Ein Flüchtling steht am Fenster seines Zimmers. (Foto: dpa)

Im Saarland kommen kaum noch Flüchtlinge an

mit Informationen von Manuela Weichsel   20.06.2020 | 13:03 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge, die im Saarland ankommen, hat sich seit dem Ausbruch der Corona-Krise deutlich reduziert. Dass es so wenige sind, sei aber auch Folge einer "ideologischen Abschottungspolitik" in Europa, kritisiert der Saarländische Flüchtlingsrat.

Internationaler Tag der Geflüchteten (20.06.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 20.06.2020, Länge: 02:51 Min.]
Internationaler Tag der Geflüchteten (20.06.2020)

Letztes Jahr sind rund 120 Flüchtlinge ins Saarland gekommen - jeden Monat. In der Größenordnung ging es zunächst auch 2020 weiter. Mit der Corona-Pandemie sind die Zahlen allerdings eingebrochen: Im März waren es noch 50, im April 24, im Mai 15.

Das macht sich auch im Lebacher Ankerzentrum für Flüchtlinge bemerkbar. Im Dezember war man hier noch kurz vor der Belastungsgrenze: Knapp 1300 Menschen lebten hier. Jetzt sind es zusammen in Lebach und der Dependance in Braunshausen keine 1000 Geflüchteten mehr.

80 Millionen Menschen auf der Flucht

Das heißt aber nicht, dass es weniger Flüchtlinge gäbe - weltweit sind laut den Vereinten Nationen knapp 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie kommen nur nicht an. Viele auf dem Weg nach Europa sitzen auf griechischen Inseln in Lagern wie Moria fest.

Gertrud Selzer vom Saarländischen Flüchtlingsrat kritisiert das als "europäische Abschottungspolitik": "Die findet ihre Fortsetzung im Lager Lebach, wo Flüchtlinge ausgegrenzt werden, obwohl in den Kommunen genügend Wohnraum da ist." Der Rat fordert schon seit Langem die Schließung der Landesaufnahmestelle in Lebach.

Mehr Aufnahmen gefordert

Selzer findet, dass an vielen Stellen der Gesellschaft seit 2015 gezeigt wurde, dass das Land auch mit einer höheren Zahl an Flüchtlingen umgehen kann. "Es gibt bundesweit flächendeckende Netze der Solidarität und der konkreten Unterstützung, die bis in Dörfer hinein reichen. Das ist bis heute beispielhaft."

Die Saarbrücker Bürgermeisterin Barbara Meyer-Gluche (Grüne) wies darauf hin, dass in der Stadt Kapazitäten zur Aufnahme weiterer Geflüchteter vorhanden seien. Saarbrücken könne 30 Menschen zusätzlich aufnehmen. Meyer-Gluche forderte gleichzeitig mehr Initiative des Landes bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 20.06.2020 berichtet.

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