Elternwohnung in der Villa Regenbogen, Homburg (Foto: Fotoabteilung der Klinik für Neurochirurgie der UKS/R. Koop)

Damit Eltern bei ihren kranken Kindern sein können

Kasia Hummel   10.03.2019 | 08:35 Uhr

Eltern herzkranker Kinder durchleben Gefühlswelten zwischen Hoffen und Bangen, aber auch zwischen Freude und tiefem Schmerz. Trost, Hoffnung und die Nähe zum Krankenbett des Kindes bietet bereits seit 20 Jahren die Villa Regenbogen. Seit der ersten Stunde dabei ist Anette Forsch. Sie ist Hausmutter und blickt zurück – auf Begegnungen, Freundschaften und Schicksale.

Der Verein "Herzkrankes Kind Homburg/Saar" hatte 1999 vor allem ein Ziel: Eltern herzkranker Kinder sollten eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit direkt in der Klinik bekommen können. Mit großem Engagement, viel Geld und mit Empathie entstanden in nur sechs Monaten vier Schlafräume mit insgesamt sieben Betten, eine zentrale Küche und ein Gemeinschaftsbad. Die Villa Regenbogen liegt direkt gegenüber der Frauen- und Kinderklinik und ist somit nur einen Katzensprung vom Krankenbett der Kinder entfernt.

Anette Forsch (Foto: privat)
Anette Forsch

Eine Oase der Ruhe sollte sie sein – und damit das auch gelingt, steht den Eltern täglich Anette Forsch zur Seite. Vom ersten Tag an ist sie Hausmutter der Villa und sieht ihren Job nicht als Beruf, sondern als Berufung. Was zunächst ein Angebot für die Vereinsmitglieder gedacht war, entpuppte sich in den Jahren als segensreiche Einrichtung für viele Elternteile aus mittlerweile 35 Nationen.

Ihre tägliche Arbeit kann Anette Forsch nur schwer beschreiben. „Ich kann keinen Tag fest planen, weil ich nie weiß, welche Patienten jetzt plötzlich vor der Tür stehen.“ Jeder Arbeitstag stecke voller Überraschungen. Ihre Hauptaufgabe sieht sie im sozialen Bereich. „Die Eltern stehen bei mir vor der Tür und sind voller Ängste, was mit ihrem Kind passiert. Dann nehme ich sie hier liebevoll auf und nach einem kurzen Gespräch fällt die Anspannung auch schon ab.“ Zu ihren Aufgaben gehören aber auch Besuche auf Station.

Schicksale, Freude, Leid und Trauer

Die 64-Jährige kann Geschichten erzählen von Schicksalen, Freude, Leid, Trauer aber auch von Dankbarkeit, Glück und Freundschaft. „Ich erinnere mich an ein Elternpaar, dessen Baby keine gute Prognose hatte. Die Chancen standen nicht gut.“ Doch dann kam es ganz anders: Das Baby habe sich gut entwickelt und sei heute ein quicklebendiges Kind. „Solche Sachen freuen einen natürlich“, erinnert sie sich. Oft entstünden dann auch ganz innige Kontakte, es entwickelten sich Freundschaften - auch bei den Eltern untereinander.

Da gibt es aber auch die traurigen Erinnerungen. „Wenn sonntags das Telefon klingelt und ein Elternpaar darum bittet, dass ich komme, weil es nicht gut aussieht, dann nimmt einen das ganz schön mit. Nachdem ich das Elternpaar wochenlang begleitet habe, wollten sie mich auch in dieser schweren Stunde dabei haben.“  

Wie man mit solchen Situationen umgeht, musste die 64-Jährige allerdings erst lernen. Lange Zeit nahm sie die Begegnungen, Situationen und traurigen Momente in den Feierabend. „Mich hat das alles irgendwann so beschäftigt, dass ich nachts nicht mehr schlafen konnte und an die kleinen Patienten dachte. Unter Tränen beschloss ich dann, dass es so nicht weitergehen kann.“

Und so setzte sie sich eine Grenze und betrat beim Verlassen der Klinik eine andere Welt. „Sonst hätte ich das 20 Jahre lang nicht ausgehalten.“ Jeder Patient und jedes Elternpaar habe das Recht darauf, dass ich genauso fit bin wie einen Tag zuvor. „Inzwischen merkt mir keiner an, wenn mich was beschäftigt. Ich komme jeden Tag mit der gleichen Motivation wie vor 20 Jahren. Es gibt keine schlechte Laune.“

Gemischte Gefühle mit Blick auf Ruhestand

Nach 20 Jahren voller Emotionen, Begegnungen und Freundschaften verabschiedet sich Forsch im kommenden Jahr in den Ruhestand. Auf den neuen Lebensabschnitt blickt sie mit einem lachenden und einen weinenden Auge. „Die Eltern werden mir schon fehlen.“ Aber jetzt müsse eine neue Generation nachkommen. Für die Zukunft wünscht sich Anette Forsch, dass die Villa in ihrer jetzigen Form erhalten bleibt – also mit der gleichen Herzlichkeit geführt wird.

Artikel mit anderen teilen