Unionsspitzen ringen um Geschlossenheit

  12.10.2019 | 19:43 Uhr

Der Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken wurde auch am Samstag von der Diskussion über die Kanzlerkandidatur der Union beherrscht. Am Freitagabend hatte der Unionsnachwuchs mehrheitlich dafür gestimmt, die Mitglieder in einer Urwahl über die nächste Kanzlerkandidatur abstimmen zu lassen. Die Entscheidung erhöht den Druck auf CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer.

Nachdem am Freitag zum Auftakt schon Friedrich Merz unter dem Jubel der Delegierten gesprochen hatte, standen am Samstag Reden drei weiterer potenzieller Kanzlerkandidaten auf der Tagesordnung.

Video [aktueller bericht am Samtag, 12.10.2019, Länge: 4:06 Min.]
JU-Deutschlandtag: Politischer Schlagabtausch geht in die zweite Runde

Gesundheitsminister Jens Spahn forderte auf dem Deutschlandtag der JU Geschlossenheit. Genau wie CSU-Chef Söder äußerte er sich gegenüber der Urwahl kritisch. Er sei überzeugt davon, dass es der Union nicht weiterhelfe, wenn man sich öffentlich gegenseitig Ratschläge gebe, "die auch Nackenschläge sein können". Die allermeisten Menschen interessiere es nicht, wenn die Partei über Personal und Funktionen streite. Die Partei lasse "Federn von Wahl zu Wahl".

Söder will nicht Kanzler werden

Anschließend trat CSU-Chef Markus Söder ans Rednerpult. Er dämpfte unionsinterne Hoffnungen auf seine Ambitionen für eine Kanzlerkandidatur. Er habe mit dem CSU-Vorsitz und der Rolle als bayerischer Ministerpräsident seinen "Traumjob gefunden".

JU Deutschlandtag gleicht Laufsteg für Union-Kanzlerkandidaten
Video [aktuell, (c) SR, 12.10.2019, Länge: 02:28 Min.]
JU Deutschlandtag gleicht Laufsteg für Union-Kanzlerkandidaten

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte vor einer rot-rot-grünen Koalition nach der nächsten Bundestagswahl. "Wenn die eine rechnerische Mehrheit haben, werden die das machen", sagte er am Samstagabend mit Blick auf SPD, Linke und Grüne. Laschet äußerte sich aber nicht zum Zustand der CDU, der ein wichtiges Thema des Treffens des Unions-Nachwuchses war.

Rede von Kramp-Karrenbauer mit Spannung erwartet

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak rief, wie Spahn zuvor, die Union vor der Wahl in Thüringen Ende des Monats zur Geschlossenheit auf. Jetzt gehe es nicht um Selbstbeschäftigung, sondern darum, dem CDU-Kandidaten Mike Mohring in das Amt des Ministerpräsidenten zu helfen, sagte Ziemiak. Die CDU müsse wieder um Vertrauen werben.

"Urwahl-Abstimmung setzt Kramp-Karrenbauer unter Druck"
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 12.10.2019, Länge: 00:45 Min.]
"Urwahl-Abstimmung setzt Kramp-Karrenbauer unter Druck"

Am Freitagabend war bereits Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz von den rund 1000 Delegierten und Gästen gefeiert worden. Annegret Kramp-Karrenbauer wird am Sonntag auf dem Deutschlandtag reden. Die Parteichefin und Verteidigungsministerin steht wegen schlechter Umfragewerte intern unter Druck. Mit Spannung wird registriert werden, wie ihre Rede beim Parteinachwuchs ankommt und ob es offene Kritik gibt.

Mehrheit für Urwahl

Am Freitag hatten sich die Delegierten des Parteitags mehrheitlich dafür ausgesprochen, den nächsten Kanzlerkandidaten der Union von den Mitgliedern in einer Urwahl bestimmen zu lassen - und sich damit auch gegen den Wunsch von Kramp-Karrenbauer gestellt. Kramp-Karrenbauer hatte zuvor noch einmal klargestellt, dass sie eine Urwahl ablehnt.

Die kommenden Parteitage von CDU und CSU werden sich nun aber mit dem Thema beschäftigten müssen, weil die Junge Union entsprechende Anträge einbringen wird.

JU-Deutschlandtag: Urwahl-Antrag beschlossen
Audio [SR 3, (c) SR, 12.10.2019, Länge: 00:40 Min.]
JU-Deutschlandtag: Urwahl-Antrag beschlossen


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JU-Deutschlandtag in Saarbrücken
Union-Nachwuchs für Urwahl des Kanzlerkandidaten [11.10.2019]
Gegen den ausdrücklichen Willen von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Junge Union für eine Urwahl bei der Suche nach einem künftigen Unions-Kanzlerkandidaten gestimmt. Zuvor war Friedrich Merz, der Kramp-Karrenbauer bei der Wahl für den Parteivorsitz noch unterlegen war, vom Unions-Nachwuchs gefeiert worden.

Deutschlandtag der Jungen Union
"Kramp-Karrenbauers Position ist geschwächt" [11.10.2019]
Eine mögliche Kanzlerkandidatur der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer ist in der Union längst nicht mehr Konsens. AKKs Position sei "geschwächt innerhalb der Partei", stellte auch SR-Reporter Janek Böffel im SR-Interview klar. Viele würden nun sicher ganz genau hinhören, wenn potenzielle Herausforderer wie Friedrich Merz oder Jens Spahn beim JU-Bundestreffen in Saarbrücken zum Mikrofon griffen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.10.2019 berichtet.

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