Schulklasse ohne Lehrkraft - Symbolbild (Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius)

Quarantäne-Situation unter Lehrkräften spitzt sich zu

Tabea Prünte   23.03.2022 | 12:13 Uhr

An den Schulen im Saarland breitet sich das Coronavirus weiterhin aus - trotzdem sollen laut der letzten Kultusministerkonferenz bis spätestens Mai alle Einschränkungen an Schulen entfallen. Lehrkräfte im Saarland können das nicht nachvollziehen - schon jetzt fallen viele von ihnen coronabedingt aus.

Im Saarland werden weiterhin täglich hohe Corona-Fallzahlen gemeldet - davon sind auch die Schulen stark betroffen. Am Dienstag sind in den Schulen im Saarland 508 Lehrerinnen und Lehrer coronapositiv gewesen, 525 Lehrkräfte waren insgesamt in Quarantäne, wie das Bildungsministerium mitteilt. Die Ausfallquote scheint sich dabei auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Anfang vergangener Woche lag die Zahl der infizierten Lehrkräfte bei 509.

Vertretungsunterricht an vielen Schulen

Ausfälle von Lehrkräften würden grundsätzlich schulintern durch Vertretungsunterricht aufgefangen, so das Ministerium. Sei dies nicht mehr möglich, koordiniere das Bildungsministerium den Ersatz der fehlenden Lehrkräfte, zum Beispiel indem Lehrerinnen und Lehrer anderer Schulen aushelfen oder indem die Stunden der verbleibenden Lehrkräfte vor Ort kurzfristig aufgestockt würden. "Ein tägliches pädagogisches Angebot ist an jedem Schulstandort auf jeden Fall gesichert", heißt es.

An rund zehn Schulen im Saarland - darunter mehrere Grundschulen, eine Förderschule, eine Gemeinschaftsschule, ein Gymnasium sowie eine berufliche Schule - muss der Unterricht einzelner Klassen aktuell auf das Lernen von Zuhause aus verlegt werden, da zu viel Personal ausfalle, gibt das Ministerium an.

Dass besonders viele Lehrkräfte in Grundschulen betroffen sind, begründet die Vorsitzende des saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV) Lisa Brausch damit, dass dort bisher weniger Kinder geimpft seien und es daher zu mehr Coronafällen komme. Doch auch insgesamt sei die Lage mehr als angespannt.

Zu wenig Personal

Der reguläre Schulbetrieb "kann so nicht funktionieren, dafür haben wir zu wenig Personal", sagt Brausch, die selber derzeit an Corona erkrankt und in Quarantäne ist. Die Lehrkräfte sowie auch die Schulleitungen seien "am Limit" aufgrund der "mittlerweile zweijährigen Ausnahmesituation".

Den Schülerinnen und Schülern im Unterricht gerecht zu werden, sei "gar nicht stemmbar". Verstärkt gelte das auch für die Kinder, die nun aus der Ukraine ankommen. Die Schulen seien "absolut überlastet" - die Betreuung werde zwar noch aufrechterhalten, das sei aber nicht mit guter Bildung gleichzusetzen.

Maßnahmen beibehalten

Doch die Situation gehe nicht allein auf Kosten der Bildung der Kinder: "Das geht auch auf Kosten ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung", warnt Brausch. "Auf keinen Fall" dürfe man daher nun die Maßnahmen sowie die Teststrategie herunterfahren, äußert sich Brausch.

Trotzdem hatte die Kultusministerkonferenz dies zuletzt beschlossen. Spätestens bis Mai sollen demnach alle Einschränkungen an Schulen, darunter auch die Maskenpflicht, entfallen. Außerdem soll die Teststrategie eingeschränkt werden. Seit Anfang März gilt an den Schulen im Saarland bereits im Musik- und im Sportunterricht keine Maskenpflicht mehr.

Mit der Änderung des Bundesinfektionsschutzgesetzes zum 20. März entfiel die Grundlage für die Maskenpflicht in Schulen auf bundesrechtlicher Ebene. Zunächst gilt zwar eine Übergangsfrist bis zum 2. April, in der im Saarland die bisherigen Regeln weiterhin gelten. Danach sind Maßnahmen wie die Maskenpflicht nur noch umsetzbar, wenn der Landtag das Saarland zur Hotspot-Region erklären würde.

"System wird zusammenbrechen"

Diese Entscheidung ist für den SLLV nicht nachvollziehbar. Er schließt sich den Forderungen des Verbandes Bildung und Erziehung an, die Maskenpflicht beizubehalten. Anderenfalls "wird das System zusammenbrechen", befürchtet die Vorsitzende Brausch - "oder man muss so ehrlich sein und sagen, man nimmt die Durchseuchung in Kauf."

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 23.03.2022 berichtet.

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