Ein Mädchen versteckt seinen Kopf hinter einem Stofftier (Foto: Imago/Blickwinkel/McPHOTO/M. Begsteiger)

Psychische Gewalt gegen Kinder noch immer ein großes Problem

  20.09.2022 | 08:44 Uhr

Anlässlich des Weltkindertages macht der Kinderschutzbund Saar auf das Thema psychische Gewalt in Familien aufmerksam. Durch herabwürdigende Erziehungshandlungen und demütigende Äußerungen litten viele Betroffene bis ins Erwachsenenalter unter Angst-, Beziehungs- oder psychosomatischen Störungen.

Beim Thema „Gewalt gegen Kinder“ denken viele noch an die körperliche Gewalt. Doch während laut dem Kinderschutzband Saar der vor gut 20 Jahren gesetzlich eingeführte Anspruch auf gewaltfreie Erziehung heute zumeist akzeptiert werde, sei die psychische Gewalt ein Thema, das häufig außen vor bleibe.

Weltkindertag: Was wünschen sich Kinder im Saarland?
Audio [SR 3, Nadine Irmer, 20.09.2022, Länge: 02:10 Min.]
Weltkindertag: Was wünschen sich Kinder im Saarland?

"Du bist zu dumm dafür"

Für Sätze wie „Muss ich dir alles dreimal sagen?“, „Hast du keine Ohren?“ „Nicht du schon wieder“, „Du bist zu dumm dafür“ oder „Wenn du nicht hörst, hat Mama dich nicht mehr lieb“ gebe es kaum ein Bewusstsein, sagt der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes im Saarland, Stefan Behr.

Video [aktueller bericht, 20.09.2022, Länge: 3:06 Min.]
Weltkindertag unter dem Motto: „Gemeinsam für Kinderrechte“

„Auch herabwürdigende Erziehungshandlungen, demütigende Äußerungen und Anschreien stellen Gewalthandlungen gegen Kinder dar – verbunden mit teils massiven Langzeitfolgen und Auswirkungen auf den eigenen späteren Erziehungsstil“, erläutert Behr anlässlich des Weltkindertages. Der Bundesverband des Kinderschutzbunds mache daher mit der Kampagne „Gewalt ist mehr, als du denkst“ auf die Problematik aufmerksam.

Keine sichtbaren Spuren

Psychische Gewalt sei ein Verhalten, das eine feindliche oder abweisende Haltung zum Ausdruck bringe, so Behr. Da dabei keine körperlich sichtbaren Spuren zurückblieben, sei psychische Gewalt schwer feststellbar. „Entwürdigende Maßnahmen schaffen keine Einsicht bei Kindern, sondern demonstrieren nur die eigene Machtposition.

Schwerwiegende Folgen

Die Betroffenen werden verängstigt, verschreckt, beschämt und eingeschüchtert. Die schwerwiegenden Folgen ähneln häufig jenen nach körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch“, so Behr. Viele Betroffene litten bis ins Erwachsenenalter unter Angst-, Beziehungs- oder psychosomatischen Störungen.

Die Bundeskampagne "Gewalt ist mehr, als du denkst" sei daher ein wichtiger Betrag, um Bewusstsein für dieses gesamtgesellschaftliche Problem zu schaffen und gefährdete Eltern darüber aufzuklären, dass es Beratungs- und Hilfsangebote gebe.

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