Ein Metzger präsentiert sein Fleisch in der Frischetheke (Foto: dpa/Hendrik Schmidt)

Kaum Fleisch mit saarländischer Herkunft

Karin Mayer / Onlinefassung: Sandra Schick   17.07.2020 | 06:31 Uhr

Der überwiegende Teil des Fleischs, das im Saarland auf dem Teller landet, kommt nicht von hier: Nur zwei Prozent des Schweinefleischs und 30 Prozent des Rindfleischs sind saarländischer Herkunft. Das Landwirtschaftsministerium will das ändern.

Das saarländische Landwirtschaftsministerium will die regionale Vermarktung von Fleisch stärken. Dem SR sagte der zuständige Minister Reinhold Jost (SPD), das Saarland solle bei der Fleischversorgung wieder unabhängiger werden. Dadurch könnten lange Tiertransporte vermieden werden. Die Verbraucher seien bereit für regionale Produkte mehr zu bezahlen. Das zeige die Erfahrung von Hofläden und Direktvermarktern.

Das Ministerium fördere deshalb nicht nur die Ansiedlung eines Schlachtbetriebs in Perl, sondern auch die Anschaffung einer mobilen Geflügelschlachtstätte, die gemeinsam mit dem Maschinenring angeschafft wird. Der Maschinenring ist eine Vereinigung, in der sich landwirtschaftliche Betriebe zusammenschließen, um Landmaschinen gemeinsam zu nutzen. Ziel sei auch, Landwirte wieder zur Tierhaltung zu animieren.

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Nur zwei Prozent des Schweinefleischs kommen aus dem Saarland

Nach Angaben des saarländischen Bauernverbandes kommen derzeit nur zwei Prozent des Schweinefleischs und 30 Prozent des Rindfleischs aus dem Saarland. Alexander Welsch vom Bauernverband sagte dem SR, wenn man die Großregion mit einbeziehe, sehe die Selbstversorgung besser aus. Es gebe große Rinderbestände in Belgien und Lothringen.

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Volker Wieder von der saarländischen Fleischerinnung betont, derzeit müssten die Fleischer häufig auf Tiere aus Rheinland-Pfalz zurückgreifen, wo mehr Tiere gehalten werden und größere Schlachtbetriebe vorhanden sind. Dem SR sagte er, allerdings orientierten sich die Kunden sehr stark am Preis. Die Kaufkraft im Saarland sei nicht so hoch. Deshalb griffen viele Verbraucher auf Billigfleisch zurück.

Allerdings könnten die Kunden in kleineren Metzgereien mehr über die Herkunft der Tiere erfahren. Aktuell gibt es acht kleinere Schlachtbetriebe im Saarland. Sie liegen in Brotdorf, Wadern, St. Wendel, Rehlingen, Freisen, Lebach, Blieskastel und Mandelbachtal. Unter den acht Betrieben sind drei, die mehr als 1000 Tiere im Jahr schlachten. Die übrigen fünf Betriebe schlachten zwischen 200 und 800 Tiere im Jahr.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 am 17.07.2020 berichtet.

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