Ein Junge kauert sich auf seinem Bett zusammen. (Foto: picture alliance/dpa | Nicolas Armer)

2020 weniger Kinder im Saarland in Obhut genommen

Melina Miller   27.06.2021 | 08:41 Uhr

Die saarländischen Jugendämter haben im Jahr 2020 knapp elf Prozent weniger Kinder und Jugendliche in Obhut genommen als im Vorjahr. Deutlich gestiegen sind allerdings die Fälle, in denen Überforderung, Vernachlässigung oder Misshandlung der Grund für eine Schutzmaßnahme war.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind im Saarland im vergangenen Jahr 628 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen worden. Am häufigsten müssen die Jugendämter eingreifen, wenn beide Eltern oder ein Elternteil überfordert sind.

In 117 Fällen wurden Kinder in Obhut genommen, weil sie vernachlässigt wurden oder der Verdacht bestand. Im Jahr zuvor waren es nur knapp halb so viele. Auch die Zahl der körperlichen und psychischen Misshandlungsfälle ist gestiegen.

Deutschland: Rückgang um acht Prozent

Deutschlandweit wurden 2020 im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent weniger Kinder in Obhut genommen. Anders als in den beiden Vorjahren war nach Angaben des Statistikamts dafür im Corona-Jahr 2020 aber nicht allein die sinkende Zahl von Minderjährigen veranwortlich, die unbegleitet nach Deutschland einreisten. Hier wurden im Vergleich zu 2019 insgesamt 1100 weniger Fälle gemeldet.

Noch deutlicher sind die Fälle von dringender Kindeswohlgefährdung zurückgegangen. Außerdem haben weniger Jungen und Mädchen selbst Probleme bei den Ämtern gemeldet.

Zusammenhang mit Pandemie unklar

Inwieweit diese Entwicklungen in Zusammenhang mit den Lockdowns und den Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie stehen, lasse sich anhand der Zahlen nicht beantworten, teilte eine Sprecherin des zuständigen Fachbereichs des Bundesamts mit.

Fachleute und Studien wiesen jedoch darauf hin, dass möglicherweise mehr Fälle aufgrund der Pandemie unentdeckt blieben und das Dunkelfeld gewachsen sein könnte.

Viele Kinder kehren zu Eltern zurück

Meist werde eine Schutzmaßnahme nämlich dann durchgeführt, wenn ein Kind selbst um Hilfe bitte, erklärt die Sprecherin. Dann werde die Situation überprüft und das Kind unter Umständen in einer Einrichtung oder einer Pflegefamilie untergebracht.

In rund einem Drittel der Fälle kehren die Kinder langfristig wieder zu ihren Eltern zurück, wie die Statistik zeigt. Etwa jede zweite Schutzmaßnahme konnte nach spätestens zwei Wochen beendet werden.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja