Verdistreik Busfahrer (Foto: SR)

Busfahrer streiken und streiten um Schulbusse

  27.09.2019 | 08:30 Uhr

Die Busfahrer bei den kommunalen Verkehrsunternehmen im Saarland streiken auch heute. Laut Gewerkschaft Verdi können die Schulbusse - in Absprache mit den Betriebsräten - wieder fahren. Der Saarbahn zufolge ist der Schulbusverkehr jedoch nur eingeschränkt möglich. Die Verdi-Tarifkommission hatte am Donnerstag ein Schlichtungsangebot der kommunalen Arbeitgeber einstimmig abgelehnt.

Die Saarbrücker Saarbahn-Gesellschaft warf Verdi vor, sich nicht an die Zusage zu halten, die Schulbusse fahren zu lassen. So seien einzelne Fahrer privater Busunternehmen am Morgen daran gehindert worden, das Busdepot der Saarbahn zu verlassen. Verdi-Verhandlungsführer Christian Umlauf wies den Vorwurf umgehend zurück und sprach gegenüber dem SR wörtlich von einer "Lüge" der Saarbahn-Geschäftsführung.

Video [aktueller bericht, 26.09.2019, Länge: 5:48 Min.]
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Gestern hatte die Verdi-Tarifkommission ein Schlichtungsangebot der kommunalen Arbeitgeber einstimmig abgelehnt. Die Ablehnung des Schlichtungsgesuchs begründete Verdi-Verhandlungsführer Christian Umlauf mit dem „rüden Benehmen“ der Saarbahn während der laufenden Arbeitskämpfe. „Provokationen, Drohungen und Schikanen seitens der Arbeitgeber sind leider an der Tagesordnung. So verhält man sich einfach nicht, auch nicht während einer Auseinandersetzung.“

Die Saarbahn wollte diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. „Mitnichten hat die Saarbahn Provokationen in den Arbeitskampf eingebracht“, sagte Geschäftsführer Peter Edlinger. Vielmehr sei der verbleibende Geschäfts- und Betriebsverkehr der Saarbahn „durch rechtswidrige dauerhafte Blockaden in einer Weise beeinträchtigt, die nicht mehr hinnehmbar waren“.

Man habe versucht, vor dem Arbeitsgericht in Saarbrücken die zulässigen Arbeitskampfmaßnahmen einvernehmlich zu klären. „An diese Vereinbarung hat sich Verdi bereits wenige Stunden danach nicht mehr gehalten und die Fahrten unserer privaten Auftragsunternehmen, die als Schulbusse eingeplant waren, verhindert“, so Edlinger.

Betroffen von dem Streik ist das Personal von Saarbahn, Saarbahn Netz, sowie die Neunkircher, Völklinger und Saarlouiser Verkehrsbetriebe. Die Linien der privaten Verkehrsbetriebe sollen regulär bedient werden.

Video [aktueller bericht, 25.09.2019, Länge: 2:50 Min.]
Zweiter Tag der Warnstreiks im ÖPNV
Der Warnstreik der Busfahrer ist am Mittwoch in die zweite Runde gegangen. Die Fronten zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem kommunalen Arbeitgeberverband haben sich verhärtet. In einer Urabstimmung haben am Mittwoch fast alle Mitglieder der Gewerkschaft für einen unbefristeten Streik gestimmt.

Streit um Laufzeit

Im Tarifstreit mit den Arbeitgebern fordert Verdi ein Einstiegsgehalt von 2800 Euro für die Busfahrer und eine Lohnerhöhung von 427 Euro monatlich für alle Beschäftigten, bei einer Vertragslaufzeit von zweieinhalb Jahren. Die Arbeitgeber wollen die Erhöhung hingegen über einen längeren Zeitraum strecken, sie schlagen eine Laufzeit von fünf Jahren vor. Eine kürzere Laufzeit sei nicht möglich, erklärte die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber, Barbara Beckmann-Roh. Es sei nicht selbstverständlich, dass über eine Lohnerhöhung in Höhe von 18 Prozent gesprochen werde. Die Finanzierung dieser Lohnerhöhungen sei innerhalb kürzerer Zeit nicht machbar.

Streik im ÖPNV auch am Donnerstag
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 25.09.2019, Länge: 04:18 Min.]
Streik im ÖPNV auch am Donnerstag
Auch am Donnerstag streiken die Beschäftigten im ÖPNV. Das hat die Urabstimmung bei der Gewerkschaft Verdi ergeben. Verdi-Verhandlungsführer Christian Umlauf erläutert die Gründe.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle sieht die Politik in der Pflicht. „Alle Welt spricht von einer Verkehrswende und einem besseren ÖPNV. Das funktioniert nur, wenn die Politik endlich erkennt, dass mehr Geld für den Öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung gestellt werden muss. Und davon müssen auch die Fahrerinnen und Fahrer durch bessere Löhne profitieren.“

Am Montag waren die Tarifverhandlungen in der dritten Runde gescheitert. Der Kommunale Arbeitgeberverband KAV sieht nach eigenen Angaben keine Basis für weitere Tarifverhandlungen. Geschäftsführerin Barbara Beckmann-Roh sagte dem SR, dafür lägen die Tarifparteien zu weit auseinander.

Hintergrund

Hintergrund
Tarifverhandlungen im ÖPNV gescheitert
Auch in der dritten Runde der Tarifverhandlungen im kommunalen Busverkehr konnten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft nicht auf einen neuen Vertrag einigen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 27.09.2019 berichtet.

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