Eine Verpackung mit Insektenburger liegt in einem Kühlregal (Foto: IMAGO / photothek)

Woran Verbraucher Lebensmittel mit Insekten erkennen

  22.01.2023 | 17:32 Uhr

Mehlwürmer oder Heuschrecken im Insekten-Burger - das kennt man bereits. Doch auch in Müsliriegeln oder in Fleischersatzprodukten finden sich inzwischen die kleinen Krabbler. Wir haben nachgefragt, worauf Verbraucher achten sollten.

Das erste Insekt, das in der EU als offizielles Lebensmittel zugelassen wurde, war 2021 der gelbe Mehlwurm (lat. Tenebrio molitor). Seitdem kommen nach und nach weitere Insekten für den menschlichen Verzehr hinzu. Neben dem Mehlwurm können auch die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), außerdem die Hausgrille (Acheta domesticus) und die Larven des Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus) in Lebensmitteln verwendet werden.

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Insekten fallen unter die sogenannte "Novel-Food-Verordnung" der EU. Das heißt, sie müssen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen werden. Anwendung finden die "neuartigen Lebensmittel" nach der Zulassung vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln wie beispielsweise Cerealien, Riegeln, Fleischersatzprodukten und Backwaren. Doch wie erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher, ob sich in dem Lebensmittel, das sie gerade in der Hand halten, Insekten befinden?

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Ob als Farbstoff, Bindemittel oder günstiges Ersatzprodukt: Auf den Zutatenlisten von Lebensmitteln begegnen Verbrauchern manchmal sehr ungewöhnliche Inhaltsstoffe – oft versteckt hinter Fachbegriffen und E-Nummern.

Sind da Insekten drin? Zutatenliste gibt Aufschluss

Die Antwortet lautet: an der Zutatenliste. Dort werden sie meist mit ihrem lateinischen Namen genannt. Da könnte es dann zum Beispiel heißen: „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)" oder "Pulver aus Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)".

Außerdem sollten laut der Verbraucherzentrale des Saarlandes Angaben zur thermischen Behandlung von ganzen Insekten und damit zu ihrer empfohlenen Verwendung – d.h. Erhitzen nötig oder nicht? – hervorgehen. Und auch eine Allergenkennzeichnung sei wichtig. Denn der Verzehr von Insekten eignet sich nicht für alle. "Menschen, die auf Hausstaubmilben oder Krustentiere allergisch reagieren, könnten auch allergische Reaktionen auf Insekten zeigen", sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten also ganz genau hinschauen. "Und sie sollten beim Einkauf darauf achten, dass es sich wirklich um Lebensmittel handelt und nicht etwa um Futtermittel, zum Beispiel für Heimterrarienbewohner. Das gilt besonders beim Einkauf im Online-Handel, in dem die Grenzen zwischen Lebensmittel- und Futtermittelhandel nicht so klar sind wie im stationären Einkauf", so Weimar-Ehl.

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Klimafreundliche Protein- und Vitaminquelle?

In der Realität ist es meist aber noch nicht so einfach: Die Verbraucherzentrale bemängelt, dass häufig Hinweise dazu fehlen, ob die Produkte bei der Herstellung erhitzt oder einem anderen Verfahren zur Keimabtötung unterzogen wurden. Auch gebe es bisher noch keine speziellen Hygienevorgaben für Speiseinsekten. Es fehlten zum Beispiel klare Vorgaben zur Zulassung und Identitätskennzeichnung für insektenproduzierende und -verarbeitende Betriebe.

In anderen Weltregionen stehen Insekten schon lange auf dem Speiseplan. Sie sind beispielsweise in Thailand eine geschätzte Protein- und Vitaminquelle. In Deutschland beschäftigen sich unter anderem Forscher an der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit der Frage, ob Insekten Teil der Lösung für das Problem der globalen Lebensmittelknappheit werden könnten: Im Vergleich zu Fleisch aus herkömmlichen Nutztieren sollen Insekten klimafreundlicher sein. Sie brauchen weniger Platz und Wasser als Rinder, Schweine oder Hühner und verursachen weniger Treibhausgas-Emissionen.


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