Luftaufnahme des Uniklinikum Homburg (Foto: SR)

Offenbar auch Missbrauch an HNO-Klinik

  12.11.2019 | 12:00 Uhr

An der Uni-Klinik Homburg hat es offenbar einen weiteren bislang unbekannten Fall von Kindesmissbrauch gegeben. Laut der Frankfurter Rundschau soll es im Juli 2012 an der HNO-Klinik zum Missbrauch an einem sechsjährigen Mädchen gekommen sein.

Der weitere mutmaßliche Fall sexuellen Kindesmissbrauchs am Universitätsklinikum Homburg wurde offenbar bis heute verschwiegen, berichtet die Frankfurter Rundschau. Ein sechsjähriges Mädchen soll den Angaben zufolge nach einer Operation in der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik des Uniklinikums Verletzungen gehabt haben, die auf eine Vergewaltigung hindeuteten.

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Ein Arzt habe aus dem Operationssaal die Kinderschutzgruppe des UKS angerufen, weil er bei der Verabreichung eines Schmerzzäpfchens nach der OP am Nasenrachenraum eine blutende Wunde im Genitalbereich festgestellt habe. Die Kinderschutzgruppe habe den Verdacht bestätigt, dass die Verletzung "verdächtig auf eine äußere Gewalt" sei. Zudem habe es Hinweise gegeben, dass die Verletzung nicht vor der OP bestanden habe.

Mutter wurde nicht informiert

Die HNO-Klinik hat den Angaben zufolge die Mutter erst einmal nicht informiert. Als die Eltern schließlich von der Verletzung des Kindes erfuhren, wollten sie laut der Rundschau Strafanzeige erstatten. Die Klinik soll ihnen aber davon abgeraten haben. Die Mutter habe zunächst von der Strafanzeige abgesehen. Nach Darstellung der Klinik war sie informiert worden.

Weiterer Täter am UKS?

Nach SR-Informationen soll es sich bei dem vermeintlichen Täter nicht um den bereits verstorbenen Assistenzarzt handeln, der im Universitätsklinikum in Homburg etliche Kinder über Jahre sexuell missbraucht haben soll, sondern um einen anderen Mediziner. Demnach läuft derzeit ein Verfahren gegen unbekannt.

Lafontaine: "Verheimlichungsstrategie"

Kollegengespräch: "Jetzt wird ermittelt"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Karin Mayer/Thomas Gerber, 12.11.2019, Länge: 03:36 Min.]
Kollegengespräch: "Jetzt wird ermittelt"

Der Fraktionschef der Linken im Landtag, Oskar Lafontaine bezeichnete es als "beschämend", dass im Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauch am Homburger Uniklinikum immer neue Vorwürfe auftauchen. „Offensichtlich wird an verschiedenen Ebenen immer noch gemauert, wenn es um Aufklärung geht." Auch die ermittelnden Staatsanwälte müssten sich Versäumnisse vorwerfen lassen. Es entstehe "der Eindruck einer geradezu genauestens abgewogenen Verheimlichungsstrategie".

"Systematisches Vertuschen"

Der SPD-Abgeordnete Jürgen Renner sagte: "Sollten diese Darstellungen zutreffen, verdichtet sich der Verdacht eines systematischen Verschweigens und Vertuschens im Umgang mit weiteren mutmaßlichen Missbrauchsfällen am Universitätsklinikum (Kinder- und Jugendpsychiatrie) in Homburg." Renner ist zugleich Mitglied des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der am Mittwoch seine Arbeit aufnimmt. "Wir behalten uns vor, den Untersuchungsgegenstand des Untersuchungsausschusses im Hinblick auf den jetzt bekannt gewordenen weiteren mutmaßlichen Fall des Kindesmissbrauchs und der damit verbundenen Vorgänge auszuweiten", so Renner.

Neuer Verdachtsfall von Pädophilie am UKS
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 13.11.2019, Länge: 03:40 Min.]
Neuer Verdachtsfall von Pädophilie am UKS

Unterstützung bekommt die SPD dabei auch von der FDP. "Die Vorwürfe, die aktuell im Raum stehen, sind erschütternd", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Helmut Irsinghaus. "Scheinbar gab es ein System des Verschweigens und Vertuschens. Die Vorgänge an der Uniklinik Homburg müssen endlich vollständig aufgeklärt werden."

Auch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) versicherte, die Landesregierung wolle für Aufklärung sorgen. „Ich will, dass alles getan wird, damit sich große wie kleine Patienten sicher sein können, die bestmögliche Behandlung zu bekommen. Dafür ist ein effektiver Schutz von Patienten und Mitarbeitenden vor Übergriffen jeder Art ein absolutes Muss. Verdachtsmomente von Kindesmissbrauch müssen künftig umgehend gemeldet und verfolgt werden.“

Sexuelle Belästigungen an Homburger Klinik
Staatskanzlei entlastet HNO-Chef
Im Zusammenhang mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung an der Homburger HNO-Klinik entlastet nun eine Stellungnahme der Staatskanzlei den Leiter der HNO-Klinik. Befragungen hätten den Anfangsverdacht nicht bestätigt, so die Staatskanzlei. Nach Angaben der Saarbrücker Zeitung prüft aber die Staatsanwaltschaft, ob ein Verfahren eingeleitet wird.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 12.11.2019 berichtet.

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