Mitarbeiter der Autobahnpolizei, Zoll und des Bundesamt für Güterverkehr (BAG) kontrollieren einen Abfalltransporter. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Wenn der Müll auf Reisen geht

Axel Burmeister   04.08.2019 | 15:01 Uhr

Wer im Saarland Plastikmüll entsorgt, darf ziemlich sicher sein, dass der Wertstoff nicht ins Ausland exportiert wird. Neben der Firma Paulus ist für das Saarland auch das Recycling-Unternehmen Remondis zuständig. Beide Unternehmen transportieren nach eigenen Aussagen keinen Müll oder Wertstoffe in Schwellenländer.

Plastikmüll in den Meeren stammt nach Ansicht von Remondis-Sprecher Michael Schneider vor allem aus Schwellenländern. Diese hätten keine entsprechenden technischen Verarbeitungsmöglichkeiten. Der Müll werde in einem so genannten Zwölf-Fluss-System entsorgt, zu dem unter anderem der Kongo und der Nil gehörten.

„Wir exportieren keinen Plastikmüll in Schwellenländer“, so der Sprecher im SR. Lediglich bereits verarbeitete Rohstoffe würden ausgeführt. Deshalb sei „das Beste was man für den Klimaschutz tun kann – außer auf das Flugzeug zu verzichten – die richtige Müllsortierung“ – empfiehlt Schneider. Mit jeder Tonne recyceltem Müll würden 1,2 Tonnen CO2 eingespart.

Auch die Firma Paulus ist im Saarland tätig. Sie fährt unter anderem im Auftrag der Dualen Systeme die gelben Säcke und im Auftrag des EVS den Bio-, Sperr- und Restmüll ab. Auch Paulus transportiere Wertstoffe lediglich zu den Sortieranlagen.  

Kein Plastikmüll ins Ausland

Seit dem 1. Januar 2019 müssen hierzulande 58 Prozent aller Verpackungen wiederverwertet werden. Zuvor waren 36 Prozent vorgeschrieben. Ab 2022 sollen es 63 Prozent sein. Das Problem laut Remondis: Es gibt zu wenige Sortieranlagen. Deshalb, so der Sprecher, müsse der Überschuss geparkt werden. Es werde aber kein Plastikmüll vom Saarland ins Ausland verkauft.

Deutschlandweit wird nach Angaben des Bundesumweltministeriums allerdings knapp ein Zehntel des Plastikabfalls exportiert. Der größte Teil stamme aus Gewerbe und Industrie. Die Verpackungsabfälle aus den Dualen Systemen, die für Gelben Sack oder Gelbe Tonne zuständig sind, würden überwiegend in Deutschland recycelt, der Rest hauptsächlich in der EU.

Illegale Exporte nicht ausgeschlossen

Das saarländische Umweltministerium teilte auf Anfrage mit, dass die im Saarland eingesammelten gelben Säcke ausschließlich in Sortieranlagen außerhalb des Saarlandes sortiert werden. Von den Sortieranlagen gingen die aussortierten Kunststoffmengen weiter zu Verwertungsanlagen. Die Verwertungsanlagen lägen überwiegend in Deutschland beziehungsweise innerhalb der EU. Exporte können von den Behörden unterbunden werden, wenn diese illegal sind. Etwa wenn sie nicht zur Verwertung bestimmt sind oder wenn die vorgesehene Verwertung nicht umweltgerecht ist. Die Behörden können laut Umweltministerium jedoch nicht alle Exporte kontrollieren, so dass illegale "Verbringungen" nicht auszuschließen sind.

Nach Angaben des Zolls in Saarbrücken sind in den vergangenen eineinhalb Jahren bei Stichproben von Mülltransporten keine eklatanten Verstöße gegen Exportbedingungen festgestellt worden. Lediglich formale Beanstandungen, wie zum Beispiel ein fehlendes "A" für Abfall an Lkw sei bemängelt worden.

Plastik in Schiffsschrauben

Nach Angaben des WWF werden mehr als 800 Tierarten durch Plastikmüll beeinträchtigt. Wale und Seehunde verfangen sich in Geisternetzen, Vögel nehmen Plastikteile auf und verhungern. Und der WWF prognostiziert: Wenn sich nichts ändere, dann wird bis zum Jahr 2050 fast jeder Meeresvogel Plastik im Magen haben. Aber auch die Wirtschaft habe zu leiden. Wenn sich Plastikmüll in Schiffsschrauben verfängt oder Touristen von vermüllten Orten fernblieben entstünden auch Millionenschäden für die Wirtschaft.          

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