Durch die anhaltende Trockenheit ist der Wasserspiegel in vielen Gewässern stark gefallen. (Foto: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Umweltverbände sorgen sich um das Wasser im Saarland

Martina Kind   06.08.2022 | 08:33 Uhr

Von Wasserknappheit will das saarländische Umweltministerium nichts wissen. Für den Nabu und BUND Saar ist das unverständlich. Denn die Folgen des Klimawandels seien schon jetzt deutlich im Saarland zu spüren: Gewässer seien ausgetrocknet, Bäume kämpften ums Überleben. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Vor gut einer Woche versicherte die saarländische Umweltministerin Petra Berg (SPD), dass es trotz der anhaltenden Trockenheit infolge der Hitze keinen Wassermangel im Saarland gebe. Im Gegenteil: Es bilde sich jedes Jahr mehr Grundwasser, als verbraucht werde. Anders als im saarländischen Nachbar-Département Moselle und im Rest Frankreichs, wo am Samstag ein Krisenstab eingerichtet wurde, seien Maßnahmen zum sparsamen Umgang mit Wasser nicht nötig.

Karsten Rinke zur Wasserknappheit im Saarland
Audio [SR 3, Dorothee Scharner, 06.08.2022, Länge: 06:21 Min.]
Karsten Rinke zur Wasserknappheit im Saarland

Fragt man bei den Landesverbänden der Natur- und Umweltschutzorganisationen nach, zeichnet sich dagegen ein gänzlich anderes Bild der Lage ab. Man sei denn auch "mehr als irritiert" von den fragwürdigen Äußerungen der Umweltministerin. Der Generalsekretär der Saar-Grünen, Torsten Reif, heißt diese gar zynisch.

Denn die "jüngsten" Zahlen zur Grundwasserneubildung im Saarland stammten aus dem Jahr 1995. Aktuellere Daten gebe es nicht – obschon sie vonseiten des Umweltministeriums immer wieder angekündigt wurden. Dass sich seit mehr als 25 Jahren, innerhalb derer es mehrere Rekordsommer gab, im Saarland nichts geändert haben soll, während der Grundwasserspiegel im benachbarten Rheinland-Pfalz seit der Jahrtausendwende um 25 Prozent gesunken ist, entbehre jeglicher Logik.

Ausgetrockene Gewässer

Vielmehr beobachte man im Saarland Folgendes: "Feuchtgebiete trocknen aus, Quellen und kleine Bäche fallen trocken, die Tiere der Fließgewässer leiden unter den hohen Wassertemperaturen und der unzureichenden Verdünnung der Abwässer aus Kläranlagen", sagt der Gewässerökologe Adam Schmitt, der auch die Landesverbände des Naturschutzbundes (Nabu) und Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) berät.

Man müsse beim Grundwasser unterscheiden zwischen Tiefengrundwasser und oberflächennahem Grundwasser, ergänzt der Landesvorsitzende des BUND Saar, Christoph Hassel. Das Tiefengrundwasser für die Trinkwasserversorgung bilde sich über Jahrzehnte und noch länger. "Die Aussage, dass im Jahr 2022 mehr gebildet als verbraucht wird, ist unserer Ansicht nach also unseriös", so Hassel.

Richtig sei zwar, dass es derzeit keine Trinkwasserknappheit gebe. "Aber wie sieht es aus, wenn sich die Dürrejahre der Vergangenheit in Zukunft als die Regel erweisen und sich auch in den Wintermonaten die Niederschläge reduzieren und die Defizite nicht ausgleichen können?"

Fische sterben

Beim oberflächennahem Grundwasser sei die Situation schon jetzt alarmierend. "Im Gegensatz zum Tiefengrundwasser, das unterschiedliche geologische Schichten durchfließt, ist das oberflächennahe Grundwasser in den letzten Jahren im heftigen Dauerstress", erklärt Hassel. Bei der Saar, dem Bostalsee und Losheimer Stausee sei das Niedrigwasser nicht erkennbar, da sie aufgestaut seien – anders aber bei der Nied, Prims, Blies und noch deutlicher bei den kleineren Gewässern.

