Eine Frau steht mit ihren Arbeitskollegen zusammen. (Foto: picture alliance/dpa/Oliver Berg)

Frauen wollen Ungleichheit bekämpfen

  08.03.2020 | 20:04 Uhr

Einkommen und Einfluss sind in Deutschland unter den Geschlechtern nach wie vor ungleich verteilt. Von vielen Seiten kommen darum Forderungen nach wirksameren Gesetzen und Quoten in Wirtschaft und Politik.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist auch in Deutschland noch längst nicht Realität: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. Gründe dafür sind dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge unter anderem eine hohe Frauenerwerbsquote in niedrig bezahlten Berufen und der Mangel an weiblichen Führungspositionen.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 08.03.2020, Länge: 4:21 Min.]
Internationaler Frauentag

Aber auch ungleich verteilte Arbeitszeiten spielen dabei eine große Rolle: Laut aktuellen Statistiken der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz-Saar arbeitet fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nur Teilzeit. Bei den Männern seien es hingegen nur knapp zehn Prozent. Der Frauenanteil bei der sogenannten Care-Work, der unbezahlten Haus-und Sorgearbeit, liegt dem DGB zufolge hingegen bei fast 80 Prozent.

Tarife für mehr Gerechtigkeit

Um den Ungleichheiten entgegenzuwirken, fordert die Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes, Beatrice Zeiger, mehr Tarifverträge speziell in Bereichen, in denen vor allem Frauen arbeiten. Die Festlegung von Standards würde den Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau um rund zehn Prozent verringern.

Aber auch der Gesetzgeber müsse tätig werden. Bestehende Maßnahmen wie das Entgelttransparenzgesetz, das für gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit sorgen soll, hätten in der Praxis kaum positive Auswirkungen, sagt Zeiger. Nicht zuletzt müsse die Bundesregierung die Einführung einer Quote in Vorständen von Unternehmen vorantreiben.

Für eine Quote in der Politik setzt sich die saarländische Frauen Union (FU) ein. Die Mandate auf allen politischen Ebenen sollten paritätisch verteilt werden, fordert die FU-Landesvorsitzende Anja Wagner-Scheid. „Unsere Parlamente sollen ein Spiegelbild der Bevölkerung sein. Unser Ziel ist ein bundesweites Paritätsgesetz – also 50:50, fünfzig Prozent Frauen und fünfzig Prozent Männer. Viele Länder überall auf der Welt machen uns vor, dass es geht – zum Beispiel unser Nachbarland Frankreich.“

Stereotype Rollenbilder in sozialen Netzwerken

Ein weiteres grundlegendes Problem bei der Gleichstellung der Frau sieht der stellvertretende Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, Dr. Jörg Ukrow, in den sozialen Netzwerken. Dort sähen sich YouTuberinnen und Influencerinnen häufig Kritik ausgesetzt, sofern sie sich nicht in „veraltet anmutenden Rollenbildern“ darstellten. „Während Frauen sich überwiegend im privaten Raum zeigen, Schminktipps geben und ihre Hobbies präsentieren (Basteln, Nähen, Kochen), bedienen Männer deutlich mehr Themen: von Unterhaltung über Musik bis zu Games, Comedy und Politik“, sagt Ukrow.

Auch die Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz, die im Juni in Perl-Nennig tagt, legt ihren Themenschwerpunkt dieses Jahr auf den digitalen Bereich. „Digitalisierung und Gendergerechtigkeit müssen zusammengedacht werden“, sagt die saarländische Sozial- und Frauenministerin Monika Bachmann (CDU), die den Vorsitz der Konferenz innehat. Die Digitalisierung könne so auch Chancen für eine gleichberechtigtere Arbeitswelt bieten.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 08.03.2020.

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