Ein älterer Mann sitzt im Schlafanzug mit gefalteten Händen auf dem Bett (Foto: IMAGO / Shotshop)

Warum Demenz und Depression im Alter oft verwechselt werden

Manuela Weichsel / Onlinefassung: Kai Forst   21.09.2022 | 20:20 Uhr

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bei älteren Menschen werden häufig mit einer beginnenden Demenz verbunden. Dabei kann es sich auch um eine Depression handeln. Oft sind sich beide Krankheitsbilder im Alter zum Verwechseln ähnlich. Eine genaue Diagnostik ist daher entscheidend.

Am Sonnenberg-Klinikum in Saarbrücken werden viele Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt. Depression und Demenz sind dabei die häufigsten im Alter. Oft seien diese Erkrankungen zum Verwechseln ähnlich, weiß Ramona Oliveras, die die Gerontopsychiatrie am SHG-Klinikum leitet.

Video [aktueller bericht, 21.09.2022, Länge: 3:31 Min.]
Demenz-Kongreß in Saarlouis findet erneut statt

Demenz und Depression auch häufig zusammen

Angehörige, die ältere Patienten in die Klinik brächten, seien sich oft sicher, dass es sich aufgrund des Alters um Alzheimer handeln müsse. Allerdings kann auch eine Depression dahinterstecken. Behandlungen wie etwa Kunst- und Musiktherapie können bei der oft schwierigen Diagnostik helfen. Tückisch: Häufig tauchen Demenz und Depression gemeinsam auf. Auch dann ist es wichtig, die Depression nicht zu übersehen.

In der Gerontopsychiatrie auf dem Sonnenberg ist man dafür sensibilisiert. „,Depressive Patienten werden zunächst auf allen Ebenen anti-depressiv behandelt: mit Medikamenten, Therapie, Gesprächen, alles, was wir alles hier anbieten können“, sagt Ärztin Hermine Hauke. Wenn dann immer noch der Eindruck bestehe, dass da mehr dahinterstecke, würden auch Demenztestungen gemacht, sobald die Depression abgeklungen sei.

Vortrag am Weltalzheimertag

Über die Wichtigkeit und die große Verwechslungsgefahr von Demenz und Depression hat auch Rosa-Adelinde Fehrenbach, die Chefärztin der Gerontopsychiatrie der Saarbrücker SHG-Klinik, am Weltalzheimertag am Mittwoch in einem Vortrag auf dem Demenzkongress in Saarlouis aufmerksam gemacht.

Eine Depression wirke sich nicht nur auf die Stimmung aus. Besonders bei alten Menschen seien die Haupt-Symptome oft Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Im Alter steige die Wahrscheinlichkeit für Depressionen. Etwa Veränderungen im Gehirn, Durchblutungsstörungen nach Schlaganfällen oder auch Parkinson können sie begünstigen.

Den Unterschied erkennen

Den Unterschied zur Demenz zu erkennen, sei eine der schwierigsten Aufgaben: „Es gibt ganz viele Überschneidungen. Gerade bei depressiven Phasen bei älteren Menschen können Gedächtnisstörungen im Vordergrund stehen, die aber wieder verschwinden, wenn die Depression behandelt ist. Andererseits können zu Beginn einer Demenzerkrankung als erstes Zeichen auch depressive Symptome auftreten“, erklärt Fehrenbach.

Eine falsche Demenz-Diagnose könne eine Depression noch zusätzlich verstärken. Wenn beide Krankheiten tatsächlich gemeinsam auftreten, kann die Behandlung der Depression auch den Verlauf der Demenz positiv beeinflussen. „Depressive Symptome gerade am Anfang sind mit sozialem Rückzug verbunden. Die Menschen geben soziale Kontakte auf und damit trainieren sie kognitive Funktionen weniger. Und je weniger jemand seine geistigen Funktionen aktiv hält, umso schneller gehen sie natürlich auch verloren“, so Fehrenbacher.

Deswegen bräuchte es - auch etwa in Altenheimen - dringend mehr Psychotherapiemöglichkeiten für ältere Menschen.

Über dieses Thema berichtete der aktuelle bericht am 21.09.2022.

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