Die Hände einer jungen Frau halten die Hände einer alten Frau. (Foto: picture alliance/dpa/Christophe Gateau)

Zu Hause Gepflegte litten besonders unter Corona-Lockdown

  23.08.2021 | 19:59 Uhr

Zwei Drittel der Menschen, die zu Hause gepflegt werden, haben im Lockdown unter Angst und Isolation gelitten. Auch die Mehrheit der pflegenden Angehörigen empfand die Situation als belastend. Für den Pflegebeauftragten des Saarländischen Landtags, Jürgen Bender, ist das Ergebnis der VdK-Studie keine Überraschung.

Für 78 Prozent der Pflegebedürftigen war die Coronapandemie eine besonders schwere Zeit. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des Sozialverbands VdK von der Hochschule Osnabrück durchgeführt wurde. Bei den pflegenden Angehörigen war die Zahl sogar noch höher: 84 Prozent empfanden die Zeit als belastend.

Video [aktueller bericht, 23.08.2021, Länge: 3:20 Min.]
Lockdown belastete Menschen in häuslicher Pflege stark

Tagespflege fiel aus

Diese Ergebnisse decken sich auch mit den Beobachtungen, die der Pflegebeauftragte des Saarländischen Landtags, Jürgen Bender, gemacht hat. Zwar seien seine Beobachtungen immer nur punktuell, aber die Ergebnisse entsprächen dem, was auch er wahrnehme, so Bender im SR-Interview.

Pflegebeauftragter Bender: "Die Tagespflege war in dieser Zeit völlig ausgefallen"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 23.08.2021, Länge: 03:18 Min.]
Pflegebeauftragter Bender: "Die Tagespflege war in dieser Zeit völlig ausgefallen"

Eine große Herausforderung sei die Zeit vor allem auch für die Menschen gewesen, die ihre pflegebedrüftigen Angehörigen nicht mehr in Tagespflegeeinrichtungen geben konnten, weil diese geschlossen waren.

"Man gibt seine Angehörigen nicht ohne Weiteres in die Tagespflege. Meistens waren es überfordernde und überforderte Verhältnisse mit demenziell veränderten alten Menschen, die zuhause unruhig waren", schildert Bender die Lage der Angehörigen. Viele hätten ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können.

Beratung für Angehörige

Ein weiteres Problem für viele Familien: "In der Pandemiezeit ist das Ehrenamt weggebrochen. Das war für ganz viele Familien eine mittlere Katastrophe", erzählt Silke Kotterbach, die als Beraterin beim Pflegestützpunkt im Regionalverband Saarbrücken-Mitte tätig ist.

Die Pflegestützpunkte bieten für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige Beratungen an. So kann ein gezielter Versorgungsplan erstellt werden, der individuell auf den Bedarf der Betroffenen zugeschnitten ist.

VdK spricht von bitterer Bilanz

Video [aktueller bericht, 23.08.2021, Länge: 4:00 Min.]
Pflegeberaterin zur Situation in der häuslichen Pflege

Laut der VdK-Studie haben die Betroffen in der Pandemie auch den Kontakt zu anderen Menschen gemieden. Fast ein Drittel hat laut der VdK-Studie in dieser Zeit das Haus oder die Wohnung nicht mehr verlassen.

VdK-Präsidentin Verena Bentele sprach von einer bitteren Bilanz. Die Politik habe für die Pflegeheime millionenschwere Rettungsschirme aufgelegt, die Pflegenden und Gepflegten zu Hause seien allerdings vergessen worden. Dabei würden 80 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause versorgt.

An der Studie hatten sich mehr als 16.000 Vdk-Mitglieder beteiligt, die entweder selbst pflegebedürftig sind oder Angehörige pflegen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Nachmittag" am 23.08.2021 berichtet.

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