Martin Welker  (Foto: Imago Images/BeckerBredel)

GIU hat Welker insgesamt 2,1 Millionen Euro ausgezahlt

Thomas Gerber   22.11.2022 | 18:57 Uhr

Der Honorar-Streit zwischen dem beurlaubten Geschäftsführer der Saarbrücker Wirtschaftsförderungsgesellschaft GIU, Martin Welker, und seinem Arbeitgeber scheint beigelegt. Insgesamt hat Welker 2,1 Millionen Euro von der GIU erhalten. Welker war vor seiner Geschäftsführertätigkeit Berater der GIU. Dafür hatte er über fast 20 Jahre zunächst keine Honorarforderungen gestellt.

Wie Co-Geschäftsführer Hans-Peter Klein auf SR-Anfrage erklärt, sind dem nach Korruptionsvorwürfen inzwischen beurlaubten Martin Welker für frühere Beratertätigkeiten von der GIU im August rund 1,8 Millionen Euro überwiesen worden. Das Rechtsgutachten einer Frankfurter Kanzlei sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die auf einem Vergleich mit Welker beruhende Zahlung keinen Anfangsverdacht für eine Pflichtverletzung oder eine Untreue darstelle.

1,8 Millionen Euro für Vergleich

Laut einem 2017 vom Aufsichtsrat der GIU genehmigten Vergleich hatte Welker das Honorar in Höhe von 1,8 Millionen Euro zugestanden. Er hatte die GIU als Rechtsanwalt beraten und mehrfach vor Gericht vertreten. Für diese Tätigkeit in den Jahren 1999 bis 2016 hatte er zunächst keinerlei Rechnungen geschrieben. Die jetzt ausgezahlte Summe enthält lediglich Ansprüche, die noch nicht verjährt sind.

Daran hatte die Staatsanwaltschaft Zweifel und ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue eingeleitet und eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Ob das Ermittlungsverfahren nun eingestellt wird, wie von GIU-Geschäftsführer Klein beantragt, ließ die Staatsanwaltschaft aus "ermittlungstaktischen Gründen" offen.

Weitere 280.000 Euro für Beratertätigkeit von 2017 bis 2020

Wie GIU-Geschäftsführer Klein dem SR weiter mitteilt, wurden Welker zudem weitere rund 280.000 Euro für seine Beratertätigkeit bis zu seiner Beschäftigung als GIU-Geschäftsführer 2020 bezahlt. Nach Lieferung "prüffähiger Unterlagen" seien die entsprechenden Rechnungen 2019 und in diesem Jahr beglichen worden.

Die GIU betonte, dass sie an den beurlaubten Geschäftsführer Welker lediglich Honorare für nicht verjährte Leistungen ausgezahlt hat. Für Leistungen aus den Jahren 2017 und 2018 habe Welker kein Geld erhalten.

Der Streit zwischen Welker und der Stadt ebenfalls über ausstehende Honorare schwelt unterdessen weiter. Ein Sprecher der Stadt bestätigte, dass Welkers Forderung über 1,7 Millionen Euro nach wie vor im Raum stehe. Der Streit "ruhe" aber aktuell.

Über dieses Thema hat auch die SR-Fernsehsendung "aktueller bericht" am 22.11.2022 berichtet.


23.11.2022, 10:00 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, die GIU habe Welker insgesamt 2,4 Millionen Euro für seine frühere Beratertätigkeit ausgezahlt. Tatsächlich waren es etwa 2,1 Millionen Euro. Bis zur Einstellung Welkers als Geschäftsführer 2020 seien nach Einreichung prüffähiger Unterlagen lediglich rund 280.000 Euro – und nicht wie zuvor angegeben 600.000 Euro – an Welker überwiesen worden.


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