In einem OP hängt im Vordergrund ein Infusionstropf. Dahinter ist unscharf ein Ärzteteam bei einer Operation zu sehen. (Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe)

Zulassung von 60 Ärzten im Saarland wird überprüft

Mit Informationen von Barbara Spitzer   12.01.2021 | 19:20 Uhr

Die Skandale um einen pädophilen Assistenzarzt und um einen Pathologen haben eine Welle von approbationsrechtlichen Verfahren ausgelöst. Nach Behördenangaben wird derzeit die Zulassung von 60 Ärzten überprüft. 2017 waren es nur sieben.

Anlass für die Überprüfung der Approbationen sind die vermehrten Anzeigen von Ärztekammer, Uniklinik und Staatsanwaltschaft wegen Fehlverhaltens. Dabei geht es etwa um mögliche Kunstfehler, Alkoholsucht oder Abrechnungsbetrug.

Video [aktueller bericht, 12.01.2021, Länge: 3:14 Min.]
Mehr Überprüfungen von Arzt-Approbationen

Zwei Skandale

Ausgelöst wurde die neue Wachsamkeit offenbar durch zwei Fälle: Der St. Ingberter Pathologe H. war wegen Betrugs und Bestechung verurteilt worden. Die Fälle waren 2019 bekannt geworden Er muss sich demnächst auch wegen fahrlässiger Tötung infolge von Fehldiagnosen verantworten. Daneben hat wohl auch der ebenfalls 2019 öffentlich gewordene Missbrauchsskandal um einen Assistenzarzt der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie für ein Umdenken gesorgt.

Für Dennis Lander (Linke), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Landtages, ist diese neue Wachsamkeit längst überfällig. „Das sind Skandale, die noch nicht richtig aufgearbeitet sind. Für viele Opfer kommt das dann etwas spät, aber wir müssen auch den Blick nach vorne richten. Deshalb ist es auch zu begrüßen, dass die Approbationsbehörde jetzt genauer hinschaut.“

Wohl kein Ärztemangel

Auch der Vorsitzende des Ausschusses, Magnus Jung (SPD), sieht eine höhere Sensibilität. „Es sind sowohl Staatsanwaltschaft als auch andere Stellen, die sehr intensiv melden in Fällen, in denen sie in der Vergangenheit nicht gemeldet haben. Dem Grunde nach ist das eine gute Entwicklung, denn: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“

Dennoch droht trotz der 60 Verfahren wohl kein Ärztemangel. Denn die Hürden für den Approbationsentzug liegen hoch, weil er einem Berufsverbot gleichkommt.  Die Approbationsbehörde rechnet damit, dass mindestens 90 Prozent der aktuellen Verfahren eingestellt werden.

Dass das Image der Ärzte insgesamt durch die verstärkten Prüfungen leidet, befürchtet Jung nicht. „Ich kann nicht feststellen, dass es ein schlechteres Licht auf die Ärzte wirft, wenn genauer hingeschaut wird. Ärzte müssen sich eine genaue Beobachtung gefallen lassen.“

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 12.01.2021 berichtet.

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