Ein buntes Schild hängt vor dem Wartezimmer einer Kinderarztpraxis (Foto: picture alliance/Stefan Puchner/dpa | Stefan Puchner)

Deutlich weniger Patienten in Kinderarztpraxen im Saarland

  10.02.2021 | 16:36 Uhr

Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen saarländische Kinder- und Jugendarztpraxen einen deutlichen Rückgang an Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig haben Erkrankungen wie Adipositas nach Angaben des saarländischen Kinder- und Jugendärzteverbandes durch den Lockdown zugenommen.

Die Kinder- und Jugendarztpraxen im Saarland haben deutliche coronabedingte Einnahmeausfälle. Das hat Dr. Benedikt Brixius vom saarländischen Kinder- und Jugendärzteverband auf SR-Anfrage bestätigt. Demnach gibt es in der Corona-Pandemie wesentlich weniger akute Erkrankungen bei Kindern wie etwa die Grippe.

Datenerhebung durch Kinderarzt

Der Kinderarzt Dr. Karsten Theiß hat die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kinderarztpraxen im Saarland untersucht. 20 Prozent der Kinderärzte hätten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sei die Gesamtfallzahl in den saarländischen Kinder- und Jugendarztpraxen um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Dieser Trend setzte sich auch im zweiten Lockdown fort. Zudem habe es 9,4 Prozent weniger Vorsorgeuntersuchungen im ersten Lockdown gegeben. Für die Ergebnisse wurden Daten aus 34 saarländischen Kinder- und Jugendarztpraxen ausgewertet.

"Schlechterer Allgemeinzustand"

Insgesamt wirkt sich der Lockdown nach Angaben des saarländischen Kinder- und Jugendarztverbandes negativ auf die Gesundheit von Kindern im Saarland aus. Laut Dr. Benedikt Brixius kommen Kinder mit Diabetes 1 momentan deutlich später in die Praxen. Sie seien auch in einem deutlich schlechteren Allgemeinzustand, wenn sie in den Kliniken behandelt werden.

Auch krankhafte Adipositas bei Kindern habe in der Pandemie im Saarland massiv zugenommen. Der Medienkonsum sei "total hochgeknallt“ betonte Brixius. Das ziehe sich durch alle sozialen Schichten.

Zudem verschlechtere sich deutlich die sprachliche Entwicklung der Kinder. Insbesondere Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache sprechen, seien hier stark betroffen und "hinkten hinterher“. Auch fehle es den Kindern im Lockdown oft an klaren Strukturen, was psychiatrische Erkrankungen wie ADHS verstärke.

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