Tiger im Zoo von Amnéville (Foto: dpa) (Foto: dpa)

Schwere Vorwürfe gegen Zoo von Amnéville

Axel Wagner   04.12.2019 | 17:07 Uhr

Der Zoo von Amnéville steckt zurzeit in juristischen Schwierigkeiten: 120 Mitarbeiter klagen vor französischen Arbeitsgerichten, wie der Radiosender „France bleu“ meldet. Dabei erheben sie schwere Vorwürfe gegen den überregional bekannten Zoo und seinen Direktor.

Im Kern geht es bei den Gerichtsverfahren um schwarze Listen, auf denen unliebsame Mitarbeiter und Besucher geführt werden sollen. Angestellte würden dort zum Beispiel als „Störfaktor im Restaurantservice“ bezeichnet, oder es werde vermerkt, wenn sie am Ende ihres Arbeitsvertrages unbezahlte Stunden reklamieren. Besucher würden mitunter verdächtigt, „Sympathisant einer Tierschutzorganisation“ zu sein.

Kassierer soll 3000 Euro verdient haben

Kollegengespräch: "Die Liste der Vorwürfe ist richtig lang"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Simin Sadeghi/Gerd Heger, 05.12.2019, Länge: 02:43 Min.]
Kollegengespräch: "Die Liste der Vorwürfe ist richtig lang"

Zoodirektor und -gründer Michel Louis bestritt gegenüber „France Bleu“ die Existenz dieser Liste. Allerdings soll nach Informationen des Senders am Montag ein Computerexperte im Zoo Rechner „gesäubert“ haben. Außerdem seien offenbar Festplatten weggeworfen worden.

Auch sonst werden nach Angaben des Senders schwere Vorwürfe gegen den Zoo und seinen Direktor laut, darunter zahlreiche finanzielle Unregelmäßigkeiten. So soll etwa ein Kassierer 3000 Euro im Monat verdient haben, und Mitarbeiter seien teilweise in bar entlohnt worden. Für „verdienteste“ Angestellte soll es außerdem jährlich bezahlte, dreiwöchige Urlaubsreisen gegeben haben, sogar während der Zoo insolvent war. Darunter seien u. a. Reisen nach Kenia, Brasilien oder Bali gewesen.

Tiere im Zoo beerdigt?

Außerdem seien einige Tiere im Zoo beerdigt, darunter der Elefant Catarina, ein Löwe, ein Puma und eine Boa. Ein ehemaliger Angestellter sagte gegenüber „France bleu“, man habe nicht das Geld gehabt, die Tierkörperbeseitigung zu bezahlen. Auch das wird von Zoodirektor Louis bestritten. Man habe alle Rechnungen, um die Beseitigung belegen zu können.

Wie der Sender mit Verweis auf Mitarbeiter-Aussagen berichtet, gab es unzählige verdächtige Todesfälle. So sollen Tode von Tieren im Park verschleiert worden sein, so etwa der Gorilla Yakwanza, der 2017 im Alter von 32 Jahren starb. Der Zoo sprach damals auf seiner Facebookseite von einer Aneurysma-Ruptur als Todesursache. Tatsächlich, sagte ein Angestellter dem Sender, soll es ein Anästhesiefehler gewesen sein. Andere Todesfälle seien als Transfers ins Ausland deklariert worden.

Zoo wegen „Tiger World“ in der Kritik

Darüber hinaus sollen Abwässer und Schadstoffe im Wald entsorgt worden sein. Auch von Tierquälerei ist die Rede. So soll das Wasser im Seelöwenbecken gechlort worden sein, was bei den Tieren zu Augenproblemen führte, und wegen seiner zirkusähnlichen Tigershow „Tiger World“ sei der Zoo 2015 aus dem europäischen Zoo-Tierschutzverein EAZA ausgeschlossen worden. Die Folge davon: Der Zoo konnte nicht mehr an den EAZA-Zuchtprogrammen teilnehmen.

Dabei hat die Tigershow den Zoo offenbar auch an den Rand des Bankrotts gebracht. Der Zoo von Amnéville hat nach Angaben von „France bleu“ 53 Millionen Euro Schulden. Eine Lösung könnte ein Verkauf sein. Zwei potenzielle Käufer gibt es: Der Pariser Investmentfonds Prudentia Capital würde gerne 82 Prozent des formell genossenschaftlich geführten Parks übernehmen, die restlichen zwölf Prozent würden bei Zoogründer Michel Louis verbleiben. Prudentia Capital würde eine Abschreibung von den Banken fordern, die Rechtsstreitigkeiten beilegen und den Park langfristig transformieren.

Die zweite Option wären vier lokale Investoren, die allerdings ohne den von seinen Mitarbeitern scharf kritisierten Zoodirektor planen. Sie wollen unter anderem die „Tiger World“ sofort schließen.

Michel Louis selbst weist alle Vorwürfe zurück und spricht von einem Komplott, um ihm den Zoo wegzunehmen. Alles sei legal, nichts verborgen. Nach einem Termin bei der Handelskammer des Landgerichts in Metz am 18. Dezember werde sein Anwalt gegen alle vorgehen, die ihn und den Zoo „beschmutzen“.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "aktuell - 17.00 Uhr" vom 04.12.2019 berichtet.

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