Die Grundschule in Uganda dauert sieben Jahre. Die Kinder sind zwischen drei und fünfzehn Jahren alt.  (Foto: Christian Neu)

Wiwo - "Wir wollen was bewegen"

Isabel Schaefer   18.05.2018 | 14:21 Uhr

Junge Saarländer helfen Kindern in der ganzen Welt. Bei Reisen rund um den Globus ist den jungen Leuten vom Verein Wiwo bewusst geworden, was die Menschen vor Ort brauchen und wie man mit wenigen Mitteln effektiv helfen kann. Eines der Hauptprojekte von Wiwo ist eine Schule in Uganda, die die Saarländer mindestens einmal im Jahr besuchen. Bei ihrer letzten Reise waren wir mit dabei.

Die elfjährige Carol ist das Patenkind von Aline Becker. (Foto: Ruben Krebs)
Die elfjährige Carol ist das Patenkind von Aline Becker.

Carol wird tränenüberströmt zu Schulleiter Moses Kalanzi und seiner Frau Kirabo geführt. Es ist Sonntag und an der Abato-Schule in Mpigi, etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Ugandas entfernt, sind alle gerade mit dem Gottesdienst fertig. Die Familie der 11-Jährigen hat ihr eine Tracht Prügel angedroht, wenn sie heute, wo sie eigentlich auf dem Feld und im Haus mitarbeiten sollte, zur Abato-Schule geht. Doch Carol ist hier lieber als zu Hause, auch wenn sie jetzt große Angst hat, zurück zu gehen.

Sozial benachteiligten Kindern helfen

Die Saarländer von Wiwo e.V. stehen betroffen um den Schulleiter und das Kind herum. Sie stecken noch in den traditionellen Gewändern, die sie für den afrikanischen Gottesdienst ausgeliehen haben. Wäre die Saarländerin Aline Becker jetzt hier, sie wüsste, wie sie Carol trösten könnte, aber sie kommt erst wieder im Herbst nach Uganda. Aline ist Carols Patin und Gründungsmitglied von Wiwo. Sie gibt der Abato-Schule 120 Euro jährlich, damit Carol zur Grundschule gehen kann. Das deckt die Schulgebühren, die Kosten für Schuluniform und –bücher und beinhaltet zwei warme Mahlzeiten am Tag. Sie soll besonders sozial benachteiligten Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung ermöglichen.

Nach sechs Jahren Verein, gibt es solche Wiwo-Patenschaften für mittlerweile 130 Kinder - ein Erfolg auf den Wiwo stolz ist: „Moses, unser Schulleiter, hat uns neulich geschrieben, dass sie es dank dieses Programms zum ersten Mal geschafft, alle satt zu kriegen und die Lehrer rechtzeitig zu bezahlen.“

Spendensammeln in Eigeninitiative

Spenden sammeln beim Wiwo-Weihnachtsmarkt auf dem Max-Ophüls-Platz (Foto: Ruben Krebs)
Spenden sammeln beim Wiwo-Weihnachtsmarkt auf dem Max-Ophüls-Platz

Die Idee für den Verein wurde auf Reisen geboren: Die jungen Saarländer zwischen 25 und 35 Jahren haben vor Ort gesehen, was die Menschen brauchen, und haben dann mit ganz einfachen Mitteln schnell und effektiv geholfen. Ihr Motto dabei: „Wir wollen was bewegen“ – daher auch der Name „Wiwo“. Neben zwei Schulen und einem Brunnenbauprojekt in Uganda hat der Verein auch schon Projekte in Peru, Thailand oder Kolumbien unterstützt. Spenden sammeln die Saarländer u.a. auf lokalen Veranstaltungen, die sie im Saarbrücker Raum organisieren.

Nur durch die Wiwo-Patenschaft kann Carol überhaupt zur Schule gehen. Denn sie ist Waise und noch dazu ein Mädchen. „Die Leute denken, dass die Endstation für ein Mädchen ohnehin die Ehe ist. Warum sollten sie dann Geld und Zeit mit ihrer Bildung verschwenden?“, sagt Schulleiter Moses. Er ist der Gründer von der Abato-Schule.

Mädchen brauchen besondere Unterstützung

Neben Rechnen und Schreiben vermitteln die Lehrer den Kindern dort aber auch Werte. Besonders Mädchen sollen Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. In einem Land in dem ein Viertel der Bevölkerung immer noch unterhalb der Armutsgrenze lebt, hat Bildung einen besonderen Stellenwert. „Ich glaube, sie kann einem Kind das Rüstzeug dafür geben, alles zu werden, was es werden will,“ davon ist Schulleiter Moses überzeugt.

Kirabo Kalanzi (1.v.r.), die Frau von Schulleiter Moses, kennt den Hintergrund von fast jedem Kind an der Abato-Schule.  (Foto: Christian Neu)
Kirabo Kalanzi (1.v.r.), die Frau von Schulleiter Moses, kennt den Hintergrund von fast jedem Kind an der Abato-Schule.

Dank Moses Frau Kirabo wird Carol an diesem Sonntag von ihrer Tante, bei der sie zusammen mit vielen Cousins und Cousinen wohnt, verschont. Die Tante wollte das schüchterne Mädchen eigentlich schon komplett aus der Schule nehmen. Das wusste Aline aber zu verhindern: „Ich habe der Tante gesagt, dass wir dann ihre ganzen leiblichen Kinder auch nicht mehr unterstützen. Denn die haben schließlich auch alle Patenschaften über Wiwo.“Carol will später mal Lehrerin werden. Die Abato-Schule gibt ihr Halt und den Glauben, dass sie es schaffen kann.

Mehr Informationen über Wiwo e.V. finden Sie unter wiwo-world.com.

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