Eine goldfarbene Justitia-Figur steht vor Aktenmappen (Foto: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Arzthelferin zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt

mit Informationen von Thomas Gerber   15.11.2021 | 12:07 Uhr

Eine Arzthelferin aus Kirkel ist am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der Mordvorwurf gegen die junge Frau wurde fallengelassen. Sie soll versucht haben, ihre an Demenz erkrankte Großmutter mit Medikamenten zu töten.

Das Landgericht verurteilte die 27-jährige Arzthelferin wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Der Vorwurf des versuchten Mordes wurde hingegen fallengelassen.

Mordvorwurf entfällt

Das Gericht ging von einem sogenannten strafbefreienden Rücktritt von der Tat aus, da die 27-Jährige ihrer Mutter die Tat gebeichtet hatte, so dass diese den Notarzt alarmieren und die 85 Jahre alte Großmutter gerettet werden konnte.

Zwar wertete das Gericht wie die Staatsanwaltschaft die Tat als einen versuchten heimtückischen Mord, letztlich aber spielte das keine Rolle mehr, da die Beschuldigte selbst aktiv die Folgen ihrer Tat also den Tod ihrer Oma verhindert hatte.

Video [aktueller bericht, 15.11.2021, Länge 2:30 Min.]
Haftstrafe für 27-jährige Arzthelferin

Arzthelferin legte Geständnis ab

Die Arzthelferin hatte im März dieses Jahres ihrer Großmutter eine sechsfach überhöhte Dosis Insulin sowie mehrere Tabletten eines Beruhigungsmittels verabreicht. Sie wollte so verhindern, dass ihre Großmutter, die sie selbst lange Zeit gepflegt hatte, in ein Heim eingeliefert wird.

Die Arzthelferin hatte zum Prozessauftakt vor einer Woche die Tat eingeräumt und bedauert. Sie habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, habe Verlustängste gehabt. Die 27-Jährige, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen war, leidet laut Gutachter unter einem Borderline Syndrom.

Mildere Strafe als beantragt

Mit seinem Urteil blieb das Landgericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre vier Monate gefordert hatte. Es blieb aber auch unter dem Antrag der Verteidigung, die auf versuchten Totschlag plädiert und vier Jahre beantragt hatte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Während die Angeklagte noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel verzichtete, will die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie in Revision geht.

Der Haftbefehl gegen die 27-Jährige blieb bestehen. Sie sitzt seit August in Zweibrücken in Untersuchungshaft. Zuvor war sie auf freiem Fuß, da die Staatsanwaltschaft zunächst von versuchtem Totschlag und nicht von versuchtem Mord ausgegangen war.

Kirkeler Arzthelferin wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 15.11.2021, Länge: 03:06 Min.]
Kirkeler Arzthelferin wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.11.2021 berichtet.

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