Eine Leiche liegt unter einem Bett. (Foto: Pixabay/PublicDomainPictures)

Wenn die Spuren nicht zum Mörder führen

Leonie Rottmann   11.08.2019 | 09:38 Uhr

Im Saarland sind in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 216 Tötungsdelikte polizeilich erfasst worden. Die Ermittler konnten nach Angaben des Landespolizeipräsidiums den Großteil aufklären – immerhin fast sechs Prozent der Verfahren aber wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil keine Spur zum Täter führte. Elf dieser Verbrechen sind daher bis heute ungelöst.

Elf ungeklärte Tötungsdelikte, versuchte oder vollendete, seit 2009 – bis heute weiß niemand, warum Menschen sterben mussten oder wer ihnen das Leben nehmen wollte. Und das, obwohl in allen Fällen Mord- oder Sonderkommissionen gebildet wurden. Ob eine Kommission nach dem Fund einer Leiche gebildet werde, richte sich nach der Sachlage, erklärt Georg Himbert, Sprecher des Landespolizeipräsidiums. „In zehn der elf Fälle lag der Verdacht eines Tötungsdeliktes schon bei der Entdeckung der Tat auf der Hand.“ Entsprechend seien die Mord- oder Sonderkommissionen unmittelbar eingerichtet worden.

Ablauf eines Ermittlungsverfahrens

Beim Fund einer Leiche überprüft die Polizei zunächst, ob der Verdacht besteht, dass es sich um eine Straftat gegen das Leben handelt. Bestätigt sich dieser Verdacht, ist der Täter unbekannt und der Ermittlungsaufwand entsprechend groß, wird in der Regel eine Sonder- oder Mordkommission eingerichtet.

„Dann priorisiert die Polizei dieses Verfahren und es wird Personal von anderen Ermittlungsdienststellen des Landespolizeipräsidiums abgezogen“, erklärt Georg Himbert. Die Ermittler werden demnach für diese Zeit von ihrer Arbeit auf der Stammdienststelle befreit.

Die Spurensuche beginnt am Tatort

„Am Tatort setzt die Polizei die Tatortgruppe für die Spurensuche ein, die für die Aufnahme von Tatorten bei Kapitaldelikten extra ausgebildet und ausgestattet ist.“ Je nach Sachlage könne die Tatortarbeit mehrere Tage dauern.  

Ein Ermittlungsverfahren wird dann von der Staatsanwaltschaft eingestellt, wenn alle erfolgsversprechenden Spuren bearbeitet sind und nicht zur Aufklärung des Falls geführt haben. Aber: „Da Mord nicht verjährt, ist eine nachträgliche Aufklärungsarbeit grundsätzlich immer gegeben“, sagt Himbert. Das Verfahren wird also im Grunde nicht eingestellt, sondern nur ruhend gestellt. Sobald es neue Hinweise auf den oder die Täter gibt, können die Ermittlungen so jederzeit wieder aufgenommen werden. 


Ungeklärte Tötungsdelikte im Saarland


Getöteter Geschäftsmann in Saarbrücken (2013)

Ein 56-jähriger Unternehmensberater aus Saarbrücken wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Obduktion ergab später, dass massive Verletzungen im Kopfbereich und am Oberkörper zum Tod geführt hatten. Die Polizei ging davon aus, dass die Tat in Zusammenhang mit einem versuchten Einbruch in der Nähe steht. Die danach gegründete Mordkommission ging mehreren Hinweisen nach. Unter anderem gab es den Verdacht, dass der Hund des Saarbrückers die Täter gebissen haben könnte.

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Abgelegter Säugling in Kleinblittersdorf (2013)

In Kleinblittersdorf wurde eine Babyleiche im Gebüsch gefunden. Profiler, speziell geschulte Ermittler, gingen davon aus, dass das Kind maximal zwei Stunden nach der Geburt getötet worden war. Sie schätzten, dass die Mutter in einem Radius von drei bis fünf Kilometern um die Fundstelle wohnen würde. Da der Fundort nahe der französischen Grenze lag und dort Plastiktüten mit französischer Aufschrift gefunden worden waren, suchten Polizei und Mordkommission auch im Nachbarland nach den Tätern.

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Getöte Frau aus Neunkirchen-Wiebelskirchen (2017)

Eine 75 Jahre alte Frau ist in einem Einfamilienhaus tot aufgefunden worden. Die Obduktion bestätigte, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelte. Es wurde eine Mordkommission mit 14 Polizeibeamten eingerichtet, die in alle Richtungen ermittelte.

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Tote Französin aus Saarbrücken (2017)

Die Polizei fand in Saarbrücken die Leiche einer 38-jährigen Französin, die erst einige Tage zuvor in der Wohnung eingezogen war. Die Obduktion hatte ergeben, dass sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Zwölf Beamte wurden zu einer Mordkommission zusammengestellt und ermittelten zunächst im persönlichen Umfeld der Frau. Das Opfer soll sich im Drogen- und Rotlichtmilieu bewegt haben.

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Lkw-Fahrer tot in Fahrerkabine gefunden (2018)

Nachdem ein Lkw-Fahrer einer ausländischen Spedition einen Termin zum Beladen nicht wahrgenommen hatte, ließ das Unternehmen das Fahrzeug per GPS orten und schickte einen weiteren Mitarbeiter zur Raststätte Homburg. Dort fand er den 41-jährigen Spediteur an der Raststätte Homburg tot in der Fahrerkabine. Die anschließende Untersuchung der Leiche bestätigte, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelte. Dort wurde „stumpfe Gewalt gegen den Kopf“ als Todesursache festgestellt. Eine Mordkommission mit zehn Beamten nahm die Ermittlungen auf.

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