Eine 94 jährige Frau wartet darauf gewaschen zu werden. (Foto: IMAGO / photothek)

Jährlich verfallen Ansprüche Pflegebedürftiger in Milliardenhöhe

  09.05.2022 | 20:05 Uhr

Laut einer neuen Studie zur häuslichen Pflege verfallen pro Jahr Leistungsansprüche von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen im Wert von mindestens zwölf Milliarden Euro. Der Sozialverband VdK hat die Studie am Montag vorgestellt. Im SR forderte der Verband, den Zugang zu Hilfen für Pflegende einfacher zu gestalten.

Eine am Montag veröffentlichte Studie des Sozialverbandes VdK ist nach eigenen Angaben mit 56.000 Befragten die bisher größte Studie zur häuslichen Pflege in Deutschland. Die Ergebnisse offenbaren nach VdK-Angaben große Probleme im System der Pflege in Deutschland.

Video [aktueller bericht, 09.05.2022, Länge: 2:27 Min.]
VdK fordert mehr Beratung für pflegende Angehörige

Viele Pflegeleistungen werden nicht abgerufen

Obwohl die Belastung pflegender Angehöriger als hoch eingestuft wird, werden viele Angebote nicht genutzt. Demnach haben für die Studie Wissenschaftlerinnen der Hochschule Osnabrück errechnet, dass je nach Art der Pflegeleistungen zwischen 62 und 93 Prozent nicht abgerufen werden. Finanziell verfielen allein bei drei wichtigen Hilfsangeboten fast zwölf Milliarden Euro.

Ein Beispiel ist der monatliche Entlastungsbetrag von 125 Euro. Dieser steht Pflegebedürftigen für die Unterstützung im Haushalt zur Verfügung. Sie können damit also beispielsweise eine Haushaltshilfe engagieren. Doch rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen rufen der Studie zufolge diesen Betrag nicht ab.

Video [aktueller bericht, 09.05.2022, Länge: 3:44 Min.]
Interview mit Wolfgang Krause, dem Vorsitzenden der VdK

Undurchsichtiges Angebot

Der VdK sagt: Viele Leistungen werden deshalb nicht abgerufen, weil das System insgesamt zu kompliziert ist.

Das sieht auch Janine Poth-Schwindling, Geschäftsführerin Pflegestützpunkt Saarbrücken Mitte, so. "Es gibt viele unterschiedliche Leistungen, das ist sehr undurchsichtig für die Betroffenen und die wissen oft nicht, von wem bekomme ich welche Leistung?"

Der VdK schlägt nun eine andere Finanzierung vor - über ein einheitliches Budget, in dem die verschiedenen Leistungen zusammengefasst werden. Verknüpfung der einzelnen Hilfen und eine Entbürokratisierung der Pflege sei notwendig. Zudem müsse das Pflegebudget auch für unprofessionelle Helfende eingesetzt werden dürfen.

Beratungsangebote niedrigschwelliger gestalten

Außerdem fordert der VdK mehr Beratungsangebote. Wolfgang Krause vom VdK Saarland sagte im SR, es brauche mehr Beratungsstellen und man müsse die Beratung näher zu den Menschen vor Ort bringen, in die Landkreise und in die Gemeinden.

Zudem will der Verband einen Anspruch auf einen Tagespflegeplatz für Pflegebedürftige. Die Tagespflege entlaste die pflegenden Angehörigen weil die Senioren dort betreut aber auch gefördert werden. Allerdings gebe es viel zu wenige dieser Plätze.

Über dieses Thema berichtet auch der aktuelle bericht am 09.05.2022.

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