Samuel Yeboah (Foto: Landespolizeipräsidium Saarland)

Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich mit Yeboah-Mord

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   14.09.2022 | 08:55 Uhr

Nun muss sich auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit dem Mord an Samuel Yeboah befassen. Der Anwalt des mutmaßlichen Täters geht gegen einen Beschluss des Bundesgerichtshofs vor. Er will die Haftentlassung seines Mandanten erreichen.

Der Mord an dem ghanaischen Asylbewerber Samuel Yeboah vor mehr als 30 Jahren in Saarlouis beschäftigt nun auch das Bundesverfassungsgericht. Der Verteidiger des mutmaßlichen Täters Peter S. hat nach SR-Informationen Verfassungsbeschwerde eingelegt. Damit will er die Entlassung seines Mandanten aus der Untersuchungshaft erreichen.

BGH hatte Haft bestätigt

Mit der Beschwerde wendet sich S. gegen einen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH), der im Juli die Fortdauer der Haft bestätigt hatte. Der BGH habe dabei unter anderem gegen das grundgesetzlich verbriefte Recht der Freiheit der Person verstoßen.

Zudem enthalte die Entscheidung eine ebenfalls vom Grundgesetz nicht erlaubte „Umkehr der Beweislast“. Folge man der BGH-Entscheidung, müsste nicht der Staat beweisen, dass Fluchtgefahr bestehe. Vielmehr müsste S. belegen, dass diese Fluchtgefahr eben nicht bestehe. Dies verstoße eklatant gegen die Unschuldsvermutung und den Grundsatz des „fairen Verfahrens“.

Samuel Yeboahs Zimmer nach dem Anschlag 1991 (Foto: Landespolizeipräsidium Saarland)
Samuel Yeboahs Zimmer nach dem Anschlag 1991

Entscheidung über Anklage erwartet

S. sitzt seit April dieses Jahres in Koblenz in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt hatte im Juli Anklage gegen den 51-Jährigen wegen Mordes erhoben. S. soll in der Nacht zum 19. September 1991 im Treppenhaus des Asylbewerberheims in Saarlouis-Fraulautern Feuer gelegt haben.

Dabei habe er vor dem Hintergrund seiner rassistischen Überzeugung den Tod der 21 Heimbewohner „billigend in Kauf“ genommen. Aufgrund der Kaminwirkung habe sich eine Feuerwalze entwickelt, die im Flur des Dachgeschosses Yeboah erfasst habe.

Das Oberlandesgericht Koblenz hat über eine Zulassung der Anklage noch nicht entschieden. Dies soll voraussichtlich noch in diesem Monat geschehen. Der Prozess gegen S. könnte dann Mitte November beginnen. In ihrer umfangreichen Anklageschrift hat die Bundesanwaltschaft 44 Zeugen benannt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 14.09.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja