Menschen im Neunkircher Impfzentrum warten darauf, ob sie eine Reaktion auf die Impfung zeigen. (Foto: Felix Schneider/SR)

Viele Sonder-Impftermine nicht wahrgenommen

  16.02.2021 | 13:00 Uhr

Die saarländische Gesundheitsministerin Bachmann hatte am Montag das Nichterscheinen von medizinischem Personal zu Sonderimpfterminen kritisiert. Dem widersprechen die Kassenärztliche Vereinigung und der Saarlouiser Landrat Lauer: Der Grund waren demnach vor allem organisatorische Probleme mit den Terminen.

Medizinisches Personal nimmt Impftermin nicht wahr - eine Einschätzung
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger/Thomas Gerber, 15.02.2021, Länge: 03:25 Min.]
Medizinisches Personal nimmt Impftermin nicht wahr - eine Einschätzung

Rund 200 gesonderte Impftermine für medizinisches Personal gab es am vergangenen Samstag – mehr als die Hälfte davon wurde nach Angaben von Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) allerdings nicht wahrgenommen. Als Ursache vermutet Bachmann Bedenken gegen einen der Impfstoffe. "Wir nehmen bundesweit ein Akzeptanzproblem für den Impfstoff AstraZeneca wahr, hauptsächlich aus dem medizinischem Bereich", so die Ministerin.

KV: Viele Ärzte haben überhaupt keine Einladung bekommen

Dem widerspricht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im Saarland. Nur ein Bruchteil der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sei grundsätzlich skeptisch gegenüber dem Coronaimpfstoff von AstraZeneca, sagte der KV-Vorstandvorsitzender Gunter Hauptmann dem SR.

AstraZeneca: Wirbel um Sonder-Impftermin
Audio [SR 3, (c) SR Janek Böffel , 16.02.2021, Länge: 01:10 Min.]
AstraZeneca: Wirbel um Sonder-Impftermin

Er sieht die Ursache vielmehr in organisatorischen Problemen. Viele Kollegen und Kolleginnen hätten überhaupt keine Einladung zu den Terminen in den drei saarländischen Impfzentren bekommen, so Hauptmann.

Das Impfzentrum in Neunkirchen hat nach SR-Informationen Personen nachtelefoniert, die am Samstag nicht erschienen waren. Offenbar gab es Probleme bei der kurzfristigen Terminvergabe: Einige Ärzte hätten berichtet, vom Impf-Stab des Ministeriums überhaupt keine Einladung bekommen zu haben – anderen hätte man gleich zwei Termine zukommen lassen.

Überlastete Telefonhotline machte Absagen schwierig

Auch der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD) macht die kurzfristige Bekanntgabe der Impftermine und zu lange Wartzeiten in der Coronahotline verantwortlich für die ausgefallenen Termine. Das Gesundheitsminsterium habe Impftermine nur kurzfristig und per SMS mitgeteilt. Andereseits seien Absagen aufgrund der überlasteten Telefonhotline kaum möglich gewesen. Er fordert daher eine Neuorganisation der Terminvergabe für medizinisches Personal.

KV: Impfstoff nicht schlechter

Rissland: AstraZeneca unbedenklich
Audio [SR 1, (c) SR Jessica Ziegler, Christian Balser, 16.02.2021, Länge: 01:41 Min.]
Rissland: AstraZeneca unbedenklich

Seiner Überzeugung nach sei der AstraZeneca-Impfstoff keineswegs schlechter als die beiden anderen zugelassenen von Biontech und Moderna, sagte KV-Vorstandvorsitzender Hauptmann. In einer Pressemitteilung betonte die KV: "Alle Covid-19 Impfstoffe sind wertvoll und unverzichtbar."

Bachmann: Alle zugelassenen Impfstoffe wirksam

Das betonte auch Gesundheitsministerin Bachmann im Landtag. Die vorliegenden Erkenntnisse und Expertenmeinungen zeigten, dass alle zugelassenen Impfstoffe gut und wirksam seien. Daher sei es "kein Wunschkonzert", welcher davon verimpft werde. Bachmann ergänzte, die Empfehlung, Patienten über 65 Jahre nicht mit dem Impfstoff von AstraZeneca zu impfen, habe ausschließlich mit einer nicht ausreichend großen Datengrundlage zu tun.

33.000 Saarländer mindestens einmal geimpft

Landrat Lauer: "Es waren nur organisatorische Probleme, nicht Aktzeptanzprobleme"
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 16.02.2021, Länge: 02:55 Min.]
Landrat Lauer: "Es waren nur organisatorische Probleme, nicht Aktzeptanzprobleme"

Im Landtag kündigte die Ministerin erneut an, bis Ende Juni knapp 500.000 Saarländer zu impfen – sofern die Impfdosen wie geplant geliefert werden.

Im Saarland haben nach Angaben des RKI bislang rund 33.000 Menschen eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, etwa 16.000 davon auch bereits die zweite Impfung. In 96 Prozent der Fälle wurde dabei der Impfstoff von Biontech verabreicht. Bei der Impfquote liegt das Saarland derzeit ungefähr im Bundesschnitt.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 15.02.2021.

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