Frauen stehen in einer Schlange vor einem Wahllokal (19.01.1919) (Foto: picture alliance/-/AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/dpa)

100 Jahre Frauenwahlrecht

Kevin Buchholz   12.11.2018 | 07:05 Uhr

Vor genau 100 Jahren ist in Deutschland das Wahlrecht für Frauen eingeführt worden. Bei der ersten Wahl 1919 haben die Frauen einen regen Gebrauch ihres neuen Rechtes gemacht. Danach sank die Wahlbeteiligung aber zunächst wieder. Mittlerweile geben Frauen im Saarland tendenziell eher häufiger als Männer ihre Stimme ab.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs und der Ausrufung der Republik stellte der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 in einem Aufruf „An das deutsche Volk“ sein Regierungsprogramm vor. Damit kam die große Wahlrechtsreform, die auch das Frauenwahlrecht enthielt. Wenige Wochen später wurde dann das Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur deutschen Nationalversammlung in Kraft gesetzt. Im Artikel 109, Abs. 2 der Weimarer Verfassung ist folgender Satz festgehalten: „Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“ Erstmals durften damit auch Frauen in Deutschland wählen.

Auf kommunaler Ebene gab es zuvor zwar in einigen Regionen die Möglichkeit der Stimmabgabe durch einen männlichen Bevollmächtigten, die selbständige Wahl war für Frauen allerdings nicht möglich.

Wahlbeteiligung sank nach anfänglichem Hoch

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Am Anfang machten die Frauen von ihrem neuen Recht regen Gebrauch. Bei der Wahl zur Nationalversammlung 1919 beteiligten sich 82,3 Prozent der Frauen. Damit gab es eine ähnlich hohe Beteiligung wie bei den Männern. Diese anfänglich hohe Wahlbeteiligung der Frauen ging allerdings in den folgenden Jahren merklich zurück.

Heute ist die Wahlbeteiligung bei Frauen und Männern in Deutschland relativ ausgeglichen. Bei der Bundestagswahl 2017 war die Wahlbeteiligung der Frauen bundesweit minimal geringer als bei den Männern. Im Saarland war es genau umgekehrt. Die Frauen beteiligten sich etwas häufiger als Männer.

Saarland heute: Frauen gehen tendenziell häufiger wählen als Männer

Betrachtet man insbesondere die jüngeren Altersgruppen, wählen Frauen im Saarland tendenziell häufiger als Männer. Im Saarland lag die Wahlbeteiligung der Frauen zwischen 35 und 45 Jahren beispielsweise bei der Bundestagswahl 2017 rund vier Prozent höher als die der Männer.

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