Die Computerdarstellung zeigt zwei Urinale mit traditionellem Design (l) und drei von den Forschern entworfene Urinale. (Foto: picture alliance/dpa/University of Waterloo)

Wie wird das Urinal spritzfrei?

Axel Wagner   11.12.2022 | 16:28 Uhr

Forscher aus Kanada und den USA haben dazu vor kurzem das Ergebnis einer Studie vorgestellt, die eines der Hauptprobleme öffentlicher Toiletten lösen soll: Spritzer am Urinal. Im saarländischen Mettlach wird diese Form des Pissoirs zwar so schnell nicht hergestellt werden, aber die Entwickler wollen sich dort auch Anregungen holen.

Wenn man(n) sich fürs kleine Geschäft zurückzieht, dann wird es leider oft „spritzig“. Allzu oft geht bei der Benutzung von Urinalen etwas daneben. Gerade bei Urinalen von Discos, Supermärkten oder Büros – über 90 Prozent sind in öffentlichen Toiletten verbaut – landen dann Spritzer an der Wand und auf dem Boden.

Schmal und länglich

Das haben Forscher der Universität Waterloo im kanadischen Ontario und der Weber State University im US-Bundesstaat Ohio zum Anlass für eine Untersuchung genommen. Das Ergebnis ihrer Studie wurde vor kurzem auf einer Fachtagung für Strömungsdynamik vorgestellt: ein schmales, längliches Becken, das bis fast auf den Boden herunterreicht, mit einem links und rechts eng begrenzten Spalt. Das Innere des Beckens ist gebogen.

Das Bild zeigt ein von den Forschern entworfenes Urinal, das Spritzen weitgehend verhindert, bei einem Test.  (Foto: picture alliance/dpa/University of Waterloo )
Das Bild zeigt ein von den Forschern entworfenes Urinal, das Spritzen weitgehend verhindert, bei einem Test.

Wie alltagstauglich ein solches Urinal ist, muss sich erst noch zeigen. Beim saarländischen Sanitär-Hersteller Villeroy & Boch wird es solche Pissoirs jedoch nicht so bald im Sortiment geben. „Wenn man versucht, Sachen wissenschaftlich zu optimieren, kommt am Ende oft kein wirklich schönes Design heraus“, sagt Philip Koebnick, bei V&B technischer Produktmanager in der Entwicklung von Sanitärgroßteilen. „Wir werden das auf jeden Fall nicht kopieren.“ Allerdings schaue man sich die Studie im Detail an, ob sich bei den eigenen Urinalen noch etwas optimieren lasse.

Leicht geschrägte Rückwand

Das Design der Studie sei sehr speziell, so Koebnick. Der Kunde müsse sich fast in das Urinal hineinstellen. Der Mettlacher Hersteller versucht, Design und optimale Technik unter einen Hut zu bringen. „Idealerweise ist die Rückwand leicht geschrägt und sitzt 30 Zentimeter unterhalb der Bauchnabelhöhe.“ Es sei aber schwierig, so Produktmanager Koebnick, das alles über Normen zu regeln.

Der „Norm-Mann“, der nach heutigem Stand etwa 1,80 Meter groß ist, sollte idealerweise in einem 30-Grad Winkel auf die Rückwand des Urinals pinkeln. „Zielhilfen“ wie zum Beispiel aufgedruckte Fliegen oder Minifußballtore können dabei helfen, Spritzer zu minimieren.

Weniger Wasserverbrauch

 „Wir versuchen, den User so zu lenken, dass er das Urinal in der optimalen Position nutzt“, sagt Produktmanager Koebnick mit Blick auf das Design. Außerdem achte man darauf, dass Urinale auch bei der Spülung nicht spritzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Koebnick, dass sich Urinale leicht reinigen lassen. So gibt es zum Beispiel Anlagen ohne Spülrand, durch Nanopartikel wasserabweisende Oberflächen und antibakterielle Glasuren.

Ökologischer ist das Urinal fürs kleine Geschäft allemal. Während ein modernes, sparsames WC nach Angaben von V&B im Schnitt pro Spülung drei Liter Wasser verbraucht, sind es beim Urinal nur maximal ein Liter. Bei älteren Toiletten fließt laut Bundesumweltministerium sogar noch deutlich mehr Wasser - etwa neun bis 14 Liter können es hier pro Spülung sein. „Wasserlose“ Urinale, die mit Kartuschen arbeiten, benötigen sogar nur sehr wenig Wasser zum Abspülen der Oberflächen.


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