Denkmalgeschützter Gutshof in Perl-Besch am Moselufer (Foto: Caroline Uhl/SR)

Denkmal verfällt seit Jahrzehnten

Caroline Uhl   27.08.2021 | 06:34 Uhr

Im Perler Ortsteil Besch sorgt ein heruntergekommenes Baudenkmal für Unmut. Der ehemalige Gutshof direkt am Moselufer verfällt seit fast 30 Jahren. Die Behörden haben dem bisher weitgehend untätig zugesehen.

Das Hofhaus mit Mühle aus dem 18. und 19. Jahrhundert gehörte einst zur Abtei St. Maximin Trier. In Besch nennen sie das Anwesen nur den „Schromeshaff“. Von ihm ist aber nicht mehr viel übrig: Dem Haupthaus fehlen Dach und Decken, und überall wächst und wuchert das Grün. Fast nur noch die hohen Mauern rund um das Anwesen lassen sich erkennen.  

Eine Schande, findet Ortsratsmitglied Günter Munhofen (SPD). „Das tut richtig weh“, sagt er dem SR. Schon als Kind in den 1950er Jahren habe er gemeinsam mit seinem Vater das Anwesen besucht. „Da konnte man noch sehen, welche Schätze da waren: Stuckdecken, ein Speisesaal“, erinnert sich Munhofen. Ein richtiges Kleinod sei der Hof gewesen.

Video [aktueller bericht, 27.08.2021, Länge: 4:06 Min.]
Denkmalgeschützter Hof in Besch verfällt

Samt Gerüst übernommen

Dem Verfall ihres „Schromeshaffs“ können die Bescher bereits seit 28 Jahren zusehen. Damals, 1993, wechselte der denkmalgeschützte Gutshof den Besitzer. Ein Luxemburger Investor kaufte ihn und wollte aus dem Anwesen Wohnungen machen, wie er dem SR nun mitteilte. Doch diese Pläne gab er offenbar schnell wieder auf.

Was war passiert? Der Investor gibt an, das Anwesen als Baustelle gekauft zu haben. Der Zustand der Gebäude sei schlecht gewesen, und der Hof habe auch nicht mehr im Originalzustand dagestanden. Andere Personen, die sich damals mit dem Gutshof beschäftigt hatten, bestätigen dem SR diese Darstellung. „Sogar das am Haus anstehende Gerüst war, wie in der notariellen Urkunde beschrieben, im Kaufpreis enthalten“, teilt der Eigentümer dem SR mit.

„Nur Probleme, keine Lösungen“

Denkmalgeschützer Gutshof in Perl-Besch verfällt
Audio [SR 3, Linda Grotholt, 27.08.2021, Länge: 02:51 Min.]
Denkmalgeschützer Gutshof in Perl-Besch verfällt

Wegen Einsturzgefahr und Verstößen gegen den Denkmalschutz legte die Untere Bauaufsicht die Baustelle im Dezember 1993 still. Die Folgezeit sei von einer „generell negativen Stimmungslage“ geprägt gewesen, erinnert sich der Eigentümer. „In jeder Hinsicht gab es nur Probleme und keine Lösungen.“ Aus diesem Grund habe er das Projekt in Besch aufgegeben. Oder anders ausgedrückt: Er überließ sein Eigentum weitgehend sich selbst.

Seitdem ist an dem Hof kaum mehr etwas passiert. Günter Munhofen hat den Zustand des Gutshofs deshalb in diesem Jahr zum Thema im Ortsrat gemacht. Das Gremium forderte die Gemeinde auf, aktiv zu werden. „Ich erwarte und erbitte, dass jetzt endlich die Möglichkeiten – Baugesetzbuch und Denkmalschutzgesetz – ergriffen werden, um hier zu retten, was noch zu retten ist“, verlangt Munhofen.

Wo waren die Behörden?

Bisher haben sowohl Denkmalbehörden als auch die Gemeinde Perl dem Verfall weitgehend tatenlos, mindestens aber vollkommen erfolglos zugesehen. Die Landesdenkmalbehörde begründet ihre Tatenlosigkeit unter anderem mit wechselnden Zuständigkeiten im Denkmalschutz in den letzten 25 Jahren im Saarland.

Die Gemeinde Perl habe zwar verfolgt, dass in Besch eine Ruine liege, sagt der Perler Bürgermeister Ralf Uhlenbruch (CDU). Doch der Eigentümer zahle regelmäßig seine Verbindlichkeiten bei der Gemeinde, und so waren laut Bürgermeister „nur ganz wenige bereit, dann aktiv auch etwas zu machen“.

Suche nach Ideen

Das soll sich nun ändern: Gemeinde und Landesdenkmalamt würden das Gespräch mit dem Eigentümer suchen, kündigt Uhlenbruch an: „Vielleicht gibt es Anregungen, die von der Eigentümerseite kommen.“ Wenn dessen Haltung klar sei, würden die Behörden dann „die weitere Vorgehensweise besprechen“.

Wie weit Gemeinde und Denkmalschützer im Ernstfall bereit wären, für den Erhalt des Gutshofs zu gehen, sagen beide noch nicht. Einen Erhalt auf eigene Faust werde die Gemeinde jedenfalls nicht stemmen können, betont Uhlenbruch.

Der Eigentümer zeigte sich gegenüber dem SR zu Gesprächen mit Gemeinde und Landesdenkmalamt grundsätzlich bereit. Wie eine wirkliche Lösung für den alten Gutshof aussehen könnte – das ist im Vorfeld dieser Gespräche noch vollkommen unklar.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.08.2021 berichtet.

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