Eine Frau wird von einer Pflegerin betreut (Foto: picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)

Deutlich mehr Tote in Saarbrücker Altenheimen

Thomas Gerber / Onlinefassung: Sandra Schick   16.04.2020 | 09:31 Uhr

Die Zahl der Corona-Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen ist im Regionalverband Saarbrücken deutlich gestiegen. Wie ein Sprecher mitteilte, starben insgesamt 29 Alten- und Pflegeheimbewohner in Folge einer Infektion. Das ist mehr als die Hälfte aller Corona-Todesfälle im Regionalverband.

"Die genaue Zahl der Todesfälle in Seniorenheimen im Land ist unklar."
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger/Thomas Gerber, 16.04.2020, Länge: 04:20 Min.]
"Die genaue Zahl der Todesfälle in Seniorenheimen im Land ist unklar."

Am frühen Mittwochabend meldete der Regionalverband Saarbrücken einen sprunghaften Anstieg der Todeszahlen unter den Altenheimbewohnern. Dort sind inzwischen 29 Heimbewohner an oder vielleicht auch nur mit Corona gestorben. Denn da in der Regel keine Obduktionen durchgeführt werden, bleibt letztlich unklar, ob Covid-19 auch die Ursache für den Tod der oftmals hochbetagten Bewohner war - oder ob es ihre Vorerkrankungen waren.

Viele Fälle in Püttlingen

Ein beträchtlicher Teil der Todesfälle entfällt dabei auf die Seniorenresidenz der Arbeiterwohlfahrt in Püttlingen. Im Haus Viktoria sind inzwischen 16 der rund 100 Bewohner verstorben - neun zusätzliche Todesfälle wurden dem Regionalverband allein am Mittwoch nachgemeldet. Die restlichen 13 Todesfälle im Regionalverband verteilen sich auf fünf weitere Seniorenheime.

Um Infektionen frühzeitig zu erkennen und die Sterblichkeitsrate in den Seniorenheimen zu senken, will die Landesregierung ab kommender Woche flächendeckend alle Bewohner und Mitarbeiter testen. Die Kosten von voraussichtlich einer Viertel Million Euro übernimmt nach SR-Informationen das Land. Dies hat das Kabinett nach SR-Informationen in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen.

Land will 270.000 Euro in Tests investieren

Ein komplette Testreihe für alle rund 20.000 Bewohner und Mitarbeiter der Heime kostet demnach 90.000 Euro. Da sämtliche Bewohner zwei Mal und die Mitarbeiter vier Mal getestet werden sollen, kalkuliert die Landesregierung mit zunächst 270.000 Euro. Aufgrund des gewählten Poolingverfahrens und der anschließend geplanten Antikörpertests könnte sich diese Summe allerdings noch erhöhen.

Normalerweise werden Coronatests aufgrund von Verschreibungen der Hausärzte von den Krankenkassen bezahlt. Diese Vorgehensweise wäre bei den großflächigen Tests in den Seniorenheimen allerdings nicht praktikabel gewesen, da die Heimbewohner unterschiedliche Hausärzte haben und dies zu einem erheblichen logistischen Aufwand geführt hätte.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 16.04.2020 berichtet.

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