Werner Eckert (Foto: SWR/Kristina Schäfer)

"Viele falsche Vorstellungen zu dem Hoffnungsträger Wasserstoff"

Das Interview führte Gerd Heger   29.06.2022 | 12:54 Uhr

Bei Wasserstoff denken viele Menschen an eine mögliche Alternative für herkömmlichen Treibstoff. Doch ein Auto damit zu betanken, wäre alles andere als sinnvoll, erklärt ARD-Experte Werner Eckert im Gespräch mit dem SR. Wasserstoff hierzulande zu produzieren, sei zudem nicht einfach. Auf lange Sicht werde man ihn importieren müssen.

SR: Bei Wasserstoff denken viele Leute an einen Ersatz für Benzin. Die Vorstellung: Dann fahren alle Autos eben mit Wasserstoff statt Benzin. Grundsätzliche Frage: Was verstehen denn diese Hoffenden unter Wasserstoff und was ist es wirklich?

Werner Eckert: Wasserstoff ist der Sekt der Energiewende, hat mal einer gesagt. Es ist aber keine Energiequelle. Das kann man nicht ausbuddeln wie Kohle, Öl und Gas und dann verbrennen. Es ist eher so eine Art Energieträger, in dem man Energie speichern kann, vergleichbar mit einer Batterie.

SR: Dennoch kann es Autos in Fahrt bringen. Wie funktioniert das dann?

Werner Eckert: Man kann das auf verschiedene Arten machen. BMW hat das schon mal so gemacht, dass ein ganz konventioneller Verbrennermotor mit Wasserstoff gefahren ist. Das hat zwar nicht so super gut funktioniert, ist aber theoretisch denkbar.

Vor allem sind aber Brennstoffzellen der Antrieb, der mit Wasserstoff verbunden ist. Das ist im Grunde ein Elektroauto, bei dem man einen Stromerzeuger mit an Bord hat. Also ein E-Auto mit einer Batterie und zusätzlich hat man diese Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betankt wird und die Strom permanent nachliefert.

Schließlich kann man aus Wasserstoff mit Hilfe von zusätzlichem CO2 und viel Energie die E-Fuels herstellen, also einen künstlichen Sprit, der zumindest auf dem Papier CO2-frei ist. Damit kann man schlicht und einfach jeden Verbrenner fahren.

SR: Da stellt sich doch die Frage: Wo wird denn jetzt eigentlich Energie gespart bei Wasserstoff?

Werner Eckert: Man spart überhaupt keine Energie dabei. Aber man kann Wasserstoff grün erzeugen, mit Hilfe von Solarenergie, Windenergie oder Wasserkraft - also CO2-freien Energien - per Hydrolyse. Das ist die grüne und klimaschützende Idee dahinter. Das ist aber nicht ganz unaufwendig.

Man braucht den Wasserstoff in dem Energiewende-Szenario erst einmal für ganz andere Zwecke wie zum Beispiel die Stahlindustrie. Die kann keinen Stahl erzeugen, wenn sie keinen Wasserstoff hat. Die Chemieindustrie braucht Methan, das man aus Wasserstoff herstellen kann, als Rohstoff für ihre Produktion. Da gibt es überhaupt keine Alternative.

Was hat es mit dem Hoffnungsträger "Wasserstoff" auf sich?
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heeger (c) SR, 29.06.2022, Länge: 04:05 Min.]
Was hat es mit dem Hoffnungsträger "Wasserstoff" auf sich?

Und im Verkehrssektor die Flugzeuge. Da kann man auf lange Sicht überhaupt keine Batterien als Antrieb sehen. Da wird man E-Kerosin brauchen, also das künstlich hergestellte CO2-freie Kerosin.

Diese drei Verwendungen sind so gigantisch, dass man vermutlich allen Wasserstoff, den man herstellen und kaufen kann, braucht. Das wird auch nicht reichen, vermutlich. Deswegen sind die Vorbehalte so groß, dass man diesen wertvollen Wasserstoff in einem simplen Verbrennungsmotor oder normalen Auto verbrennt.

SR: Sollte sich das Saarland denn als Wasserstoffregion positionieren ihrer Meinung nach? Sie haben ja gesagt, dass man ganz viel davon braucht.

Werner Eckert: Also um Wasserstoff zu erzeugen, braucht man ganz ganz viele Windräder oder Solaranlagen. Sonst sehe ich im Saarland keine Chance, wo die alternative Energie dafür herkommen soll. Das heißt, wer von Wasserstoff redet und ein Wasserstoff-Land werden will, der muss alternative Stromenergien erstmal aufbauen. Das ist ja oft nicht so einfach, wenn es beispielsweise Gegenwind von der Bevölkerung gegen neue Windräder gibt.

Deshalb ist es übrigens auch ineffizient an E-Fuels oder Wasserstoff für Autos zu denken. Mit einem Batterie-Auto kommt man fünf bis sieben mal weiter als mit E-Fuels. Das bedeutet, ich brauche fünf bis sieben mal mehr Windräder, um die gleiche Verkehrsleistung zu sichern, wenn ich auf E-Fuels setze.

Am Ende ist glaube ich die Hoffnung, dass Wasserstoff der Energieträger ist, den man international auch wird handeln können, mit all seinen Derivaten wie Ammoniak und Methan, die man aus Wasserstoff herstellen kann. Sodass man zusätzlich zu den Erneuerbaren Energien im Land und einer kleinen Wasserstoffproduktion auch sehr viel Wasserstoff in anderen Ländern einkaufen kann, so wie wir heute Kohle, Öl und Gas einkaufen.

Wir sind Importland und werden auch weiter einen Teil der Energie aus anderen Ländern, in denen bessere Bedingungen, etwa für Solarstrom, herrschen, importieren müssen.

Das komplette Interview wurde gesendet in der Region am Nachmittag am 29.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle. Die hier verschriftete Version ist leicht gekürzt.

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