"Das hat massive Auswirkungen auf Lebensgemeinschaften und somit auch auf die Zielerreichung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Wenn dann noch Spülstöße durch Starkregen und beziehungsweise oder Verunreinigungen aus der Kanalisation mit hoch belastetem Wasser hinzukommen, können ganze Gewässerabschnitte biologisch kippen." Eine Folge davon sei das Fischsterben, wozu es auch unlängst in der Blies in Neunkirchen gekommen ist.

Bäume im Stress

Doch nicht nur die Lebensgemeinschaften in den Gewässern und den Auen seien bedroht, sondern auch die im Saarland heimischen Laubwälder. So nehmen die Trockenschäden im Wald aufgrund des Wassermangels infolge der Hitze- und Dürreperioden in besorgniserregendem Ausmaße zu.

Eigentlich trockenfeste Baumarten wie die Buche und Eiche kommen inzwischen an ihre Grenzen. Schädlinge haben bei geschwächten Bäumen leichtes Spiel: Der Borkenkäfer etwa vermehrt sich bei Trockenheit massenhaft und bedroht die Fichtenbestände. Im Saarland ist der Anteil an gefälltem Schadholz in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, Schuld daran waren insbesondere Insekten.

Handeln geboten

"Statt sich auf einer Insel der Glückseligen zu wähnen, wäre man im Saarland angesichts der dramatischen Auswirkungen, die wir schon jetzt zu spüren bekommen, besser beraten, schnellstmöglich zu handeln", fordert Schmitt. Dafür seien zum einen endlich verlässliche Daten zur Grundwasserneubildung notwendig. Diese seien von den Umwelt- und Naturschutzverbänden als auch den Saar-Grünen über Jahre hinweg immer wieder eingefordert worden.

"Ungeachtet dessen wären entsprechende Vorgaben auch ohne weitere Studien schon morgen umzusetzen. Wenn wir warten, bis sich der Klimawandel im Saarland bei unserem Trinkwasserdargebot zeigt, ist es womöglich schon viel zu spät", so Hassel.

Im Gegensatz zu Deutschland habe sich Frankreich der Hitze-, Dürre- und Niedrigwasserproblematik schon vor Jahren verstärkt angenommen und konkrete Überlegungen zu Gegenmaßnahmen angestellt. "Man könnte sich einfach vorliegender Grundlagen bedienen, anstatt auf einen künftigen Masterplan Wasser für das Jahr 2023 zu verweisen, den es schon längst geben sollte."

Damit dieser überhaupt Bestand habe, sei es wichtig, alle Kräfte zu bündeln. "Man muss alle Akteure an den Tisch bringen, und das möglichst schnell." Das Thema Landschaftswasserhaushalt müsse neu gedacht werden. Dazu gehöre auch, unseren derzeitigen (Trink-)Wasserverbrauch auf den Prüfstand zu stellen.

Was man selbst tun kann

Saarländerinnen und Saarländer müssen aber nicht auf Vorgaben des Umweltministeriums warten, sondern können auch selbst tätig werden, indem sie ihren eigenen Wasserverbrauch hinterfragen und entsprechend reduzieren. Gewässerökologe Schmitt gibt zudem folgende Tipps:

  • Verzicht auf Flächenversiegelung und auf hitzefördernde Schottergärten
  • Verzicht auf empfindliche Gewächse mit hohem Wasserbedarf
  • Anlage von Zisternen und Nutzung von Regenwasser im Garten
  • Versickerung von Regenwasser, wo immer dies geht

Es sei zwar wünschenswert, wenn Menschen eigenständig auf ihren Verbrauch achteten und sparsam mit Wasser umgingen. "Das ist aber schwer zu vermitteln, wenn auf Landesebene offensichtlich die Parole ausgegeben wird: Bei uns ist alles gut, ihr könnt auch weiterhin eure Swimmingpools befüllen und den englischen Rasen wässern", beklagt Hassel.

Wasserreserven seit Juni aufgebraucht
Saar-Wald leidet unter Hitze und Trockenheit
Schadpilze und Schädlingsbefall – dagegen kämpfen Bäume in den saarländischen Wäldern jedes Jahr. Für gesunde Bäume kein Problem, aber aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Hitze sind die Bäume geschwächt und können sich kaum zur Wehr setzen. Wassermangel verschärft das Problem.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.08.2022 berichtet.

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