Der Wünschewagen (Foto: SR/Andree Werner)

Wünschewagen erfüllt sterbenden Saarländern letzten Wunsch

Martina Kind   27.11.2022 | 21:22 Uhr

Noch einmal den FCS im Ludwigspark sehen, ein letztes Mal am Furpacher Weiher spazieren gehen, einen Glühwein am Trierer Weihnachtsmarkt trinken: Das sind Wünsche von sterbenskranken Saarländern. Ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese zu erfüllen.

Weihnachten ist auch die Zeit der Wünsche. Ob die tatsächlich erfüllt werden, das hängt von vielerlei Dingen ab. Manche Wünsche sind schwer zu realisieren. Andere sprengen womöglich das Budget.

Jürgen Müller hört sich erst einmal jeden Wunsch an. Und überlegt dann, wie er ihn möglich machen kann. Meist muss es dabei schnell gehen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Person stirbt, bevor ihr letzter Wunsch erfüllt werden konnte.

Müller ist Leiter des "Wünschewagens Saarland" vom Arbeiter-Samariter-Bund. Seit 2018 ist der nicht nur auf den Straßen im Saarland, sondern auch weit darüber hinaus unterwegs. Der Wagen soll sterbenskranke Menschen dorthin bringen, wo es sie hinsehnt, wo sie noch einmal Freude verspüren und ihre Ängste vergessen können.

"Das kann ein Konzert sein oder ein Fußballspiel des Lieblingsvereines. Im vergangenen Jahr wollte eine krebskranke Frau an Heiligabend unbedingt in die Christmette", erzählt Müller. Oft wollen die Sterbenden aber auch einfach noch einmal in ihr Zuhause zurückkehren, dort zum Kaffee und Kuchen mit ihren Liebsten zusammenkommen. So, wie sie es früher taten.

Mehr als 160 Wünsche erfüllt

165 Wünsche hat Müller seit 2018 erfüllen können, 43 davon allein in diesem Jahr. In der Adventszeit dürften noch einige dazukommen. Finanziert werden die Fahrten, die für die Kranken und einen Angehörigen kostenlos sind, über Spenden.

Ein Team aus knapp 100 Ehrenamtlichen wirkt bei der Erfüllung der Wünsche mit, alle haben eine medizinische Ausbildung. "Die ist auch Pflicht. Die Sicherheit der Palliativpatienten muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein." Deshalb ist der Wünschewagen ausgestattet wie ein Rettungswagen.

Grundsätzlich könne sich jeder mit einem Wunsch für eine sterbenskranke Person an ihn richten, sagt Müller. Voraussetzung aber ist: Sie muss davon wissen. "Überraschungen machen wir nicht." Das sei zu gefährlich.

Müller müsse den Zustand des Fahrgastes sehr genau kennen, um entscheiden zu können, ob der Wunsch überhaupt erfüllt werden kann und was dafür nötig ist. Bei einem Vorab-Besuch im Hospiz mache er sich immer ein Bild über den Zustand der Kranken.

"Bei unserer nächsten Fahrt bringen wir beispielsweise eine todkranke Mutter zur Hochzeit ihrer Tochter. Da sie bettlägerig ist, mussten wir zunächst einmal abklären, ob das Standesamt überhaupt barrierefrei ist und wenn nicht, wie man das Problem lösen kann. Da hängt auch viel Organisatorisches dran", erzählt Müller.

"Viele sparen ihre ganze Kraft auf"

Dann gibt es noch diese Bedingungen: Das Wunschziel muss innerhalb eines Tages zu erreichen sein. Der Weg sollte nicht zu weit sein, sonst seien viele Unterbrechungen nötig. Unabhängig davon schwäche eine lange Fahrt die ohnehin schon geschwächten Kranken zu sehr. Vor Ort ist maximal eine Übernachtung möglich. Sogenannte "One-Way"-Fahrten – wie Müller sie nennt – etwa in die Schweiz oder Niederlande lehne er ab.

Im Schnitt seien die Menschen, die den Wünschewagen nutzen, 57 Jahre alt, Kinder seien glücklicherweise selten dabei. Mehr als 160 Sterbenden habe er nun schon einen Wünsch erfüllen und dabei eine Beobachtung machen können, die ihm besonders nahegehe: "Viele sparen ihre ganze Kraft auf, um ihren Wunsch noch erleben zu können. Danach lassen sie los."


Wer sich oder einem Sterbenskranken (mit seinem Wissen) im Saarland einen Wunsch kostenlos erfüllen lassen möchte, kann dem Arbeiter-Samariter-Bund entweder telefonisch oder über dieses Online-Formular eine Anfrage stellen.

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