Ampullen des Impfstoffes des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson (Foto: picture alliance/dpa/AP | David Zalubowski)

Was der Johnson & Johnson-Impfstoff verspricht

Melina Miller   12.03.2021 | 12:26 Uhr

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat den Impfstoff von Johnson & Johnson offiziell zugelassen. Saar-Wissenschaftler sehen den größten Vorteil des Vakzins vor allem darin, dass es nur einmal verimpft werden muss. Zwischen Ende April und Anfang Mai könnten die ersten Dosen im Saarland ankommen.

Das Mittel des Herstellers Janssen, einer Tochter des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson, ist der vierte Corona-Impfstoff, der in der Europäischen Union zugelassen wurde. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfahl den Einsatz des Mittels für Personen ab 18 Jahren. Im Gegensatz zu den drei weiteren zugelassenen Impfstoffen muss das Mittel mit dem Namen "Janssen Ad26.COV2.S" nur einmal verimpft werden.

Die Wirkungsweise des Vakzins ist dabei im Grunde die gleiche wie die des Impfstoffs von AstraZeneca - beides sind Vektorimpfstoffe. Das heißt, dass mithilfe eines ungefährlichen Trägervirus Teile des Erbmaterials des Coronavirus in die menschliche Zelle übertragen werden, wo sie nachgebaut werden. Das Immunsystem reagiert darauf und bildet Antikörper. Die Stoffe von Biontech/Pfizer beziehungsweise Moderna funktionieren dagegen über eine neuartige mRNA-Technik.

Vorteil durch einmalige Impfung

Dass bei dem Vakzin von Johnson & Johnson trotz der gleichen Wirkungsweise nur eine einzige Impfdosis nötig ist - statt wie bei AstraZeneca zwei - liegt Experten zufolge möglicherweise daran, dass ein anderes Trägervirus verwendet wurde. "Diese Effekte kann man allerdings nicht vorhersehen, das zeigt sich dann in den Studien vor der Zulassung", erklärt Alexandra K. Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes.

Die einmalige Verabreichung habe den großen Vorteil, dass die schwierige Logistik hinter der Erst- und Zweitimpfung wegfalle. Bei Johnson & Johnson müssten beispielsweise keine entsprechenden Dosen für die Zweitimpfung zurückgehalten werden und keine zwei Termine gemacht werden, so Kiemer.

Schwere Verläufe zu 85 Prozent verhindert

Substanzielle Nachteile des Impfstoffs sieht die Expertin nicht. Die Wirksamkeit des Mittels liegt Studien zufolge bei circa 66 Prozent. Das heißt, es kam bei den Geimpften zu drei Mal weniger Infektionen mit Symptomen. Schwere Verläufe konnten zu 85 Prozent verhindert werden. "Das entspricht ungefähr der Schutzwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs", so Kiemer. Bei Johnson & Johnson wird der Impfschutz zudem offenbar besser, je länger die Impfung zurückliegt.

Das Risiko für mögliche Nebenwirkungen des US-amerikanischen Impfstoffs sei mit AstraZeneca vergleichbar. "Wir sehen also auch bei Johnson & Johnson eine stärkere Reaktion bei Jüngeren als bei Älteren. Das hängt auch hier wohl damit zusammen, dass es bei jüngeren Menschen meist eine stärkere Immunantwort gibt als bei älteren Menschen", erklärt Kiemer.

Wirkung bei Mutante B.1.351

Auch der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland schätzt das Vakzin positiv ein - auch, weil es ersten Daten zufolge offenbar gut gegen mittlere und schwere Covid-Verläufe wirke, die durch die Virusvariante B.1.351 aus Südafrika verursacht wurden. Auch bei den anderen Virusvarianten soll der Impfstoff wirken - wenn auch etwas geringfügiger.

"Darüber hinaus erleichtert seine Haltbarkeit bereits bei Kühlschranktemperatur die Verteilung und Anwendung", erklärt Rissland. Diesen Vorteil teile sich der Johnson & Johnson-Stoff mit dem von AstraZeneca.

Lieferdatum frühestens im April

Das könnte laut Prof. Kiemer auch einen Einfluss auf den zukünftigen Einsatz des Vakzins in Hausarztpraxen haben. Die Impfung durch Hausärzte wird derzeit stark diskutiert und soll nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Saarland spätestens ab Ende April möglich sein.

Ob dann bereits auch der Johnson & Johnson-Impfstoff eingesetzt werden kann, ist unklar. Mit den ersten Lieferungen des Vakzins an die EU ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) "frühestens Mitte, Ende April" zu rechnen. Insgesamt hat die EU 200 Millionen Dosen des Vakzins bestellt, rund 36,7 Millionen davon soll Deutschland erhalten.

Das Saarland erhalte dann die Menge an Dosen, die der Bund gemessen an der Einwohnerzahl an das Land verteile, teilte eine Sprecherin des saarländischen Gesundheitsministeriums mit.

Erste Impfeffekte

"Selbstverständlich trägt die Zulassung eines vierten Impfstoffes dazu bei, dass die Knappheit auch im Saarland verringert wird", betont Rissland. Voraussetzung sei allerdings, dass es zu keinem Produktionsausfall, einem Exportstopp aus den USA oder neuen Risikosignalen bei der Anwendung komme. Komme es nicht zu solchen Zwischenfällen, rechnet Rissland Ende April bis Anfang Mai mit ersten Lieferungen ins Saarland.

Aber auch mit den drei bisherigen Impfstoffen sehe man bereits erste positive Impfeffekte im Saarland. Das zeige sich vor allem an den sinkenden Infektionszahlen und stationären Behandlungen der über 80-Jährigen. "Diese positive Entwicklung wird mit steigender Durchimpfungsrate zunehmen", ergänzt der Virologe. 

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