Der Prozess um die getöteten Polizisten nahe Kusel begann am 21. Juni. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Uwe Anspach)

Kuseler Mordprozess: Tat vorher angekündigt

  28.06.2022 | 20:23 Uhr

Am dritten Prozesstag um die mutmaßlichen Polizistenmorde von Kusel haben weitere Zeugen von einem dramatischen Schusswechsel berichtet. Außerdem soll der Hauptangeklagte mehrfach angekündigt haben, sich den Weg im Fall einer Kontrolle "freizuschießen". Er selbst äußerte sich erstmals ausführlich.

Fünf Monate nach dem Gewalttod von zwei Polizisten bei einer Verkehrskontrolle nahe Kusel haben Zeugen einen dramatischen Schusswechsel in der Tatnacht geschildert. "Das war Bumm Bumm", sagte ein 47 Jahre alte Anwohner am Dienstag im Mordprozess vor dem Landgericht Kaiserslautern.

"Fast wie eine Feuerwerksbatterie"

Schüsse aus Gewehr und Pistole seien deutlich zu vernehmen gewesen. Ein weiterer Zeuge hörte jemanden "Bleib stehen" schreien und ebenfalls zahlreiche Schüsse. "Das waren mehrere Schussfolgen. Fast wie eine Feuerwerksbatterie", sagte der ebenfalls 47 Jahre alte Mann und klopfte im Gerichtssaal viermal laut mit geballter rechter Hand rhythmisch auf den Tisch.

Bereits am Montag hatten Polizeibeamte dies vor Gericht als Zeugen mit drastischen Schilderungen beschrieben. Wie das Magazin "Stern" unter Berufung auf Ermittlungsakten berichtet, hatte der Hauptangeklagte, der 39-jährige Andreas S., die Tat außerdem offenbar vorher angekündigt. Demnach soll er gegenüber einem Jagdfreund mehrfach gesagt haben, er werde sich den Weg freischießen, falls er beim Wildern kontrolliert werde. Weitere Personen berichteten der Polizei von ähnlichen Äußerungen.

Video [aktueller bericht, 28.06.2022, Länge: 3:05 Min.]
Angeklagter im Fall Kusel soll Tat vorher angekündigt haben

Anklage wegen Mordes

Die Staatsanwaltschaft wirft S. vor, Ende Januar eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und einen 29 Jahre alten Polizeikommissar aus Habgier bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle mit Gewehrschüssen in den Kopf ermordet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Sie geht davon aus, dass S. allein für die tödlichen Schüsse auf die 24 Jahre alte Polizeianwärterin Yasmin B. und ihren 29-jährigen Kollegen, den Oberkommissar Alexander K., verantwortlich ist. Mit der Tat habe S. seine vorangegangene Jagdwilderei vertuschen wollen.

Dem 33 Jahre alten Komplizen Florian V. wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll beim Spurenverwischen geholfen haben. Zeugen berichteten am Dienstag von einem deutlichen, harten letzten Knall - "wie bei einem finalen Fangschuss bei Tieren", sagte ein 65 Jahre alter Mann.

Schwere Verletzungen trotz Schutzweste

Die Ermittler gehen von einem Feuergefecht zwischen dem Polizeikommissar und dem Hauptangeklagten aus. Der Polizist soll das Magazin seiner Dienstpistole leergeschossen haben - ohne den Angreifer zu treffen. Der Staatsanwaltschaft zufolge wies der Polizist trotz Schutzweste mehrere schwere Verletzungen auf.

Am Dienstag wurden auch Tonaufnahmen einer Überwachungskamera unweit des Tatorts abgespielt. Darauf waren die Schüsse deutlich zu hören.

Angeklagter sagt erstmals umfangreich aus

Andreas S. selbst äußerte sich im Prozess erstmals umfangreich. Eineinhalb Stunden lang sprach er über das, was sich in der Nacht bei Ulmet ereignet haben soll, schluchzt dabei immer wieder auf, ohne wirklich zu weinen. „Ich war durchaus auch über die Ausgestaltung der Aussage überrascht“, sagte der Verteidiger des Mitangeklagten Florian V., Christian Kessler, dem SR.

Die Aussage von S. bewertet Kessler als „über ganz weite Teile sehr sachlich bis kalt“. Wenn es „gepasst“ hat, habe S. Tränen und Verzweiflung gezeigt, „die aber, sobald es wieder zu anderen Themen ging, sofort wieder abgestellt waren“.

Mitangeklagter belastet

In seiner Aussage räumte S. ein, dreimal auf den Polizisten Alexander K. geschossen zu haben, nachdem der Beamte bei der Fahrzeugkontrolle ohne Vorwarnung das Feuer auf ihn eröffnet habe. Mit den Schüssen auf die Polizistin Yasmin B. will er nichts zu tun haben, schildert nur seine Erschütterung, als er sie am Boden entdeckt habe. Damit belastet er indirekt, wie schon in der Einlassung zum Prozessauftakt, erneut den Mitangeklagten Florian V.

Bei seinen Schilderungen prahlt S. mit Details, die nicht zu seinen Tränen passen wollen. „Er hat in klassischer Weise geschildert, dass sich der Schuss in den Kopf anders anhört als die Körpertreffer. Ich möchte das nicht wiederholen“, so Rechtsanwalt Kessler. Der Oberstaatsanwalt Udo Gehring bezeichnete S.‘ Aussage als „tränenreiche Inszenierung“.

Der nächste Prozesstag ist für Donnerstag geplant. Bisher sind vom Landgericht Termine bis zum 9. September vorgesehen - allerdings prüft das Gericht bereits weitere Termine bis zum 19. Oktober.

Video [aktueller bericht am Samstag, 27.06.2022, Länge: 3:54 Min.]
Prozess um Polizistenmord: Beginn der Beweisaufnahme

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.06.2022 berichtet.

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