QR-Code auf einem Smartphone (Foto: Imago Images/Arnulf Hettrich)

Wie die Luca-App die Kontaktnachverfolgung verbessern will

Melina Miller   07.03.2021 | 08:36 Uhr

Aus der Vielzahl der in der Pandemie entwickelten Apps zur Kontakterfassung sorgt momentan vor allem eine für Schlagzeilen: Die Luca-App, die von den "Fantastischen Vier" mitentwickelt wurde. Sie soll die Kontaktnachverfolgung erleichtern und die Gesundheitsämter entlasten. Im Saarland wird sie noch nicht eingesetzt - das Gesundheitsministerium ist nach eigenen Angaben aber in der Abstimmung über eine mögliche Einführung.

Die Luca-App soll nach Angaben der Entwickler nicht nur zur Kontaktnachverfolgung bei Kulturveranstaltungen eingesetzt werden, sofern diese wieder möglich werden, sondern auch in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie der Gastronomie, im öffentlichen Nahverkehr, in Pflegeheimen, bei privaten Feiern oder der Arbeit im Büro.

Hinter der App steckt das Berliner IT-Startup-Unternehmen neXenio und eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern - unter anderem auch die "Fanta Vier"-Musiker. Beteiligt sind auch das Hasso-Plattner-Institut und die Bundesdruckerei.

Wie funktioniert die App?

Die App basiert nach Angaben der Datenschutzbehörde des Saarlandes auf drei Stufen: Zuerst registriert sich ein Nutzer mit seinen Kontaktdaten in der App, dann setzt ein Veranstalter, Restaurantbetreiber oder privater Kontakt die App ein und schließlich kann das Gesundheitsamt im Infektionsfall die Kontakte entschlüsseln.

Am Beispiel eines Restaurantbesuchs kann das also so aussehen: Ein Gast trägt seine Daten einmalig in die App ein, die daraufhin einen sich permanent ändernden QR-Code generiert, der dem jeweiligen Smartphone zugeordnet ist. Auch der Gastgeber braucht Luca auf einem mobilen Endgerät. Beim Betreten einer Einrichtung werden über die Codes Daten anonymisiert erfasst. Im Falle einer bestätigten Infektion werden die Daten dann mit dem Gesundheitsamt ausgetauscht. Das ist laut Selbstbeschreibung der App die einzige Stelle, die die Daten dann auslesen kann. Für alle anderem Akteure seien diese unzugänglich.

Gesundheitsämter müssen mitmachen

Dafür müssen die Gesundheitsämter aber mitmachen. Im Saarland ist das nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher noch nicht der Fall. Es werde allerdings aktuell im Austausch mit anderen Bundesländern geprüft, welche App zusätzlich zur Corona-Warn-App eingesetzt werden soll, um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Dabei würden mehrere Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Neben Luca gibt es zum Beispiel auch die Apps DarfIchRein, Railsove, Kontakterfassung.de, Eguest oder Hygieneranger.

Das Ziel sei eine möglichst einheitliche Lösung in allen Ländern, teilte Stephan Kolling (CDU), Staatssekretär des saarländischen Gesundheitsministeriums, mit. "Eine zusätzliche App zur Corona-Warn-App ist geplant", so Kolling weiter. Das dürfte mit Blick auf die am Mittwoch angekündigten stufenweise Öffnungsschritte umso relevanter werden.

Die technische Anbindung der Luca-App an die Gesundheitsämter ist nach Angaben der Entwickler kein großes Hindernis. Die Voraussetzungen hierfür bestünden bereits, sagte Mitentwickler "Smudo" vor kurzem in der ARD-Sendung "Anne Will".

Datenschonender als Papierbögen

Datenschutztechnisch sei die App außerdem besser als die bisherige "Zettelwirtschaft" bei der Kontaktnachverfolgung, erklärt Christian Rossow, leitender Wissenschaftler am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Denn die angegebenen Klarnamen auf den bisherigen Papierbögen seien praktisch auch für Restaurantbetreiber und andere lesbar gewesen.

Rossow empfiehlt den Einsatz von Luca daher: Die digitale Kontaktnachverfolgung sei nicht nur deutlich datenschonender als der Papierweg, sondern auch sehr viel schneller. Die App legt dem zuständigen Gesundheitsamt im Infektionsfall nämlich automatisch alle Orte offen, die die Person in dem kritischen Zeitraum besucht hat.

Zustimmung erforderlich

Das heißt laut Rossow, ein Infizierter müsste nicht aus der eigenen Erinnerung heraus alle Kontakte der vergangenen beiden Wochen auflisten. Stattdessen erhält das Gesundheitsamt eine Liste über alle Orte, an denen er zuletzt eingecheckt hat. Dann können die Kontaktpersonen informiert werden. Voraussetzung ist nach Angaben der Entwickler, dass die infizierte Person der Datenübermittlung zustimmt.

Diese Vorgehensweise ist laut Experten der größte Unterschied zur Corona-Warn-App. Dort kann die Userin oder der User auf freiwilliger Basis selbst in der App melden, wenn er oder sie sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Erst dann werden andere App-Nutzer gewarnt. Der Corona-Warn-App fehle deshalb die Vollständigkeit, so Rossow. "Die Luca-App könnte diese Lücke schließen."

Datenschutzbehörde: "Konzept ist tragfähig"

Insgesamt hält auch die Datenschutzbehörde des Saarlandes das Konzept der App für tragfähig. Zwar könne die Behörde die App aufgrund des nicht-öffentlichen Quellcodes nur anhand anderer Informationen bewerten, diese sorgten aber durchaus für ein positives Bild, erklärt Marco Schömer, Sprecher der Datenschutzbehörde.

Auch in anderen Bundesländern sind die zuständigen Behörden zu ähnlichen Schlüssen gekommen. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben den Einsatz der App deshalb bereits öffentlich empfohlen. Auf den friesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr wird die Luca-App schon genutzt.

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