Urwald (Foto: Pixabay/Antranias)

Tierwohl und Wald sind zentrale Zukunftsthemen

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Anne Staut   12.08.2020 | 16:38 Uhr

Beim traditionellen Sommergespräch in der Staatskanzlei hat Umweltminister Reinhold Jost seine Pläne für die kommenden Jahre vorgestellt. Unter anderem möchte er in eine mobile Schlachtstätte investieren. Außerdem soll der "Urwald vor den Toren der Stadt" deutlich größer werden.

Reinhold Jost ist stolz auf das Saarland: Mit fast 20 Prozent hat die Region den bundesweit höchsten Anteil an Biolandbau. Allerdings hinkt es bei der Weiterverarbeitung und Produktion regionaler Lebensmittel deutlich hinterher, entsprechende Betriebe vor Ort fehlen. Ein neuer Schlachthof in Perl ist da ein Anfang, aber Jost will noch mehr unternehmen und etwa eine mobile Hühnerschlachtstätte anschaffen.

Video [aktueller bericht, 12.08.2020, Länge: 3:10 Min.]
Umweltminister Jost im Sommergespräch

"Im Saarland gibt es eine ganze Reihe von Hühnerhaltern, die auf Freiland setzen. Wir wollen hier versuchen, das Tierwohl stärker in den Blick zu nehmen", sagte Jost. Die Tiere empfänden Stress, wenn sie das ganze Jahr an einer Stelle gewesen seien und dann mit einem Transporter zur Schlachtstätte transportiert werden. "Diese mobile Schlachtstätte soll eine Lücke schließen", so der SPD-Politiker.

Jost will mobile Schlachtanlagen für jede Viehart
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 12.08.2020, Länge: 03:06 Min.]
Jost will mobile Schlachtanlagen für jede Viehart

Mittel dafür stünden zur Verfügung, ein Bescheid sei in Arbeit. Jost hofft, dass eine solche Schlachtstätte Ende des Jahres in Betrieb genommen werden kann. Er will aber noch einen Schritt weiter gehen: Er plane die Anschaffung einer größeren mobilen Schlachtstätte, mit der Großvieh wie Schweine oder Rinder geschlachtet werden könnten.

Seines Wissens gebe es so etwas auf dem Markt bislang nicht. Dafür müsse ein Investor gefunden werden, der das Projekt unterstütze. "Mit Blick auf das Landesinteresse wird es eine hohe Förderung geben", ergänzte Jost.

"Urwald vor den Toren der Stadt" erweitern

Auch das Thema Wald nimmt Jost in den Fokus: Das Saarland hat sein Waldgebiet seit 1990 um 5000 Hektar erweitert. Seitdem haben sich die Holzvorräte fast verdoppelt. Ein geplantes Förderprogramm des Bundes von 500 Millionen für die naturnahe Waldbewirtschaftung käme da ganz gelegen.

Das Geld solle nur den privaten und kommunalen Waldbesitzern zugute kommen. "Da fordern wir vom Bund, dass wir als Saarland auch davon profitieren. Das wären für uns zwischen 2,5 und drei Millionen Euro", schätzt der Umweltminister.

Mit diesem Geld wolle er unter anderem den "Urwald vor den Toren der Stadt" ausweiten. "In den nächsten fünf Jahren will ich prüfen lassen, unter welchen Bedingungen eine Erweiterung von 1000 Hektar auf über 2000 Hektar möglich ist. Auch um zu dokumentieren, dass wir in Ballungsgebieten eine ökologische Funktion genauso im Blick haben wie an anderer Stelle", erläuterte Jost.

Davon erhofft er sich auch, Erkenntnisse über die Entwicklung von Waldökosystemen zu erhalten. Das Projekt solle wissenschaftlich begleitet werden.

Der "Urwald vor den Toren der Stadt" ist ein rund 1000 Hektar großes Wildnisgebiet. Seit mehr als 20 Jahren ist es sich selbst überlassen und wird seitdem nicht mehr bewirtschaftet.

Verluste beim Saarforst ausgleichen

Auch sonst plant Jost Investitionen in den Wald und in den Saarforst. Wegen des Preisverfalls vieler Bäume musste der Saarforst im letzten Jahr Verluste von gut 3,5 bis vier Millionen, dieses Jahr soll es ähnlich hohe Verluste geben. Elf Millionen Euro hat der SPD-Politiker aus dem Landeshaushalt für die Defizitvorsorge bereitgestellt.

"Wir gehen eben nicht den Weg mehr abzuschlagen, um die Einnahmeverluste aus der Fichte durch mehr Ausschlag bei Buche oder Eiche wettzumachen. Wir bauen auch kein Personal ab“, versprach Jost.  

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Nachmittag" am 12.08.2020 berichtet.

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