschickt werden soll, Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber weiter einen Papierausdruck bekommen.

Schlägt die Übertragung fehl, muss auch bei der eAU weiter eine Papierbescheinigung an die Krankenkasse geschickt werden. Zudem, so die KV, müsse jeder elektronische Arztbrief und jeder Notfalldatensatz einzeln digital signiert werden – noch mehr Bürokratie also für die Praxen. „Digitale Konzepte müssen unter dem Aspekt des Patientennutzens und der Vereinfachung zunächst auf den Prüfstand gestellt werden, bevor sie den Weg in die Versorgung finden“, heißt es in dem Appell weiter. Ein „Hauruckverfahren“ lehnt die KV ab.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja