Ein positives Testergebnis bei einem Covid-19-Schnelltest (zwei Linien) in einer Teststation eines Gesundheitsamts. (Foto: picture alliance/Vincent Jannink/ANP/dpa)

Was bringen Corona-Schnelltests?

Ulrike Heimes (NDR) / Onlinefassung: Laura Heckmann   20.10.2020 | 19:22 Uhr

Pünktlich zur Erkältungssaison steigen auch die Coronafallzahlen wieder an. Damit Infektionsketten nicht außer Kontrolle geraten, müssen Infizierte schnellstmöglich erkannt werden. Neue Schnelltests könnten Abhilfe schaffen.

Die zweite Coronawelle ist da. In Krankenhäusern werden verschiebbare Eingriffe wieder abgesagt, um Betten für Coronapatienten frei zu halten. Um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten, wird zurzeit viel getestet. Das Problem: Die Erkältungssaison hat begonnen und die Symptome einer Covid-19-Erkrankung können kaum von harmlosen Erkältungssymptomen unterschieden werden.

Wöchentlich müssen in Deutschland mehr als eine Million Tests ausgewertet werden. Nicht selten dauert es mehrere Tage, bis ein Ergebnis vorliegt – denn die Labore kommen mit dem Testen kaum nach. „Wir wissen nicht so richtig, wie wir das schaffen sollen. Zumal wir auch sieben Tage die Woche durcharbeiten. Und das ermüdet meine gesamte Mannschaft“, erklärt Dr. Thomas Fenner, Labormediziner aus Hamburg.

Testergebnis nach 15 Minuten

In dieser angespannten Lage schauen viele voller Hoffnung auf die neuen Corona-Antigen-Tests. Mehrere Firmen haben solche Tests entwickelt. Sie liefern ein Ergebnis schon nach 15 Minuten. Auch hierfür muss – wie beim herkömmlichen PCR-Test – ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht werden.

Der übliche PCR-Test erkennt Teile des Genmaterials (RNA), das für das Coronavirus typisch ist. Dafür muss der Abstrich in ein Labor geschickt werden und dort mehrere Stunden verschiedene Testzyklen durchlaufen. Mit diesem Verfahren können auch geringe Mengen des Virus nachgewiesen werden.

Zwei Striche gleich positiv

Der Antigen-Schnelltest funktioniert anders. Er erkennt spezifische Oberflächenproteine des Virus, sogenannte Antigene. Zudem ist er überall einsetzbar, vergleichbar mit einem Schwangerschaftstest. Der Abstrich wird zunächst in eine Trägerflüssigkeit gesteckt und anschließend auf eine Testkartusche getropft. In der Testflüssigkeit sind spezielle Antikörper, die ein Farbmolekül tragen. Enthält der Abstrich Coronaviren, verbinden sich die Antikörper aus dem Test mit den Viren. Diese Verbindung wird als Strich im Testfeld sichtbar. Der zweite Strich zeigt an, dass der Test funktioniert hat.

„Der Antigen-Test wird dazu geeignet sein, hoch infektiöse Patienten schnell vor Ort zu identifizieren“, meint Prof. Johannes Knobloch, Krankenhaushygieniker am UKE in Hamburg. „Immer wenn es erforderlich ist, sofort zu wissen, besteht zum Beispiel für die anderen Menschen, die mit dieser Person in Kontakt kommen, eine besonders hohe Gefahr, sich anzustecken. Dort sind diese Tests sehr gut geeignet.“ Dazu gehören zum Beispiel Alten- und Pflegeheime, aber auch Notfallambulanzen.

Einsetzbarkeit beschränkt

Derzeit werden die verschiedenen Antigen-Tests im Auftrag des Robert-Koch-Instituts auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Klar ist: Antigen-Schnelltests sind grundsätzlich weniger empfindlich als die herkömmlichen PCR-Tests. „Wenn man sich gerade frisch infiziert hat und die Viren sich anfangen zu vermehren, da schlagen die Antigen-Tests eben noch nicht an. Die schlagen an, wenn man infektiös ist, das heißt, das Virus auch schon übertragen kann und andere infizieren kann“, erklärt Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am BNI in Hamburg. „Das ist hilfreich, aber dadurch ist eben die Einsetzbarkeit dieser Antigen-Schnelltests auf bestimmte Situationen und Bereiche beschränkt.“

Auch die Schnelltests dürfen nur von medizinischem Personal durchgeführt werden. Einen Test für zuhause, wird es – zumindest vorerst – nicht geben.

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