Landgericht Kaiserslautern, Beschriftung  vor dem Eingang (Foto: IMAGO / U. J. Alexander)

Polizistenmord-Prozess: Ermittlerin schildert Vernehmung nach der Tat

  30.06.2022 | 17:54 Uhr

Im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten in der Nähe von Kusel hat der Nebenangeklagte einer Ermittlerin zufolge in einer Vernehmung nach der Tat den Hauptangeklagten für alle Gewehrschüsse verantwortlich gemacht. Zuvor hatte der Hauptangeklagte seinen damaligen Komplizen beschuldigt.

Fünf Monate nach dem vermeintlichen Mord an zwei Polizeibeamten bei Kusel ist der Prozess am Donnerstag vor dem Landgericht Kaiserslautern fortgesetzt worden. Eine Ermittlerin berichtet dabei von der Vernehmung des Nebenangeklagten im Februar.

Schnelle Schüsse

Dieser hätte damals ausgesagt, dass sein Komplize, der Hauptangeklagte, bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle gesagt habe "Wie, Jagdwilderei?", dann habe "es auch schon geknallt", zitierte die Beamtin den Mann. Die Polizistin sei "von der Wucht umgerissen worden".

Auch auf den Kollegen der Polizistin habe der 39 Jahre alte Hauptangeklagte geschossen. Der Nebenangeklagte sagte demnach bei der Vernehmung, er habe zwei Schüsse gehört und einen Schmerzensschrei wahrgenommen.

Hauptangeklagter droht Komplizen

Nach den Schüssen habe der Hauptangeklagte ihm befohlen, nach dessen verlorenen Dokumenten zu suchen und ihm gedroht, er werde ihn "sonst daneben legen". Während der Nebenangeklagte bei der Schilderung seiner Aussagen durch die Beamtin mehrfach nickte, hörte der Hauptangeklagte mit gefalteten Händen zu oder machte sich Notizen.

Als der Richter bei einer Schilderung meinte, der Hauptangeklagte nehme es sehr genau, brauste der 39-Jährige auf. "Herr Vorsitzender, Sie sagen, ich sei ganz genau. Worum geht's denn hier? Es geht ja nicht um zwei Kaugummis."

"Keine erkennbaren Widersprüche"

Eine weitere Ermittlerin sagte, in einer ersten Vernehmung habe der Nebenangeklagte noch am Tattag am 31. Januar drei Stunden lang auf eigenen Wunsch ohne Anwalt ausgesagt. Der 33-Jährige sei nervös, dann aber sachlich gewesen. Man habe ihn als authentisch wahrgenommen. "Es gab für uns keine erkennbaren Widersprüche."

Der Nebenangeklagte äußerte sich am vierten Verhandlungstag erstmals und sagte über die Vernehmung: "Ich bin ordentlich behandelt worden."

Die Polizei hatte kurz nach der Tat auch den Hauptangeklagten vernommen. Der 39-Jährige sei ruhig und freundlich gewesen und habe gedankt, dass die Handfesseln nicht zu fest angezogen seien, sagte ein Ermittler. Zur Sache habe sich der Mann nicht geäußert.

Vorwurf des Mordes

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-jährigen Andreas S. aus dem Saarland vor, eine junge Polizeianwärterin und ihren Kollegen bei einer Verkehrskontrolle erschossen zu haben. S. hatte beim Prozessauftakt, den Mitangeklagten beschuldigt und ihm vorgeworfen, dass er die Polizistin mit einem Schuss getötet habe. Gleichzeitig hatte S. von Notwehr gesprochen.

Die Ermittler gehen von einem Schusswechsel zwischen dem Polizisten und dem Hauptangeklagten aus. Der Polizeikommissar soll dabei seine Dienstpistole leergeschossen haben - ohne den Angreifer zu treffen. Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen. Dem Nebenangeklagten wirft die Anklagebehörde versuchte Strafvereitelung vor. Er soll zwar beim Spurenverwischen geholfen, aber nicht geschossen haben.

Bisher sind vom Landgericht Termine bis zum 9. September vorgesehen - allerdings prüft das Gericht bereits weitere Termine bis zum 19. Oktober.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 30.06.2022 berichtet.

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