Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.  (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Müssen Heimbewohner bald bis zu 1000 Euro mehr zahlen?

  19.05.2022 | 20:30 Uhr

Der Sozialverband VdK warnt vor steigenden Kosten für Pflegeheimbewohner im Saarland. Der Eigenanteil könnte nach den Berechnungen des Verbands um bis zu 1000 Euro steigen. Der VdK fordert deshalb, dass die Pflegefinanzierung neu gestaltet wird.

Der Sozialverband VdK befürchtet, dass Pflegeheimbewohner im Saarland bald deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Denkbar sei eine Erhöhung des zu zahlenden Eigenanteils von bis zu 1000 Euro. Derzeit zahlen Heimbewohner mit mehr als 2700 Euro laut VdK bereits den dritthöchsten Eigenanteil im bundesweiten Vergleich.

Mehrkosten von bis zu 1000 Euro erwartet

Grund dafür ist zunächst die Tarifpflicht für Pflegekräfte in Pflegeheimen, die ab 1. September 2022 gelten soll. Durch die gestiegenen Personalkosten rechnet der Verband hier mit Mehrkosten von 500 bis 600 Euro, die auf die Pflegeheimbewohner zukommen.

Betroffen sind davon die Pflegeheime in privater Trägerschaft, die etwa 40 Prozent der Einrichtungen im Saarland ausmachen. In den gemeinnützigen und kirchlichen Einrichtungen werden hingegen bereits Tariflöhne bezahlt.

Allerdings gibt es laut VdK einen weiteren Faktor, der die Kosten in die Höhe treibt. Er betrifft die Einrichtungen aller Träger: steigende Preise für Lebensmittel, Energie- und Treibstoffversorgung sowie bei Medizin- und Pflegeprodukten.

Auch das werde von den Bewohnern selbst getragen. Nach Angaben des VdK sind dabei Mehrkosten von rund 400 bis 600 Euro zu erwarten.

VdK fordert neue Pflegefinanzierung

Der Sozialverband begrüßt zwar die Tarifpflicht, kritisiert aber, dass es zeitgleich keine passende Neugestaltung der Pflegefinanzierung gebe. "Die Leistungen der Pflegekassen sind nach Pflegegraden gestaffelt und gesetzlich festgelegt. Deshalb haben die Heime keine andere Wahl, als den Pflegebedürftigen diese Mehrkosten in Rechnung zu stellen", sagt der Vorsitzende des VdK im Saarland, Armin Lang.

Der Eigenanteil der Heimbewohner müsse auf die Kosten von Unterkunft und Verpflegung begrenzt werden, fordert Lang daher. "Als kurzfristige Lösung wäre dringend geboten, dass die Krankenkassen wenigstens die Kosten der medizinischen Behandlungspflege übernehmen. So könnten die Pflegebedürftigen zumindest teilweise kurzfristig entlastet werden", so der VdK-Vorsitzende.

Auch das Saarland selbst könne helfen, wenn es wieder in die Mitfinanzierung der Investitionskosten einsteige, zu der die Länder gesetzlich verpflichtet seien.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 19.05.2022 berichtet.

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