Franz von Papen (Mitte) mit Adolf Hitler (links) am 21. März 1933 an der Potsdamer Garnisonkirche (Foto: dpa-Bildfunk)

Grabstein Franz von Papens gestohlen

Axel Wagner   05.12.2019 | 10:36 Uhr

Die Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ hat offenbar in Wallerfangen den Grabstein des früheren deutschen Reichskanzlers Franz von Papen gestohlen. Nach eigenen Angaben will sie ihn nach Berlin bringen, „um die historische Schuld des deutschen Konservatismus aufzuarbeiten“.

Grabstätte von Papen in Wallerfangen (Foto: SR)
Die Grabstätte von Papens in Wallerfangen vor dem Diebstahl der Platte

Auf Facebook und Twitter veröffentlichte die Gruppe ein Foto der entwendeten 130 Kilogramm schweren Grabplatte. Das saarländische Landespolizeipräsidium hat inzwischen bestätigt, dass die Platte nicht mehr auf dem Wallerfanger Friedhof ist. Ob sie entwendet worden sei, versuche die Polizei zurzeit zu ermitteln, erklärte ein Sprecher.

Zentrum für politische Schönheit: "Der Erfolg gibt ihnen meistens recht"
Audio [SR 2, 04.12.2019, Länge: 03:59 Min.]
Zentrum für politische Schönheit: "Der Erfolg gibt ihnen meistens recht"

Der vormalige Reichskanzler Franz von Papen verhandelte 1932/33 mit Adolf Hitler über eine Koalitionsregierung. Er gilt damit in der Geschichtsforschung als Steigbügelhalter der Nationalsozialisten. In der Regierung, der er zunächst als Minister angehörte, wurde er jedoch schnell entmachtet und trat 1934 zurück. Bei den Nürnberger Prozessen wurde er 1945/46 zwar freigesprochen, später bei der Entnazifizierung 1947 aber zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. 1949 wurde er vorzeitig entlassen und erhielt sein zuvor eingezogenes Vermögen zurück. Nach Wallerfangen war von Papen durch Heirat mit einer von Boch-Erbin 1905 gekommen. Das heutige Gut von Papen gehörte zu ihrem Besitz.

Möglicher Zusammenhang mit Berliner Projekt

Das nimmt das „Zentrum für politische Schönheit“ zum Anlass für seine Aktion. Unklar ist, ob die Aktion im Zusammenhang mit dem Guerilla-Projekt „Sucht nach uns“ steht. Dabei wurde am vergangenen Wochenende in Berlin eine „Gedenksäule“ vor dem Reichstag aufgestellt, die nach Angaben der Gruppe aus der Asche von Holocaust-Opfern bestehen soll. Im Berliner Regierungsviertel planen die Künstler, am kommenden Samstag ein Betonfundament für eine „Widerstandssäule“ zu gießen.


Hintergrund:

Heimatforscher Dr. Peter Winter
Franz von Papen: kein Ehrenbürger

Über das "Zentrum für politische Schönheit"
"Der Erfolg gibt ihnen meistens recht"

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 03.12.2019 berichtet.

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