Wanderarbeiter klagen gegen einen saarländischen Biohof (Foto: SR)

Wanderarbeiter und Biohof einigen sich auf Vergleich

Niklas Resch   16.10.2019 | 12:49 Uhr

Der Rechtsstreit um nicht gezahlte Löhne von rumänischen Wanderarbeitern auf einem Biohof in Losheim ist beendet. Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleichsvorschlag der Richterin am Arbeitsgericht.

Der Losheimer Markushof zahlt jetzt auch einem zweiten ehemaligen Beschäftigten rund 1500 Euro. Der Rumäne bekommt damit ungefähr die Hälfte von dem, was er gefordert hatte. Bereits im vergangenen Dezember hatte sich seine Ehefrau mit dem Biohof ebenfalls auf eine Zahlung von 1500 Euro geeinigt.

Streit um Lohn und Schaden

Einigung bei Streit um Löhne für rumänische Wanderarbeiter
Audio [SR 3, Niklas Resch, 16.10.2019, Länge: 00:47 Min.]
Einigung bei Streit um Löhne für rumänische Wanderarbeiter

Der SR hatte zuvor darüber berichtet, dass das Ehepaar im vergangenen Jahr mehrere Monate auf dem Hof gearbeitet – und dafür nach eigener Auffassung weniger Geld erhalten hatte als vereinbart. Als sie ihren Lohn einforderten, seien sie rausgeflogen.

Der Geschäftsführer des 450-Kühe-Milchbetriebs bestritt die Darstellung. Er warf dem Ehepaar stattdessen vor, Kühe mehrfach schlecht behandelt zu haben. Unter anderem dadurch sei dem Hof ein Schaden über insgesamt fast 10.000 Euro entstanden. Mit dem Vergleich verzichtet der Landwirt jetzt auf Schadenersatzforderungen.

Ehepaar konnte auch Kindergeld beantragen

Unterstützt wurden die Rumänen bei dem Rechtsstreit durch die Beratungsstelle für Wanderarbeiter der Arbeitskammer. Wie Projektleiter Egbert Ulrich dem SR mitteilte, konnte man dem Ehepaar auch noch auf anderer Ebene helfen. Durch korrekte Arbeitsverträge sei es gelungen, ihnen zustehendes Kindergeld rückwirkend zu beantragen. Vor kurzem seien so insgesamt 4.500 Euro überwiesen worden.

Laut Arbeitskammer erleben die Berater ständig solche oder ähnliche Schicksale, bei denen Arbeiter um ihren Lohn, Urlaubsgeld oder sonstige ihnen zustehende Leistungen betrogen würden. Häufig werde ausgenutzt, dass die Menschen, die vor allem aus dem Ausland kommen, ihre Rechte nicht genau kennen würden.

Die Beratungsstelle Wanderarbeiter existiert seit knapp anderthalb Jahren. In diesem Zeitraum wurden den Angaben zufolge rund 470 Menschen beraten. 

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 16.10.2019 berichtet.

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