Auf dem Schreibtisch einer Ärztin liegt ein Stethoskop (Foto: IMAGO / Panthermedia / NomadSoul)

Saar-Uni untersucht mögliche Diskriminierung von Autorinnen

  06.08.2022 | 17:17 Uhr

Warum sind Frauen bei der Veröffentlichung in medizinischen Fachzeitschriften unterrepräsentiert? Dieser Frage ist die Saar-Uni gemeinsam mit mehreren anderen Universitäten auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: Eine mögliche Ursache könnte der Frauen-Anteil bei den Herausgebern sein.

Wie viel ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht, beeinflusst in der Regel auch die jeweilige Karriere. So erhalten Personen, die mehr publizieren, mit höherer Wahrscheinlichkeit Stipendien oder Auszeichnungen. Zudem werden diejenigen häufiger zu Vorträgen eingeladen und auch in Führungspositionen befördert.

Warum veröffentlichen Frauen weniger?

Frauen veröffentlichen weniger Artikel in weniger einflussreichen Zeitschriften als Männer – das geht aus dem sogenannten Publikationsoutput hervor. Woran liegt das?

Die Saar-Uni hat in gemeinschaftlicher Arbeit mit anderen Universitäten unter anderem untersucht, wie die Anzahl der von Frauen publizierten wissenschaftlichen Artikel mit dem Frauen-Anteil unter den Herausgebern zusammenhängt.

Herausgeberinnen in der Unterzahl

Analysiert wurden im Rahmen der Studie* Veröffentlichungen im Feld der Infektionsmedizin. Ein Ergebnis daraus war, dass Frauen und Männer im Bereich „Erstautoren“ ungefähr gleich stark vertreten sind. Bei der „Letztautorenschaft“ sind Frauen allerdings stark unterrepräsentiert: „hier betrug der Frauen-Anteil nur rund 35 Prozent“, sagt Forscherin Katharina Last.


Was sind Erst- und Letztautoren?

Wissenschaftliche Arbeiten im medizinischen Bereich werden üblicherweise von einem Team aus mehreren Personen verfasst. Eine besondere Rolle spielt dabei der Erst- und der Letztautor. Während der Erstautor meist die ausführende Kraft ist, also die Arbeit verschriftlicht oder auch Analysen durchführt, ist der Letztautor meist Ideengeber.

Der Letztautor leitet die Kolleginnen und Kollegen, die an der Arbeit beteiligt sind, und unterstützt den Erstautor beziehungsweise die Erstautorin. Die Erstautorenschaft ist ein wesentlicher Baustein am Karrierebeginn. Im späteren Verlauf der Karriere steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mit zunehmender Expertise und Forschungserfahrung ein Wissenschaftler vermehrt als Letztautor publiziert.


Ähnlich wie bei der Letztautorenschaft war laut der Studie auch der Anteil von Herausgebern und Herausgeberinnen verteilt. Von insgesamt 577 Herausgebern waren 67 Prozent Männer und nur knapp 33 Prozent Frauen.

Diese beiden Faktoren hängen gemäß der Studie zusammen. Demnach war bei den untersuchten Artikeln die Anzahl der Frauen-Publikationen deutlich höher, wenn es auch mehr Herausgeberinnen gab.

Diskriminierung von Frauen nicht ausgeschlossen

Dafür könnte es laut Forschungsleiter Dr. Cihan Papan mehrere Gründe geben – zum Beispiel eine unbewusste oder auch implizite genderspezifische Voreingenommenheit bei den Herausgebern. Aber auch rhetorische Unterschiede oder die Auswahl der Forschungsmethoden könnten eine Rolle spielen.

Neben diesem Ergebnis der Studie gibt es natürlich weitere Faktoren, die dazu führen, dass Frauen weniger oft die Rolle der Letztautorin übernehmen - wie zum Beispiel soziale oder auch strukturelle Einflüsse. Der Fokus dieser Studie lag laut Papan aber bewusst auf dem Zusammenspiel zwischen Herausgeber und Autorenschaft.

Papans Resümee: Dadurch, dass Frauen seltener in die Position von Herausgeberinnen kommen, könnte bei der Auswahl von Artikeln eine (unbewusste) Selektion stattfinden. Damit verbunden könnten Frauen, wenn auch ungewollt, als Autorinnen diskriminiert werden.


Was wurde untersucht?

*Die Untersuchung ist ein Kooperationsprojekt der Universität des Saarlandes, der Universität St. Andrews in Großbritannien, der Universität Freiburg und der Universitätsklinik in Genf.

Im Rahmen der Studie wurden 40 zufällig ausgewählte wissenschaftliche Zeitschriften aus dem Bereich der Infektionsmedizin analysiert. Alle Zeitschriften hatten mehrere Herausgeber, abrufbar waren zudem die Namen und Vornamen der Erst- und Letztautoren sowie die Impakt-Faktoren.

Die Auswahl der Zeitschriften erfolgte so, dass das ganze Größenspektrum ihrer Impakt-Faktoren des Jahres 2020 gleichmäßig vertreten war. Der Impakt-Faktor gibt an, wie oft Artikel einer Zeitschrift zitiert werden und gilt daher als Maß für den Einfluss der Zeitschrift. Die Impakt-Faktoren werden jedes Jahr aus den Daten der beiden Vorjahre neu berechnet. Insgesamt flossen rund 11.000 Artikel in die Untersuchung ein.

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