Eine Ärztin verpackt einen Abstrich von einem möglicherweise Infizierten in eine Plastiktüte.  (Foto: picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa)

Wie kommen unterschiedliche Corona-Testergebnisse zustande?

Sandra Schick   18.06.2020 | 18:02 Uhr

An einer Kita in Wallerfangen wurde ein Kind innerhalb weniger Tage einmal positiv und einmal negativ getestet. Doch wie kommen solch unterschiedliche Testergebnisse zustande?

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ein Kind in einer Wallerfanger Kita positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Einen Tag später liegt das Ergebnis eines weiteren Tests des dreijährigen Kindes vor: Dieser ist negativ. Zur Kontrolle wird nun ein dritter Test durchgeführt, dessen Ergebnis am Freitag vorliegen soll.

Doch wie kann es sein, dass die Tests innerhalb kurzer Zeit einmal positiv und einmal negativ ausfallen. Sind die Tests zuverlässig? Dazu hat SR.de den Unternehmenssprecher der Laborgrupppe Bioscientia, Hendrik Borucki, befragt. Bioscientia ist mit der Auswertung der Corona-Tests befasst.

RNA

Ribonukleinsäure ist eine wichtige Substanz für die Umsetzung der Erbinformation.

Ausschlaggebend sei zunächst einmal das positive Testergebnis, so Borucki. "Bei positiven Testergebnissen können wir sehr sicher sein, dass die stimmen. Denn wenn RNA von dem Virus nachgewiesen wurde, ist sie auch da." Bei einem negativen Ergebnis gebe es hingegen verschiedene mögliche Fehlerquellen.

Fehler beim Abstrich?

Eine mögliche Fehlerquelle könne ein falscher Abstrich sein. Gerade bei sehr kleinen Kindern, die nicht still halten, könne es passieren, dass die Probenentnahme nicht korrekt erfolgt ist. "Die Probe muss tief aus dem Rachen entnommen werden", so Borucki. Weiter vorne im Hals sei die Dichte der Erreger viel geringer. Das könne zu einem falsch negativen Ergebnis führen.

Zeitpunkt der Entnahme spielt eine große Rolle

Eine weitere Erklärung für einen falsch negativen Test liegt im Zeitpunkt der Entnahme. Darauf hatte bereits der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, im Podcast im NDR hingewiesen. "Die PCR im Rachenabstrich ist nur in der ersten Woche zuverlässig positiv, dann verschwindet bei einigen Patienten im Hals das Virus." (Podcast Folge 22

Was ist PCR?

Polymerase-Kettenreaktion ist eine Methode, um Erbsubstanz (DNA) in vitro zu vervielfältigen.

Das bedeutet: In der zweiten Woche der Erkrankung kann es sein, dass der Rachentest das Virus schon nicht mehr nachweisen kann. "Das liegt nicht daran, dass der Test nicht gut wäre, sondern das liegt einfach daran, dass das Virus dann im Hals nicht mehr vorhanden ist, wohl aber in der Lunge", so Drosten. Dann könne das Virus nur durch eine Probe aus der Lunge oder dem Stuhlgang zuverlässig nachgewiesen werden.

Test kurz vor der Genesung?

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die Infektion bei dem Kind erst sehr spät bemerkt wurde und das Kind kurz vor der Genesung stand. Bürgermeister Horst Trenz stellte solche Vermutungen an: "Was natürlich auch sein kann, ist, dass das Kind bereits länger positiv war und innerhalb der letzten Tage die Gesundung erfolgte."

Auch Bioscientia-Sprecher Hendrik Borucki schließt eine solche Möglichkeit nicht aus. Es sei häufig der Fall, dass die Erregerdichte sich gerade um den Nachweispunkt bewege, also nur knapp darüber oder darunter liege. Da müsse man dann schon im Labor genauer hinsehen. Wichtig sei nun vor allem das Ergebnis des dritten Testes am Freitag.

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