Ausschnitt aus dem Webcomic "Lücken - eine (bio)grafische Spurensuche" von Julia Pierzina und Jakob Hinrichs (Foto: Julia Pierzina und Jakob Hinrichs)

Webcomic soll Jugendlichen Holocaust erklären

  02.10.2022 | 10:10 Uhr

Das Thema Holocaust ist für viele junge Menschen weit weg, selbst wenn es um jüdisches Leben in ihrer Heimatstadt geht. Um Jugendliche und junge Erwachsene für das Thema zu sensibilisieren, hat die Landeshauptstadt Saarbrücken nun einen Webcomic herausgebracht.

Friedel Heilbronner und Ladislaus Gray – anhand der Lebensläufe dieser beiden Saarbrücker soll jungen Menschen im Webcomic "Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche" das Schicksal jüdischer Menschen zur NS-Zeit im Saarland anschaulich vermittelt werden. Der Comic dient als Vermittlungsprojekt zum "Band der Erinnerung", einem Denkmal für die deportierten und ermordeten saarländischen Jüdinnen und Juden.

Friedel Heilbronner und Ladislaus Gray

Die Handlung ist zwar angelehnt an die Biografien von Friedel Heilbronner und Ladislaus Gray, sie enthält jedoch auch fiktionale Elemente. Friedel Heilbronner ist die Schwester von Max Oppenheimer, später Ophüls, und Tochter des jüdischen Kaufmanns Leo Oppenheimer, der in der Saarbrücker Bahnhofstraße das Textilgeschäft Bamberger & Hertz gründete.

Der Comic erzählt, auf welchen Wegen der Familie von Friedel Heilbronner 1933 die Ausreise nach Frankreich gelang und wie sie 1941 angesichts der Verfolgung weiter nach Argentinien fliehen konnte.

Anhand des Lebenslaufs des jüdischen Fußballprofis Ladislaus Gray verdeutlicht der Webcomic, wie die Lebensumstände für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger durch Rassengesetze und antisemitische Hetze im Nationalsozialismus zunehmend schwieriger wurden. Gray wurde als junger Mann als Fußballtrainer aus Ungarn nach Dudweiler geholt. Nachdem er im Winter 1939 seine Anstellung und daraufhin seine Wohnung verlor, starb er kurze Zeit später in einem jüdischen Krankenhaus in Frankfurt am Main.

Zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Die Handlungsstränge wechseln zwischen der Gegenwart und der Zeit des Nationalsozialismus. Über Abbildungen verschiedener zentral gelegener Saarbrücker Straßen und Plätze, die sowohl dem heutigen als auch dem damaligen Stadtbild entsprechen, geht der Webcomic auf historische Spurensuche. Der Platz vor der Saarbrücker Synagoge und das neue Denkmal "Band der Erinnerung" stellen die Ausgangspunkte der Zeitreise dar.

Der Webcomic "Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche ist auf der Internetseite der Stadt Saarbrücken zu finden unter erinnern.saarbruecken.de/webcomic. Gestaltet hat ihn das Kulturamt der Stadt in Zusammenarbeit mit dem K8 Institut für strategische Ästhetik und dem Illustrator Jakob Hinrichs, basierend auf biografischen Daten aus den Landesentschädigungsakten.

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