Babies auf einer Säuglingsstation im Krankenhaus. (Foto: dpa)

Keine kindgerechten Herzschrittmacher

Anke Birk / Onlinefassung: Axel Burmeister   13.06.2018 | 19:20 Uhr

Im Saarland werden jährlich rund 80 Kinder mit einem Herzfehler geboren. Etwa die Hälfte von ihnen leidet an einer schweren Erkrankung – so wie die kleine Nelly. Sie bekam den letzten kindgerechten Herzschrittmacher der Uniklinik Homburg eingesetzt. Denn solche kleinen Herzschrittmacher werden nicht mehr hergestellt.

Video [aktueller bericht, 13.06.2018, Länge 4:01 Min.]
Kinderherzschrittmacher aus dem Sortiment verbannt

Die kleine Nelly leidet an einem angeborenen Herzfehler. Ihr Herz schlug viel zu langsam. Deshalb bekam sie bereits einen Tag nach der Geburt einen Herzschrittmacher eingesetzt. Es war der letzte kindgerechte Herzschrittmacher, den die Uniklinik Homburg auf Lager hatte. „Die Firma, die den kleinsten Schrittmacher weltweit hergestellt hat, hat aufgehört, diese Schrittmacher zu produzieren, weil kein großer Absatzmarkt für dieses Produkt vorhanden ist“ sagt Hashim Abdul-Khaliq, Direktor der Kinderkardiologie Uniklinik Homburg. Der Arzt meint, es sei ethisch nicht vertretbar, Kindern die gleichen Produkte anzubieten wie Erwachsenen mit der gleichen Erkrankung.

Familie Seitz ist dankbar, dass Nelly die Operation im März gut überstanden hat. Der kleine Herzschrittmacher funktioniert bei dem drei Monate alten Baby einwandfrei. Wenn Nelly diesen Schrittmacher nicht bekommen hätte, hätte sie es nicht überlebt – sagt die Mutter des Kindes.

Medizinprodukte für Kinder gefordert

Bundesweit müssen die Kliniken künftig Kindern mit schweren Herzfehlern einen Schrittmacher für Erwachsene einsetzen. Doch das ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Die dreijährige Ann-Kathrin hat aus medizinischen Gründen einen Erwachsenenschrittmacher bekommen. Bei ihr sieht man deutlich, wie groß so ein Erwachsenenschrittmacher für einen zarten Kinderkörper ist.

Ärzte, Eltern und Forscher haben sich an das Bundesgesundheitsministerium und an die Hersteller von Herzschrittmachern gewandt. Sie fordern kindgerechte Medizinprodukte, an denen es zunehmend mangelt. Hashim Abdul-Khaliq ist Sprecher des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler. Er fordert die Politik auf, solche Produkte zu fördern. Es könne nicht sein, „dass wir wie in diesem Fall kein Produkt mehr für solche Kinder haben“.  

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 13.06.2018 berichtet.

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