Baumängel und kaltes Wasser in einem Wallerfanger Mietshaus - die Mieter Streiten mit dem Vermieter (Foto: SR)

Mieter seit Wochen ohne Warmwasser

Niklas Resch   24.07.2020 | 12:15 Uhr

In einem Wallerfanger Mietshaus sind zehn Wohnungen seit über zwei Wochen ohne Warmwasser. Der Strom für die Warmwasserzubereitung wurde für die Mieter ohne Vorwarnung abgestellt. Der Mieterbund fordert gesetzliche Neuregelungen, damit Mieter in solchen Fällen besser geschützt sind.

Warmes Wasser für die Dusche – für Marianne Ibald und Tobias Würzbach kommt das aktuell nur noch aus einem schwarzen Camping-Duschsack. 20 Liter, in der Sonne aufgeheizt. Seit über zwei Wochen kommt aus der Leitung in dem Wallerfanger Mietshaus kein warmes Wasser mehr. Der Grund: eine Warmwassersperre.

Video [aktueller bericht, 24.07.2020, Länge: 4:08 Min.]
Streit wegen eines Mietshauses in Wallerfangen

Mieter haben Abschläge bezahlt

Unverschuldet in der Stromsperre
Audio [SR 3, Linda Grotholt, 24.07.2020, Länge: 03:13 Min.]
Unverschuldet in der Stromsperre

Für Tobias Würzbach kam das völlig unvermittelt. „Da kam wohl einer vom Energieversorger und hat dann beim Nachbarn geklingelt, er würde gerne Zähler ablesen. Haben wir uns nichts bei gedacht. Abends ist einem Nachbarn dann aufgefallen, dass kein warmes Wasser mehr da ist." Ein Check im Keller ergab: Die Zähler waren gesperrt.

Alle zehn Wohnungen in dem Neubau am Ortsrand von Wallerfangen sind betroffen. Dabei haben die Mieter haben nach eigenen Angaben ihre Abschläge bezahlt. Einige Kontoauszüge konnte der SR auch einsehen.

Höhepunkt in langem Streit

Die Warmwassersperre ist der Höhepunkt in einem monatelangen Streit zwischen Mietern und Vermieter. Die Mieter beklagen, dass viele Mängel in dem Neubau einfach nicht behoben werden. Ob Stolperfallen im Treppenhaus, Schimmel und Wasserflecken an den Wänden. Oder aber Glaswände im Bad, die bei Einzug schriftlich versprochen wurden, und immer noch nicht da sind. Für Marianne Ibald ist das die größte Beeinträchtigung. „Wie haben halt keine Duschwände und das seit Oktober letzten Jahres. Das ist tatsächlich eine sehr unangenehme Sache.“

Wegen der vielen Mängel haben Ibald und Würzbach die Miete schrittweise gemindert, nach Rücksprache mit ihrem Anwalt um mittlerweile um 30 Prozent. Regulär zahlen sie für ihre 83-Quadratmeter-Wohnung 1.085 Euro warm. Sie finden, bei dem Preis kann man eine Wohnung ohne Mängel verlangen.

Vermieter fordert Rückstände nach

Auch andere Mieter haben ihre Zahlungen gemindert. Der Vermieter akzeptiert die Minderungen aber nicht und zweifelt die Mängel an. Anfang Juli wurden die Mieter in einem Schreiben, das dem SR vorliegt, aufgefordert, die „Mietrückstände“ nachzuzahlen. Bei Tobias Würzbach und Marianne Ibald sind das über 2.000 Euro. Wenige Tage später war dann das warme Wasser weg. Die Mieter vermuten einen Zusammenhang. Denn direkt nach der Sperre, erzählt Tobias Würzbach, hätten die Mieter den Vermieter angerufen: „Der war eher unfreundlich und hat gemeint wir sollen Mietrückstände zahlen, dann wird das Wasser wieder angestellt.“

Die Mieter fühlen sich erpresst. Was sie erst im Nachhinein erfahren: Der Vermieter hat ihre Abschläge nicht an den Energieversorger Energis weitergegeben. Das Unternehmen teilte dem SR mit, dass der Vermieter seine Rechnungen seit Monaten nicht bezahlt hat. Warum, bleibt unklar, denn der Vermieter hat sich auf SR-Anfrage nicht geäußert.

Anzeige wegen Nötigung

Dass die Mieter von der Sperre vorab nichts erfahren haben, ist nach Angaben von Energis formal korrekt. Justiziar Christoph Morguet  bestätigte dem SR, dass in solchen Fällen nur der Vermieter als Vertragspartner informiert wird.

Um wieder warmes Wasser zu bekommen, wollten die Mieter in Wallerfangen sogar die ausstehenden Zahlungen übernehmen. Aber auch das ist laut Morguet gesetzlich nicht möglich. Das ginge nur, wenn der Vermieter zustimmt – und der habe auf den Vorschlag nicht reagiert.

Die Mieter haben den Vermieter jetzt wegen Nötigung angezeigt. Außerdem versuchen sie per einstweiliger Verfügung zu erreichen, dass die Sperre beendet wird und sie wieder warmes Wasser haben. Bisher ohne Erfolg.

"Das ist unzumutbar"

Beim saarländischen Mieterbund ist der Fall bekannt. Der Vorsitzende Kai Werner fordert im SR-Interview neue Gesetze, damit solche Verfahren in Zukunft schneller vor Gericht geklärt werden können. Denn im Moment müssten Mieter im Schnitt mehrere Wochen bis zur Klärung warten. „Wenn wir uns den Fall jetzt mal im Winter vorstellen, wo führt das hin?", fragt Werner. "Die Mieter dürfen da nicht wochenlang ohne Warmwasser sein. Das ist unzumutbar.“

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem. Der Datenschutz des Vermieters schlägt an dieser Stelle den Mieterschutz und sein Recht auf elementare Versorgung wie Warmwasser. Energis-Justiziar Morguet hat ebenfalls eine Idee für eine Gesetzesänderung: Bei drohenden Stromsperren sollten Mieter vier Wochen vorher informiert werden dürfen. „Dann werden Mieter zumindest nicht kalt erwischt und haben wenigstens etwas Zeit, um sich um eine Lösung zu kümmern.“ 

Auf neue Gesetze wollen Marianne Ibald und Tobias Würzbach in ihrer Wallerfanger Mietswohnung nicht warten. Kein Warmwasser, dazu die Streitigkeiten wegen der Mängel: Die beiden wollen raus aus der Wohnung und suchen eine neue Bleibe.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Mittag auf SR3 Saarlandwelle vom 24.07.2020 berichtet.

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