Badezimmertür mit Piktogramm (Foto: B. Heitz/SR)

Ein sicheres Zuhause für Demenzkranke

Anne Staut   08.08.2020 | 08:42 Uhr

Im Saarland sind rund 23.000 Menschen an Demenz erkrankt. Die meisten werden zuhause von Angehörigen gepflegt. Um Verletzungen zu vermeiden, sollte das Zuhause für die Betroffenen sicher gestaltet sein. Besonders wichtig ist dabei Barrierefreiheit.

Stolperfallen wie Teppiche sollten Angehörige aus der Wohnung der Demenzerkrankten entfernen, rät der Leiter der Landesfachstelle Demenz, Andreas Sauder. Außerdem sollte man darauf achten, dass Gegenstände, an denen sich die Betroffenen zur Sicherheit festhalten, fest stehen und nicht umfallen.

Besonders wichtig ist Barrierefreiheit auch im Badezimmer. "Wenn man auf lange Sicht zuhause pflegen möchte, sollte man das Bad sofort barrierefrei gestalten", sagte Sauder. Sinnvoll sei etwa eine ebenerdige Dusche.

Prävention entscheidend

Auch die richtigen Lichtverhältnisse spielen eine wichtige Rolle. Die Räume sollten laut Sauder möglichst hell gestaltet sein.

Um Stürze zu vermeiden, könnten nachts Bewegungsmelder helfen. Denn viele demenzkranke Menschen finden ab einem gewissen Krankheitsstadium den Lichtschalter nicht mehr. Das kann zur Gefahr werden – etwa beim Gang zur Toilette. "Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für körperliche Pflegebedürftigkeit", erklärt Sauder. Deshalb sei Prävention sehr wichtig.

Damit sich die Menschen in ihrer Wohnung besser zurechtfinden, können Beschriftungen und Piktogramme helfen. Sie können sowohl als Wegbeschreibung eingesetzt werden ("Hier geht's zur Toilette") als auch als Beschreibung eines Gegenstands ("Schuhschrank").

Auch mit bunten Farben kann man Gegenstände oder Möbel hervorheben. Sauder empfiehlt etwa, das Badezimmer nicht ganz in weiß zu gestalten, sondern zum Beispiel die Toilette farblich abzusetzen – vielleicht mit einer knallroten Toilettenbrille.

Was hilft gegen Weglaufen?

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen mit Demenz unbemerkt ihre Wohnung oder ihr Haus verlassen und von ihren Angehörigen gesucht werden. Hier können GPS-Sender helfen, die in der Uhr des Betroffenen angebracht sind, erzählt Sauder.

Außerdem gebe es auch GPS-Sender, die die Menschen um den Hals tragen. Verlassen die Erkrankten dann einen vorher festgelegten Bereich, wird ein Signal gesendet.

Alternativ gibt es auch Alarmmatten, die vor der Wohnungstür abgelegt werden können. Sobald man sie betritt, ertönt ein akustisches Signal. Es kann auch helfen die Ausgangstür in der Farbe der Wand zu streichen. Dadurch erkennen die Erkrankten nicht, dass die Tür da ist.

Beratung in Anspruch nehmen

Um die Wohnung des Erkrankten entsprechend umzugestalten, können Angehörige auch einen Zuschuss beantragen. Wichtig ist dabei, dass der Antrag vor Beginn der Maßnahmen gestellt wird. Sauder rät Angehörigen dazu, sich beraten zu lassen. Geeignete Ansprechpartner sind Pflegestützpunkte oder auch Demenzvereine.

Nicht nur für die Sicherheit der Betroffenen auch für ihr Wohlbefinden kann die Familie einiges beitragen. "Generell ist für Menschen mit Demenz die Stimulation auf allen Sinnen sinnvoll", empfiehlt Sauder.

Zuhause individuell gestalten

Ein angenehmer Geruch in der Wohnung kann zum Beispiel helfen, dass sich die Betroffenen wohler fühlen. Dafür gibt es Duftlappen, die mit ätherischen Ölen getränkt sind. Sie können auf die Heizung gelegt werden und eignen sich besser als etwa Duftstövchen. Bei letzteren könnten die Erkrankten versuchen, das ätherische Öl zu trinken.

Wie genau die Wohnung eines Demenzkranken am besten eingerichtet ist, lässt sich pauschal nicht festlegen, so Sauder. "Die Ausgestaltung der Wohnung ist sehr individuell. Man muss Ausprobieren, was zu dem Betroffenen passt. Aber prinzipiell gilt Barrierefreiheit."

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