Ein Kind mit Atemschutzmaske. (Foto: imago images / Jochen Tack)

Wenig Schnelltestangebote für kleine Kinder

Sandra Schick   10.04.2021 | 08:46 Uhr

Am Wochenende Oma besuchen und vorher mit den Kindern einen Schnelltest machen lassen? Klingt nach einer guten Idee, ist aber praktisch im Saarland gar nicht so einfach umsetzbar. Zumindest wenn man Kinder hat, die unter sechs Jahren sind. Denn die werden in den meisten großen Testzentren nicht getestet.

In den meisten Schnelltestzentren werden Kinder erst ab sechs Jahren getestet. Das gilt nach Angaben des Gesundheitsministeriums beispielsweise für die Testzentren der Landesregierung in Losheim, St. Wendel, Neunkirchen, Homburg und Ensdorf. Im Zentrum auf dem Saarbrücker Messegelände können auch Kleinkinder getestet werden.

Auch in vielen privaten Schnelltestzentren wird erst ab sechs Jahren getest. So zum Beispiel an den Standorten der First Choice GmbH in Völklingen, Schwalbach, Bous, Überherrn, Wallerfangen und Saarbrücken (Garage und Rathaus) und den Testzentren der Drogeriemarktkette DM (Kleinblittersdorf, Saarbrücken, Tholey).

Ebenfalls erst ab sechs Jahren wird in St. Ingbert in den beiden Drive In-Stationen am Blau, in der Dudweilerstr. und dem Ratskeller getestet.

Dass in vielen Testzentren nur Kinder ab sechs Jahren getestet werden, hängt auch damit zusammen, dass nur diese Altersgruppe unter die Regelungen für das Saarlandmodell fällt. Für jüngere Kinder gilt die Pflicht zur Vorlage eines Selbsttests nicht.

Seitens des Ministeriums gibt es keine Vorgabe, ab welchem Alter Kinder getestet werden. "Eine Testmöglichkeit sollte grundsätzlich jeder Person zur Verfügung stehen", teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Damit der ein gültiges Ergebnis liefert, müssen Kinder allerdings den dazu nötigen Rachen- oder Nasenhöhlenabstrich aushalten.

Keine einheitlichen Regeln bei Apotheken und Ärzten

Bessere Anlaufstellen als die großen Testzentren können Apotheken und Ärzte sein, die Schnelltests durchführen. Laut Apothekerkammer gibt es keine festen Vorgaben, ab welchem Alter Kinder hier getestet werden dürfen. Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer Saar, sagte dem SR: "Das ist eine individuelle Entscheidung, die vor Ort in den Apotheken getroffen wird."

Erster Ansprechpartner Kinderarzt

Auch Ärzte haben freie Handhabe und können selbst entscheiden, ab wann ein Test mit dem Kind durchführbar ist, sagt Benedikt Brixius, Sprecher des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte. "Bei Kindern unter sechs Jahren rate ich dazu, den Kinderarzt zu kontaktieren und um Rat zu fragen, wo es in Wohnortnähe eine Testmöglichkeit gibt."

Viele Kinderärzte böten auch selbst Schnelltests für die eigenen Patienten an. "Das geht auch, wenn das zahlenmäßig überschaubar bleibt", so Brixius. Allerdings habe er in seiner Praxis in den vergangenen Wochen schon eine deutliche Zunahme der Nachfrage nach Schnelltests für Kinder festgestellt. "Was wir nicht leisten können, ist zusätzlich zum Praxisbetrieb jeden Tag noch 50 Kinder zu testen."

Testpflicht für Kitas unrealistisch

Vor dem Hintergrund scheint eine Testpflicht für Kindergartenkinder wie sie die Gewerkschaft Verdi jüngst gefordert hat, derzeit nur schwer umsetzbar zu sein. "Unter den derzeitigen Bedingungen ist das unrealistisch", sagt auch Kinderarzt Brixius. Wolle man das umsetzen, müsse man erst die Strukturen dafür schaffen.

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