Fleisch aus Stallhaltung im Supermarkt (Foto: dpa/Bildfunk)

Supermärkte bieten wenig Fleisch aus artgerechter Haltung an

Sandra Schick   15.12.2020 | 14:10 Uhr

Wer Fleisch aus tierfreundlicher Tierhaltung kaufen möchte, hat es auch anderthalb Jahre nach Einführung des Haltungsform-Labels immer noch schwer, das im Supermarkt zu bekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Verbraucherzentralen.

Ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen bei mehr als 1700 verpackten Fleischprodukten aus 31 Geschäften hat ergeben: Fleisch aus tierfreundlicher Haltung ist in Supermärkten und Discountern immer noch Mangelware.

87 Prozent des überprüften Fleischangebotes stammt demnach aus den Haltungsformen 1 und 2. Bei diesen Formen werden die Tiere nur im Stall gehalten und haben keinen Zugang nach draußen. „Von Tierwohl kann hier keine Rede sein“, sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Keine echte Auswahl

Nur rund zehn Prozent des Fleischs stammt aus Haltungsform 4 - der mit den besten Standards. Nur dort haben die Tiere Auslauf im Freien und bekommen Futter, das frei von Gentechnik ist. Das so gekennzeichnete Fleisch sei zumeist Bioware, sagt die Verbraucherzentrale. Insgesamt sei die Auswahl an Fleisch aus den Stufen 3 und 4 „sehr gering“. Sie beschränke sich meist nur auf bestimmte Fleischsorten und Tierarten. Der Verbraucher habe kaum echte Auswahl. 

An Bedientheken ist Haltung nicht erkennbar 

Ein weiterer Punkt, den die Verbraucherzentralen kritisieren: An Bedientheken ist die Haltungsform in vielen Fällen nicht erkennbar. Auch Wurstwaren müssen nicht gekennzeichnet sein.

Fazit der Verbraucherzentrale: "Die vierstufige Kennzeichnung des Handels ist kein Tierwohllabel und kann nicht flächendeckend für mehr Tierwohl sorgen."


Die Untersuchung

Die Verbraucherzentrale hat in zwei Marktchecks jeweils im Mai/Juni 2019 und im September/Oktober 2020 Frischfleisch von Schwein, Rind und Geflügel gekauft. 2020 wurde bundesweit in 31 Geschäften der Unternehmen Aldi, Edeka, Lidl, Kaufland, Netto, Penny und Rewe insgesamt 1767 Produkte eingekauft.


Die Haltungsformen

Haltungsform 1: Stallhaltung:
Entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard bei Schweinen und Masthühnern. Hier stehen beispielsweise einem Schwein 0,75 Quadratmeter zu. Bei Rindern und Puten zeigt Stufe 1 die branchenübliche Haltung an. Ein Rind hat demnach 1,5 bis 2,2 Quadratmeter (je nach Gewicht) Platz.

Haltungsform 2: Stallhaltung Plus
Schweine, Masthühner, Puten und Rinder haben etwas mehr Platz im Stall. (Beispiel Schwein: 0,825 Quadratmeter). Die Tiere bekommen zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Kühe dürfen nicht angebunden sein.

Haltungsform 3: Außenklima
Die Tiere haben noch mehr Platz im Stall. (Beispiel Schwein: 1,05 Quadratmeter). Außerdem gibt es beispielsweise einen überdachten Außenbereich oder eine nach außen offene Stallseite. Gentechnikfreies Futter ist vorgeschrieben.

Haltungsform 4: Premium
bietet den meisten Platz im Stall. (Beispiel Schwein: 1,5 Quadratmeter mindestens). Die Tiere haben Zugang zu Auslauf im Freien und bekommen gentechnikfreies Futter.

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