Ein Elektroauto lädt an einer Wallbox in der heimischen Garage (Foto: IMAGO / Martin Bäuml Fotodesign)

Wie gut ist das Saarland auf Elektromobilität vorbereitet?

Anne Staut   21.01.2022 | 18:55 Uhr

Die Nachfrage nach Lademöglichkeiten für E-Autos steigt. Für einen kompletten Umstieg auf Elektromobilität im Saarland ist ein Großteil der Stromnetze nach SR-Recherchen derzeit aber noch nicht gerüstet. Die Stromnetzbetreiber fordern unter anderem eine intelligente Steuerung des Netzes, um eine Überlastung zu verhindern.

Die Nachfrage nach Ladestationen für Elektroautos in saarländischen Privathaushalten ist gestiegen. Das hat eine Umfrage des SR unter den Stromnetzbetreibern im Saarland ergeben.

Mehr Anmeldungen bei Netzbetreibern

Bei allen der elf teilnehmenden Netzbetreiber wurden im Jahr 2021 deutlich mehr Ladestationen angemeldet als noch im Vorjahr. So wurden im Netzgebiet der energis-Netzgesellschaft, an deren Netz rund 220.000 Privathaushalte im Saarland angeschlossen sind, im Jahr 2020 insgesamt 601 sogenannte Wallboxen angemeldet, 2021 waren es 2808.

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Ein möglicher Grund für die höhere Nachfrage: Ab November 2020 konnten Eigentümer, Mieter und Vermieter von Wohngebäuden bei der staatlichen Kfw-Bank Fördergelder für die Neu-Errichtung von Ladestationen erhalten. Ende Oktober 2021 lief das Programm aus, weil die verfügbaren Fördermittel ausgeschöpft waren.

Keine Anträge abgelehnt

Bislang hat keiner der Netzbetreiber einen Antrag für eine Ladestation an einem Privathaushalt grundsätzlich abgelehnt. Mehrere gaben jedoch an, dass bei einzelnen Anschlüssen eine Begrenzung der Ladeleistung gefordert wurde.

Wer eine Ladeeinrichtung installieren möchte, muss diese beim zuständigen Netzbetreiber anmelden. Bei einer Ladeleistung ab 11 kW ist eine Genehmigung durch den Netzbetreiber notwendig. Das geht aus einem Kundenhinweis des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes (VEW Saar) hervor. Demnach haben 95 Prozent eine Leistung von 11kW oder 22kW, wobei der Anteil der 11kW-Ladeeinrichtungen deutlich größer sei.

Geringer Privat-Anteil bei Wallboxen

Auch wenn die Nachfrage gestiegen ist: Insgesamt sind Wallboxen in saarländischen Privathaushalten bislang noch nicht weit verbreitet.

Nach Angaben der Stromnetzbetreiber liegt bei der Mehrheit der Anteil zwischen 0,6 Prozent (Stadtwerke Saarlouis) und knapp über einem Prozent (Gemeindewerke Wadgassen). Höher ist der Anteil lediglich im Netz der Stadtwerke Bliestal GmbH mit rund 1,76 Prozent und der Stadtwerke St. Ingbert GmbH mit etwa 1,93 Prozent.

Kompletter Umstieg möglich?

Die Netzbetreiber gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Elektroautos im Saarland und damit die Nachfrage nach privaten Ladestationen weiter steigen wird. Aber inwieweit sind die saarländischen Stromnetze überhaupt auf den höheren Bedarf durch mehr Elektromobilität eingerichtet? Wäre etwa ein kompletter Umstieg auf Elektromobilität unter den derzeitigen Gegegebenheiten möglich?

Ausbau und Verstärkung

Die Gemeindewerke Wadgassen und die Kommunale Energie- und Wasserversorgung AG Neunkirchen (KEW) beantworten diese Frage für ihre Netze mit einem klaren Nein.

Um einen kompletten Umstieg auf Elektromobilität zu erreichen, müssten im Vorfeld verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, teilten die Gemeindewerke Wadgassen mit.

Auch die KEW sieht Handlungsbedarf. Man müsse beachten, dass die geplante Verdrängung fossiler Energieträger auf dem Wärmemarkt die vorhandenen Netzkapazitäten im Bereich der Stromversorgung auch in nicht geringem Umfang belasten werde.

Damit die elektrischen Netze den zukünftigen Belastungen gewachsen sein werden, werde ein Ausbau beziehungsweise eine Verstärkung notwendig werden.

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Steuerbare Systeme notwendig

Einige wenige Betreiber wie etwa die Stadtwerke Homburg sehen sich zwar für einen kompletten Umstieg auf Elektromobilität in ihrem Netzgebiet grundsätzlich gerüstet. Das habe ein Stresstest des Netzes ergeben. Allerdings sei auch hier noch viel zu tun.

Insgesamt kommen auf die Stromnetzbetreiber beim Umstieg auf Elektromobilität noch einige Herausforderungen zu. Die Netzanschlüsse müssen verstärkt, Netzbereiche ausgebaut werden.

VEW erstellt Übersicht zu Stromnetzen

Mehrere Netzbetreiber sprechen sich zudem dafür aus, dass die Ladestationen durch den Betreiber steuerbar sein müssen, um eine mögliche Überlastung des Netzes zu verhindern. Hier müsse die Politik neue Rahmenbedingungen setzen, damit die Netze umgerüstet werden können.

Nach SR-Informationen erstellt der VEW gerade eine Übersicht zu den Stromnetzen in den Saar-Kommunen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Nachmittag" am 21.01.2022 berichtet.

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